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5. Dezember 2008
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CO2-Abscheidung und -speicherung: Gemischte Reaktionen auf Vorschläge [DE][en][fr

Erschienen: Montag 28. Januar 2008   

Vergangene Woche hat die Kommission ihr Klima- und Energiepaket vorgelegt. Dieses enthält unter anderem neue Vorschläge für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), wie beispielsweise eine Klärung der Regelungen für staatliche Beihilfe und die Aufnahme dieser Technologie in das EU-Kohlenstoffhandelssystem. Es bleiben jedoch Zweifel bestehen, ob diese teure Technologie effektiv zur Senkung der CO2-Emissionen der Union beitragen kann.

Hintergrund:

Die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff (CCS; Carbon capture and storage), auch als Kohlenstoff-Sequestrierung bekannt, ist der Prozess, während dem Kohlestoffdioxid (CO2) von Gasen, die in großen Kraftwerken entstehen, abgetrennt und verdichtet wird, bevor es abtransportiert und in geologischen Formationen oder unter dem Meeresboden gespeichert wird (siehe LinksDossier). 

Die CCS-Technologie steht bereits zur Verfügung, ist jedoch noch teuer. Ihre verbreitete Nutzung ist nicht vor 2020 oder gar 2030 zu erwarten.

Die Kommission sagt, dass CCS ein notwendiger Teil der Bemühungen der EU sei, um CO2-Emissionen zu senken. Am 23. Januar 2008 hat die Kommission – als Teil ihres Energie- und Klimapakets – mehrere Mitteilungen vorgelegt, die mit der CCS-Technologie im Zusammenhang stehen:

Zum gleichen Thema:

Weitere Nachrichten:

  • Förderung der CCS

Die Vorschläge der Kommission vom 23. Januar 2008 unterstützen die CCS-Technologie, indem sie eine Reihe von Hindernissen beseitigen, die bisher die Entwicklung dieser Technologie behindert haben.

Zunächst wurden die Leitlinien dafür, wann Mitgliedstaaten Industrien subventionieren dürfen, erweitert, um  eine mögliche Nutzung der CCS zu gewähren. Auch wenn die Kommission sagt, es sei zu früh, um spezifische Leitlinien für die Unterstützung der CCS festzulegen, wird Brüssel gegenüber der staatlichen Beihilfen für CCS-Projekte eine positive Haltung annehmen. Es wird erwartet, dass die überarbeiteten Leitlinien Mitte Februar 2008 in Kraft treten.

Zweitens wird das CO2, das abgeschieden und eingelagert wird, unter dem EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) als „nicht ausgestoßen“ gewertet werden. Dies ist eine Bestimmung, die viele Unternehmen als entscheidend erachten, um die notwendigen Investitionen zu rechtfertigen.

Der Vorschlagsentwurf schreibt ebenfalls vor, dass die bestehenden EU-Regelungen für die Verschmutzung durch große Industrieanlagen aktualisiert werden sollten. Ziel ist es, dass alle Großfeuerungsanlagen, die ihre ursprünglichen Bau- und Betriebsgenehmigungen nach Inkrafttreten der CCS-Richtlinie erhalten haben, auf ihrem Gelände ausreichend Platz für die notwendige Ausstattung für die Abscheidung und Verdichtung des CO2  bereitstellen.

CCS ist ebenfalls eine der sechs Technologien, die die Kommission in ihrem Strategieplan für Energietechnologie (SET) unterstützt (EurActiv vom 23. November 2007).

  • CO2-Berechnungen 

Ein Bestandteil der Unstimmigkeiten um die CCS-Technologie ist, ob sie eine rentable Lösung für die Senkung der CO2-Emissionen darstellt. Die Kommission räumt ein, dass CCS nur dann zum Einsatz kommen würde, wenn der Preis pro Tonne CO2 niedriger sei als der Kohlenstoffpreis.

Das McKinsey Global Institute (MGI) geht davon aus, dass nach 2020 85% aller neuen kohlebefeuerten Kraftwerke mit der CCS-Technologie ausgestattet sein würden. Dies würde zu einer Senkung der CO2-Emissionen um etwa 20 bis 30 Euro pro eingesparte Tonne CO2 führen. Schenkt man diesem Szenario glauben, könnten durch CCS weltweit jährlich 3,1 Gigtonnen CO2 eingespart werden.

Der derzeitige Preis für CO2 unter dem Emissionshandelssystem liegt bei 25 Euro pro Tonne. Es wird jedoch weithin erwartet, dass er steigen wird. Dies ist ein Zeichen dafür, dass CCS in den kommenden Jahrzehnten sich als rentabel erweisen könnte.

In ihrer eigenen Folgenabschätzung schätzt die Kommission, dass bis 2030 bis zu 15%, oder 160 Millionen Tonnen, der notwendigen CO2-Reduktionen der EU auf CCS zurückzuführen sind.

  • Leicht zu erreichende Erfolge

Verbesserungen im Bereich Energieeffizienz im Gebäude- und Verkehrssektor – die aufgrund der Energiekosteneinsparungen keine Nettokosten tragen – könnten bis 2030 jährlich zu CO2-Reduktionen von fast sieben Gigatonnen führen, so das MGI. Dies sei um einiges mehr als die optimistischsten Prognosen für die teurere CCS-Technologie.

Die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden und im Verkehr verlangt jedoch die Regulierung einer großen Zahl kleiner Emittenten  sowie die Koordinierung zahlreicher fragmentierter Standards und Verfahren. Dies stellt für Politiker eine schwierigere Aufgabe dar, als die Senkung der CO2-Intensität von großen Energieerzeugungsanlagen.

Die Bemühungen der EU-Gesetzgeber, die Effizienzstandards für PKWs zu straffen, haben seitens der Branche heftige Kritik erfahren. Der Fortschritt der EU-Mitgliedstaaten im Bereich Energieeffizienz ist sehr unterschiedlich; die Umsetzung der EU-Gesetzgebung für erhöhte Energieeffizienz bei Gebäuden ist trotz einiger Verbesserungen enttäuschend langsam von statten gegangen, so ein neuer Bericht von EnR (Europäisches Energie Netzwerk), einem freiwilligen Zusammenschluss von nationalen Energieagenturen.

Positionen:

Die Kommission argumentiert, dass CCS angesichts der anhaltenden Bedeutung und Nutzung fossiler Brennstoffe in der EU entscheidend sei. Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte in seiner Redeexternal vom 21. Januar 2008, man müsse weiter voranschreiten, um in den kommenden Jahrzehnten fossile Brennstoffe als eine entscheidende Quelle nutzen zu können. Daher müsse man CCS für neue Kraftwerke zur Norm machen, und bis 2015 bis zu zwölf Demonstrationsanlagen errichten. Es würden beträchtliche Mittel aus öffentlichen und privaten Quellen notwendig sein.

Das Vereinigte Königreich begrüßte die überarbeiteten Regelungen für staatliche Beihilfen. Es wird vermutlich der erste Mitgliedstaat sein, der eine Genehmigung einfordern wird, um einer CCS-Anlage staatliche Unterstützung gewähren zu dürfen. Das Land plant, dass diese bis 2014 in Betrieb sein wird.

Eurelectric, der Vertreter der europäischen Stromindustrie, reagierte positive auf die Pläne. Langfristig gesehen müsse Emissionssenkung und -handel unter dem ETS als ein Anreiz für CCS dienen. Die Technologie müsse auch ohne staatliche Subventionen wettbewerbsfähig werden.

Der Europäische Verband der Papierindustrie (CEPI) stellte infrage, ob es sinnvoll sei, dass Industrieanlagen eine bestimmte Fläche für CCS bereitstellen müssten, wenn die Technologie noch gar nicht zur Verfügung stehe.

Die Fraktion der Grünen  im Parlament, besonders die deutsche Europaabgeordnete Rebecca Harms, ist der Meinung, dass CCS die fortwährende Nutzung fossiler Brennstoffe fördere, während dies bereits erzielte Fortschritte im Bereich Technologien für saubere Kohle außer Acht lasse und Mittel für andere Technologien, wie erneuerbare Energien, einstreiche.

Viele Umweltorganisationen sind besorgt, dass die Sicherheit der CO2-Speicherstätten in CCS-Anlagen nicht gewährt werden könnte. Sie sind zudem skeptisch hinsichtlich der Nutzung öffentlicher Mittel zur Unterstützung der Energieerzeugung, die auf fossilen Brennstoffen basiere.

Das Europäische Umweltbüro (EUB) sagte im April 2007, dass die ‚Option’ CCS nicht ausgeschlossen werden solle. Selbst in Europa werde im Jahr 2050 Kohle nicht aus dem Energiemix verschwunden sein – aus mehreren Gründen: Schwierigkeiten der internationalen Energieversorgung und Verzögerungen der Ergebnisse durch Verbesserungen der Energieeffizienz.

Das EUB sagte jedoch, dass strengere Umweltmaßnahmen eingeführt werden müssten, um die Sicherheit der Lagerstätten zu gewährleisten.

Greenpeace äußert ernsthafte Bedenken über die Position der Kommission hinsichtlich der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung, einer noch immer weitgehend unbewiesenen, teueren und möglicherweise gefährlichen Technologie, die als eine Ausrede dienen könnte, um weiterhin Kohlekraftwerke zu errichten, mit der Versprechung, diese seien für die Technologie der Abscheidung bereit.

Nächste Schritte:

  • Mitte Februar 2008: Die überarbeiteten Leitlinien für staatliche Umweltschutzbeihilfen treten in Kraft.
  • März 2008: Die Minister werden über die Finanzierung der CCS- und anderer Energietechnologie diskutieren.

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