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Es sei möglich, für weniger als 1% des weltweiten BIP die globale Erwärmung unter einer Temperatur von 2°C zu halten, wenn in den verschiedenen Sektoren schnell gehandelt werde, geht aus einer Studie hervor, die gestern (26. Januar 2009) vom Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlicht wurde.
In Politikkreisen ist man sich allgemein darüber einig, dass ein Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft notwendig ist, um sowohl den Klimawandel zu bekämpfen als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern. Die Wirtschaftskrise sorgte jedoch erneut für die Befürchtung, dass die schwierige Finanzlage die Entwicklung der neuen Technologien verzögern könnte.
Im Oktober 2006 veröffentlichte Sir Nicholas Stern einen maßgeblichen Bericht, in dem er die Meinung vertrat, es sei wesentlich kostengünstiger, die globale Erwärmung zu kontrollieren, als die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. In dem Bericht wurde eine internationale Lösung gefordert, an der sich auch die stark aufstrebenden Wirtschaftsländer wie China beteiligen sollten. Der Handel mit Emissionen, Anpassungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Erhaltung der Wälder sollten neben der Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Technologien Teil der Lösung werden (EurActiv vom 31. Oktober 2006).
Das Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte erstmals im Januar 2007 eine Studie zu den Kosten der Vermeidung von Treibhausgasemissionen, um zur internationalen Debatte über die kosteneffizientesten Technologien für das Erreichen der verschiedenen CO2-Emissionsziele messbares Zahlenmaterial beizusteuern.
Der neue Bericht
von McKinsey ‚Pathways to a low-carbon economy’ (Wege zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft) enthält eine umfassendere Aufstellung der weltweiten Kosten. Darin werden mehr als 200 Möglichkeiten zur Reduzierung der Emissionen in 10 Sektoren und 21 Regionen analysiert.
Das Beratungsunternehmen schätzt, dass bis 2020 weltweit 530 Milliarden Euro investiert werden müssten, um die Emissionen auf 70% des Niveaus zu reduzieren, das ohne Investitionen erreicht würde, und um zu vermeiden, dass die Folgen der Erderwärmung gefährliche Ausmaße annehmen. Bis 2030 müssten insgesamt 810 Milliarden Euro investiert werden, um ein solches Szenario zu vermeiden, heißt es im Bericht
weiter.
Es wird nichtsdestotrotz betont, dass sofortige, sektorübergreifende Maßnahmen eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung der nötigen Emissionsminderungen seien, da mit jedem Jahr, in dem man untätig bleibe, die Emissionen anstiegen und die Wirtschaft auf eine CO2-intensive Zukunft zusteuere.
Im Bericht wird eine Gesamtkostenkurve für die Minderung der Treibhausgasemissionen gezeichnet und die Optionen für den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft miteinander verglichen. Die Kosten sollten dabei unter 60 Euro pro Tonne CO2 liegen. Es werden drei wichtige Sektoren ausgemacht, in denen die Emissionen am kosteneffizientesten reduziert werden könnten.
Die größte Emissionsreduzierung, 14 Gigatonnen (Gt) bzw. rund 40% des weltweiten Einsparungspotentials, könne durch den Bau von Fahrzeugen, elektrischen Geräten und Gebäuden, die weniger Energie benötigten, erzielt werden, so McKinsey. In diesem Bereich würden sich Investitionen im Laufe der Zeit höchstwahrscheinlich bezahlt machen, heißt es im Bericht.
Der Stromsektor könnte ein weiteres Drittel (12 Gt) beisteuern und vermehrt auf umweltfreundliche, erneuerbare Energien wie die Wind- und Solarenergie und Biokraftstoffe zurückgreifen. Außerdem könnten Kohlekraftwerke mit Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS; siehe EurActiv LinksDossier) ausgestattet werden, so der Bericht. Darüber hinaus könnten ähnlich große Einsparungen erzielt werden, wenn die Entwaldung in den Entwicklungsländern gestoppt und die natürlichen CO2-Absorptionskapazitäten durch Wiederaufforstungsmaßnahmen erhöht würden, wird im Bericht erklärt.
Im Vergleich zum maßgeblichen Stern-Bericht aus dem Jahr 2006, der schätzte, dass sich die Kosten auf fünf bis 20% des weltweiten BIP belaufen würden, wenn nichts unternommen werde, glaubt McKinsey, dass Investitionen in den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft deutlich günstiger seien und im besten Fall möglicherweise nur 0,5% des BIP ausmachen würden.
Außerdem werden im Bericht weitere maßgebliche Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung ausgemacht, deren Umsetzung allerdings als zu kostspielig bezeichnet wird. Dazu zählen die Anwendung von CCS-Technologien außerhalb des Stromsektors und weniger energieintensive Herstellungsprozesse. Ein weiterer Bereich, in dem große Einsparungen erzielt werden könnten, sei die Veränderung des Lebensstils, einschließlich eines geringeren Fleischkonsums und die Nutzung kleinerer Autos. Beides könne die Emissionen deutlich reduzieren, meint McKinsey. Es sei jedoch schwierig, solche Annahmen zu quantifizieren.
Im Bericht wird davon Abstand genommen, auf Grundlage der Ergebnisse politische Empfehlungen auszusprechen. Vertreter von Unternehmen und NGO, die zum Bericht beigetragen haben, sagten allerdings bei seiner Veröffentlichung, sie hätten eine solide Basis für ein internationales Klimaabkommen geschaffen. In der Studie wird die Dringlichkeit von Maßnahmen in allen Ländern und Sektoren betont, und diejenigen, die an ihrer Erstellung mitgewirkt haben, meinten, dieses Jahr müsse unbedingt ein globales Abkommen erzielt werden.
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas begrüßte die Studie als zeitlich günstigen Beitrag zum Kopenhagen-Prozess. Er erklärte, die Studie gebe Politikern die Möglichkeit, über angemessene Instrumente für die verschiedenen Sektoren nachzudenken und stelle den Staats- und Regierungschefs der Länder, die das internationale Abkommen aushandelten, wertvolle Analysen zur Verfügung. Dieses Abkommen müsse seiner Meinung nach effiziente Finanzierungsmechanismen enthalten, damit die Kosten für die erforderlichen Emissionssenkungen beglichen werden könnten.
Per-Anders Enkvist von McKinsey&Co sagte, die Autoren der Studie seien der Auffassung, dass es möglich sei, die Investitionen, die nötig seien, um bis 2030 die Emissionsminderungen erreichen zu können, zu verwalten. Man glaube nicht, dass die aktuelle Finanzkrise einen Einfluss darauf haben werde, meinte er, fügte jedoch hinzu, dass es in den Sektoren und in den Regionen Herausforderungen zu bewältigen geben könnte.
Der Generaldirektor des WWF James Leape erklärte, die Studie biete eine ausschlaggebendere Faktengrundlage als es sie je zuvor gegeben habe. Ihm zufolge müssten in dem Kopenhagener Abkommen klare Obergrenzen für die Emissionen von Industrieländern sowie haltbare Mechanismen für die finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Kontrolle zunehmender Emissionen enthalten sein.
Darüber hinaus betonte Leape die Auswirkungen der Studie auf die Konjunkturprogramme, die in der ganzen Welt als Reaktion auf die Finanzkrise ausgearbeitet werden. Er erklärte, die Ergebnisse zeigten, dass Investitionen in die Infrastruktur darauf abzielen sollten, die Energieeffizienz zu verbessern und die Kosten für erneuerbare Energien zu senken, um so den Grundstein für eine kohlenstoffarme Wirtschaft legen und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen zu können.
Der Carbon Trust lobte den Bericht als wertvolle Information für die Staats- und Regierungschefs der internationalen Gemeinschaft, die das globale Klimaschutzabkommen aushandeln werden. Diese Arbeit zeige, dass die Reduzierung der CO2-Emissionen auch wirtschaftlich sinnvoll sei. Es werde aber auch deutlich, dass das Klima nur dann erfolgreich geschützt werden könne, wenn in den kohlenstoffintensiven Infrastrukturen auch weiterhin Fortschritte diesbezüglich erzielt würden. Das gelte insbesondere für die Stromerzeugung und die Industrie. Maßnahmen zur Entwicklung von Technologien auf nationaler und internationaler Ebene seien ebenso wichtig, um bis 2050 kostengünstig eine kohlenstoffarme Wirtschaft schaffen zu können, erklärte Tom Delay, Vorstandschef des Trust.