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Interview: 'Emissionen des Luftverkehrs können nicht unbeachtet bleiben.' [DE]

Veröffentlicht 14. Juni 2007 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Der Europaabgeordnete Peter Liese, der beauftragt ist, einen Vorschlag zum Einbezug des Luftverkehrs in das europäische Emissionshandelssystem vorzulegen, sagte EurActiv, dass er sich dem Druck aus den USA nicht beugen werde, die internationalen Flüge aus dem System auszuschließen. Er warnte die Fluggesellschaften, dass das Parlament vermutlich auf ein auf Steuern basierendes System bestehen werde.

  • Luftverkehr – nur ein geringer Beitrag zum Klimawandel ?

Peter Liese widersprach dem oft angeführten Argument, wonach der Luftfahrtsektor von einer gewissen Milde profitieren solle, weil er nur 3% aller EU-Emissionen produziere.

Der Luftfahrtsektor repräsentiere nur 0,6% der Wirtschaft in der EU. Dennoch würde ihn niemand als unbedeutend einstufen, so Liese. Daher stelle sich die Frage, warum die 3% der Emissionen unberücksichtigt bleiben sollten. Liese erinnerte daran, dass andere Wirtschaftszweige bereits zur Emissionssenkung von rund 8% in Vergleich zu den Emissionen von 1990 und zur Reduzierung um etwa 20 bis 30% bis 2012 verpflichtet seien.

  • Minimale Verzerrung

Liese gab zu, dass es Nachteile beim Einbezug der Luftfahrt in das ETS gebe, einschließlich eines potentiellen Verlusts der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrtindustrie. Er forderte eine Untersuchung, wie diese Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Fluggesellschaften aus europäischen Ländern und Drittstaaten möglichst weitgehend gemindert werden könnten.

Dies würde den Verwurf des Kommissionsvorschlags bedeuten, so Liese, um zwischen innereuropäischen und interkontinentalen Flügen zu unterscheiden. Der Abgeordnete fügte hinzu, dass dies die ökologischen Auswirkungen des Systems ‚grundsätzlich vergrößere’.

  • Handelskrieg mit den USA ?

Die USA sind überzeugt, dass die EU nicht das Recht habe, ihr System auf die Fluggesellschaften von Drittstaaten anzuwenden. Sie machten deutlich, dass sie Handelssanktionen folgen lassen würden, wenn die Union ihren Plan, das ETS auf internationale Flüge auszuweiten, weiterverfolge.

Liese scheint jedoch nicht bereit zu sein, dem Druck nachzugeben. Die USA sollten nicht in der Lage sein, die ehrgeizige Politik der EU zur Bekämpfung des Klimawandels zu stoppen, betonte er. Liese fügte hinzu, dass der Kommissionsplan durch internationale Regeln gerechtfertigt werde und auf soliden rechtlichen Begründungen basiere.

Die Europäische Union habe sich in weniger wichtigen Fällen auf kontroverse Diskussionen und sogar Handelskriege eingelassen. Hier gehe es um die Rettung des Planeten und die europäische Position werde von der großen Mehrheit der Wissenschaftler weltweit unterstützt. Daher solle man in den Augen von Liese nicht zu sehr zögern.

  • Keine kostenlosen Zertifikate?

Während Liese jedoch ablehnt Druck auszuüben, um die Obergrenze für die Luftfahrtindustrie strikter zu gestalten, als dies die Kommissionsvorschläge vorsehen, weil „die Technologie zur Reduzierung der Emissionen noch nicht vorhanden ist“, betont er die Notwendigkeit einer gerechten Aufteilung der Lasten und fordert, dass die Obergrenze auch an andere Faktoren geknüpft sein sollte, wie zum Beispiel die Allokationsmethode.

Diesbezüglich befürwortet der Europaabgeordnete deutlich mehr Versteigerungen. Das Europäische Parlament habe in einer Erklärung im vergangenen Jahr eine 100%ige Versteigerung gefordert, so Liese, der hinzufügte, dass ein hoher Anteil an Zertifikaten, die zur Versteigerung ausgelegt werden, andere Steuern und Abgaben senken und so die Gesamtbelastung für die Bürger senken könnte.

  • Neue Steuern

Liese ist ebenfalls der Auffassung, dass die Richtlinie Steuervergünstigungen abschaffen sollte, die derzeit den Wettbewerb zwischen dem Luftverkehr und umweltfreundlichen Verkehrssystemen, wie Schienenverkehr und Busse, behindere. Diese litten unter einer hohen Steuerlast im Vergleich zum Luftfahrtsektor, der bisher keine ähnlichen Steuern oder Abgaben zahlen müsse.

Um das ganze Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Nächste Schritte: 
  • 25. – 27. Juni 2007: Erste Debatte im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments.
  • 12. September 2007: Parlamentsbericht soll im Ausschuss angenommen werden.
  • 23. Oktober 2007: Voraussichtlich Abstimmung in erster Lesung über den Bericht im Parlamentsplenum.
  • 2008: Kommission wird voraussichtlich einen Vorschlag zur Reduzierung der NOx-Emissionen im Luftverkehr vorlegen.
Hintergrund : 

Im Dezember 2006 hat die Kommission einen Gesetzesvorschlag zum Einbezug der Luftfahrt in ihr Emissionshandelssystem (ETS) vorgelegt. Er verfolgt das Ziel, den kleinen aber schnell wachsenden Beitrag des Luftverkehrs zu den Treibhausgasemissionen zu begrenzen und Europa zu helfen, seine ehrgeiziges Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20% zu senken, zu erreichen (EurActiv vom 9. März 2007).

Während die meisten Fluggesellschaften den Einbezug des Flugverkehrs in das Emissionshandelssystem unterstützen, zeigen sie sich über gewisse Elemente des Vorschlags auf ihrer Seite besorgt:

o Der Plan der Kommission, internationalen Flüge ein Jahr später als Flüge innerhalb der EU (2011) in das System aufzunehmen, und;  o Das Höhe der Begrenzung, der sie unterworfen sein werden und das System zur Verteilung der Emissionszertifikate. 

Während der kommenden Monate werden diese Details vom Parlament und im Rat überprüft werden. In einem Exklusivinterview mit EurActiv erklärt der deutsche Europaabgeordnete Peter Liese (EVP-ED), der für den Berichtsentwurf des Parlaments zum Kommissionsvorschlag zuständig ist, seine Einstellung zum derzeitigen Plan.

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