Was wir getan haben, ist das Niveau, welches die EU anstrebt, mit dem zu vergleichen, was es in Wirklichkeit bedeutet. 20 Prozent Emissionssenkungen von der EU bis zum Jahr 2020 auf die Niveaus von 1990 bedeutet nicht mehr als 4-5 Prozent Emissionsreduktionen im Inland.
Um dieser Behauptung Rückhalt zu geben, erklärte Singer, dass die EU schon eine Senkung von 8 Prozent erreichen werde, hauptsächlich durch die Deindustrialisierung in Ex-Sowjet Staaten, die seit 1990 im Gange ist, was als Basisjahr des Kyoto-Protokolls gilt.
„Also bleiben 12 Prozent übrig“, erklärt Singer. Jedoch sagt er, dass dies durch Emissionssenkungen innerhalb der Grenzen Europas nicht erreicht würde, da die EU plane, einen großen Teil davon und zwar 60 Prozent durch Emissionszertifikate in Entwicklungsländern erreichen will und den Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) der UN dafür verwenden wolle.
„Dies ist im Prinzip kein Problem, wenn es auch ein großes innereuropäisches Ziel gibt und wenn der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung wirklich als Zusatz betrachtet werden könnte. Dies ist aber nicht der Fall“
Tatsächlich, sagt er, seien die EU-Emissionsrechte in Entwicklungsländern nicht wirklich tragfähig, weil „diese Emissionssenkungen wahrscheinlich ohnehin aufgetaucht wären“, weil es Richtlinien in Ländern wie China gibt. Infolgedessen, so Singer, sei das EU-Ziel um 20 Prozent bis 2020, in Wahrheit nur ein vier- bis fünfprozentiges inländisches Ziel.
Man trickse die Atmosphäre damit aus, behauptet er.
Wenn wir unter der 2°C-Grenze der globalen Erwärmung bleiben wollen, gibt die EU vor eine 20-prozentige Senkung vorzunehmen. Zusätzlich verlangt sie von Entwicklungsländern ihre Emissionen um 15-30 Prozent zu senken. Das ist Betrug. Das hilft doch nicht dabei die 2°C zu erreichen.“
USA und China an der Weltspitze
Zum Vergleich, so Singer, habe der US-Präsident Barack Obama viel größere Senkungen geplant. „Die Obama-Administration schlägt bis 2020 eine Stabilisierung der Emissionen in den USA auf die Niveaus von 1990 vor. Das ist eine ca. eine 19-prozentige Reduktion in der USA von heute ab.“
Singer argumentiert auch begeistert gegen den Punkt der oft in Europa hervorgebracht wird, dass aufstrebende Volkswirtschaften so wie China nicht genug gegen den Klimawandel unternehmen.
"China has committed to reducing its energy intensity, energy use per GDP, by 20% in just six years between 2005 and 2010, and another 20-30% until 2020. And this is quite substantive if you look at the GDP growth in China. China has a very ambitious renewable energy target, 15-20% renewables by 2020, similar to that of the EU. China has 14 to 16 new pilot projects on coal gasification in the pipeline. We just have one in Europe."
China hat sich dazu verpflichtet seinen Energieverbrauch pro BIP in nur sechs Jahren um 20 Prozent, zwischen 2005 und 2010 und weitere 20-30 Prozent bis 2020 zu senken. Dies ist sehr wahrscheinlich, wenn man sich das BIP Wachstum in China ansieht. China hat ein sehr ehrgeiziges Ziel seiner erneuerbaren Energien, 15-20 Prozent Erneuerbare, das ist ähnlich dem der Eu. China hat 14-16 neue Pilotprojekte zur Kohlenstoffverflüssigung, in Europa gibt es nur eines.“
„China ist definitiv an der Weltspitze.“
Er habe keine Sorge, dass China ein konstruktiver Partner bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Dezember sein werde. Er sei nicht um China besorgt, obwohl alle über China sprechen würden.
Er äußerte sich allerdings besorgt, dass die EU ihre leitende Rolle verlieren könnte. „Ich sage nicht, dass die EU nichts machen würde, Man hat sehr gute Gesetze in einigen Ländern, so zum Beispiel Gesetze zu erneuerbaren Energien in Deutschland und energieeffiziente Vorgaben in Schweden, aber die Europäische Union als Gesamtes verliert ihre Vorreiterrolle bei gemeinsamen Strategien zur Senkung der CO2-Emissionen. Mit einer Reduzierung um 4 bis 5 Prozent kann man Europa nicht zu einem CO2-armen Kontinent entwickeln
Russische „Black Box” ein Grund zur Sorge
Der Auffassung Singers zufolge ist eine der größten Unsicherheiten für die UN-Klimagespräche die Position Russlands.
„Die Erfahrung sagt uns, dass Russland immer noch kurz vor Unterzeichnung mit einer lächerlichen Anfrage kommen wird und dies trifft nicht allein auf Klimaverhandlungen zu, sondern auf alle Bereiche, da Russland die UN als einen Selbstbedienungslanden betrachtet“, so Singer.
„Damit man mit Russland umgehen kann, muss die globale Gemeinschaft darüber nachdenken Eingeständnisse zu machen. Das Problem ist allerdings, dass man nicht genau weiß, wie man mit Russland zu handeln umgehen soll, da sie wie eine ‚Black Box’ sind“
Die Entwicklungsländer leisten ihren Beitrag
Andererseits verteidigte er rasch die Forschritte der Entwicklungsländer, deren Beiträge „oft vergessen“ würden, so Singer.
„Brasilien hat sich verpflichtet vor Ende des Jahres die Emissionen im Amazonas um 70 Prozent zu senken. Indonesien hat sich verpflichtet die Emissionen in Borneo um fast 100 Prozent zu senken, was die Region mit der stärksten Entwaldung darstellt. Dies ist natürlich nicht auf die Industrie bezogen, aber es handelt sich trotzdem um riesige Emissionen. Es hat sich also etwas geändert.
„Entwicklungsländer unternehmen etwas. Sie verpflichteten sich. Man könne/kann sagen, dass sie nicht genug unternehmen würden und man Übereinstimmung braucht, aber zumindest tun sie etwas“, so Singer.
Arrogante Europäer
Trotz dieser Anstrengungen würden die Entwicklungsländer wenig von den Europäern zurückbekommen.
„Europa hat es verschlafen den Entwicklungsländern zumindest ein Minimum an Geldern zu geben, indem man auf eine sehr arrogante Weise sagte, dass man sich in Verhandlungen befindet und sehen will, was die anderen unternehmen“.
„Dies sei ein Rezept für eine Katastrophe und Europa wird dafür von den Entwicklungsländern zur Rechenschaft gezogen werden“, so Singer.



