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Bisherige Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel ‚nicht ausreichend’, wird EU gewarnt [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 12. November 2008   

Die globale Erderwärmung verändere die Umwelt schneller als erwartet. Die durchschnittliche Erdtemperatur steige gefährlich schnell an, während der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft stillstehe, so weltweit führende Klimaexperten.

Die Welt sei in einer „noch größeren Notlage“ als die schlimmsten Vorhersagen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPPC) prognostizierten, sagte Johan Rockström, geschäftsführender Direktor des Stockholm Environment Institute, gestern (11. November 2008) bei einer Klimakonferenzexternal in Brüssel. 

Meere, Wälder und andere Ökosysteme verlieren Rockström zufolge ihre Fähigkeit, CO2 zu absorbieren. Rockström warnte außerdem, dass man sogar für die heutige Zeit keine verheerenden Klimaumschwünge ausschließen könne. 

Rockströms Äußerungen wurden von Lord Nicholas Stern bekräftigt, einem Professor an der London School of Economics und Autor des wichtigen Stern-Berichts 2006, in dem er die Kosten der Untätigkeit beim Kampf gegen den Klimawandel in Form von BIP-Verlusten quantifizierte (EurActiv vom 31. Oktober 2006). 

Stern räumte während der Konferenz ein, dass man die Kosten der Untätigkeit unterschätzt habe, da die Emissionen schneller als erwartet anstiegen und sich der Zustand der Erde schneller verschlechtere. 

Die Redner bei der Konferenz waren sich einig, dass die EU, die sich das Ziel gesetzt hat, bis 2020 ihre CO2-Emissionen um 20% zu senken, ihre Verpflichtungen nicht aufgeben dürfe. Es bestehen Bedenken, dass einige der neuen EU-Mitgliedstaaten, gemeinsam mit Italien, eine Vereinbarung zum Klima- und Energiepaket der EU blockieren könnten, da sie befürchten, die Maßnahmen könnten für ihre heimische Wirtschaft zu hohe Kosten verursachen. 

Doch selbst wenn eine Vereinbarung getroffen werden kann und sich die EU-Länder sowie andere Industriestaaten darauf einigen werden, ihre Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren, wird weithin angenommen, dass der größte Teil der zukünftigen Treibhausgasemissionen von schnell aufstrebenden Wirtschaftsländern wie China und Indien verursacht würden. Diese Länder sind bei ihrer Stromerzeugung stark von Kohle abhängig. 

China sagt, es wolle sich um die Reduzierung der eigenen Emissionen bemühen und zu einem globalen Abkommen zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Peking macht seine Zusammenarbeit jedoch von Finanzhilfen und dem Transfer sauberer Technologien aus Industriestaaten abhängig. Forderungen nach solchen Transfers wurden während einer vom chinesischen Premierminister Wen Jiabao vom 7. bis 9. November 2008 in Peking veranstalteten Konferenz erneut vorgebracht. Jiabao fordert, dass reiche Länder ihren „unhaltbaren Lebensstil“ aufgeben und mehr unternehmen sollten, um die ärmeren Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. 

Die globale Finanzkrise und Ängste vor einer ernsten Wirtschaftsrezession haben die Frage aufgeworfen, wie Finanzmittel und saubere Technologien im großen Stil an Schwellenländer transferiert werden können. Steuern auf globale Finanztransaktionen und Einschränkungen für Steueroasen könnten das nötige Geld bereitstellen, sagte Franz Josef Radermacher von der Universität Ulm in Deutschland bei der Konferenz. 

Stern und andere Konferenzteilnehmer, darunter auch der frühere EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler, erwarten, dass nach der Bush-Ära die neue US-Regierung unter dem designierten US-Präsidenten Barack Obama einen „gewaltigen Unterschied“ machen werde. Diese werde die Führung bei der Aushandlung eines globalen Nachfolgeabkommens zum Kyoto-Protokoll übernehmen. Einige Experten warnen jedoch, dass die Unterstützung der USA für ein Abkommen noch unsicher sei und von vielen Faktoren abhänge, insbesondere von der Kooperationsbereitschaft Chinas (EurActiv vom 31. Oktober 2008). 

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