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EU-Gipfel kämpft um Klimafinanzierung [DE]

Veröffentlicht 11. Dezember 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die europäischen Staaten werden auf dem heutigen (11.Dezember) EU-Gipfel rund sechs Milliarden Euro zur Hilfe armer Staaten beim Klimaschutz versprechen. Die Finanzierungen werden jedoch auf freiwilliger Basis vergeben, infolge von besorgniserregenden Schuldenproblemen in Staaten wie Griechenland.

Fredrik Reinfeldt, schwedischer Ministerpräsident und derzeitiger Inhaber der sechsmonatigen rotierenden EU-Präsidentschaft, gab sich zuversichtlich, dass die Summen gefunden werden würden. Seinen Erklärungen zufolge haben mehr als die Hälfte der 27 EU-Mitgliedstaaten bereits so genannte ‚Schnellstartfinanzierung’ für die nächsten drei Jahre bis 2013 versprochen.

Doch der schwedische Ministerpräsident warnte, dass die Beiträge nur auf freiwilliger Basis erfolgen würden, da Länder sich in sehr unterschiedlichen Haushaltssituationen befänden.

„Es gibt [EU] Mitgliedstaaten mit Programmen [des Internationalen Währungsfonds], die hohe Haushaltsdefizite haben. Dies geschieht auf freiwilliger Basis und mehr als die Hälfte der Staaten haben bereits Zahlen genannt“, sagte Reinfeldt gestern (10. Dezember) auf einer Pressekonferenz in Brüssel.

  • Großbritannien hat letzten Monat 880 Millionen Euro für die Erreichung des Ziels zugesagt. Am Freitag (11. Dezember) deutete es seine Bereitschaft an, diese Zahl auf 1,65 Milliarden Euro für die drei Jahre zu erhöhen.
  • Frankreich kündigte am Freitag an, dass es im gleichen Zeitraum 1,26 Milliarden Euro zur Verfügung stellen will.
  • Schweden hat ungefähr 800 Millionen Euro versprochen.
  • Die Niederlande haben 300 Millionen Euro zugesagt.
  • Dänemark hat 160 Millionen Euro bereitgestellt.
  • Spanien hat 300 Milliarden Euro zugesagt.
  • Finnland hat 100 Millionen Euro zugesagt.

Die steigenden Verschuldungsprobleme einiger Länder geben ebenfalls Anlass zur Sorge. Kritiker sagen, diese Probleme gingen zum Teil auf großzügige staatliche Hilfsprogramme zurück, die nach der schlimmsten Rezession des Kontinents seit dem Zweiten Weltkrieg die Konjunktur ankurbeln sollten.

Griechisches Schuldenproblem

Griechenland, Mitglied der Eurozone aus 16 Staaten, stand gestern im Mittelpunkt der Sorgen. Es hat Schulden von geschätzten 300 Milliarden Euro oder 125% seines BIP. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt, der für die Länder der Eurozone verpflichtend ist, begrenzt die Staatsverschuldung auf höchstens 60% des BIP.

EU-Regierungschefs versuchten gestern, die Sorgen über Griechenland zu dämpfen. So sagte der Vorsitzende der Eurogruppe Jean-Claude Juncker, er schließe einen Bankrott des griechischen Staates vollkommen aus. „Die Regierung wird kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen ergreifen“, sagte Juncker am Rande einer Versammlung der Europäischen Volkspartei (EVP) in Bonn.

Der Europäische Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am Donnerstag, er sei davon überzeugt, dass Griechenland sein Verschuldungsproblem in den Griff bekommen werde.

„Nach Gesprächen mit dem griechischen Ministerpräsidenten George Papandreou bin ich vollkommen davon überzeugt, dass Griechenland in seinen Bemühungen uneingeschränkt erfolgreich sein wird“, sagte Barroso auf einer Pressekonferenz nach dem ersten Tag des Gipfels der EU-Regierungschefs.

Widerwillige Osteuropäer

Andere Mitglieder der Eurozone wie etwa Irland haben harte Sparmaßnahmen angenommen, um ihr Verschuldungsproblem zu verbessern, während einige osteuropäische Staaten außerhalb des Euros – so etwa Ungarn – vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt werden.

Währendessen haben Polen und andere osteuropäische Staaten wie Bulgarien gesagt, sie würden lieber Hilfen zur Senkung ihres CO2-Ausstoßes erhalten, anstatt Beiträge an ärmere Länder außerhalb Europas zu zahlen.

Deutschland, das am meisten zum EU-Haushalt beiträgt, scheint aus taktischen Gründen abwarten zu wollen, bis andere reiche Länder wie die USA bei der UN-Klimakonferenz, die zurzeit in Kopenhagen stattfindet, Geld auf den Tisch gelegt haben.

Stellungnahmen: 

Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt sagte, er erwarte, dass er heute (11. Dezember) am Ende des Gipfels eine Zahl vorlegen können werde.

„Wir werden die ganze Nacht durcharbeiten, um eine Einigung zu erzielen“, sagte Reinfeldt gestern. „Zwischen 27 unabhängigen Staaten wird es immer unterschiedliche Auffassungen geben. Aber ich glaube, dass wir am Morgen eine bessere Zahl vorlegen müssen, als wir es heute Abend bezüglich der Hilfen für Anpassungsmaßnahmen getan haben. Während des Abendessens war die Atmosphäre von einem eindeutigen Konsens darüber bestimmt, dass eine europäische Vorreiterrolle benötigt wird, um in Kopenhagen zu einem Ergebnis zu kommen. Deswegen werden die Diskussionen weitergehen“, so Reinfeldt.

Elise Ford, Leiterin des EU-Büros von Oxfam International, warnte die EU-Regierungschefs davor, Hilfen zu versprechen, die bereits unter anderen Hilfsprogrammen vorgesehen waren. „Die EU-Regierungschefs können mit ihren Entscheidungen zur Finanzierung das Verhandlungstempo in Kopenhagen bestimmen. Sie müssen mit ihren Ausflüchten aufhören und sich zu großen, langfristigen Hilfen für arme Länder verpflichten. Das Angebot symbolischer Almosen während der nächsten drei Jahre, die aus wiederverwerteten Versprechungen bestehen, wird nicht zu dem benötigten Durchbruch bei den Gesprächen führen.“

„Die Nennung einer konkreten Summe für einen gerechten Anteil der EU an der notwendigen Langzeitfinanzierung sowie die Garantie, dass dies nicht nur eine Umwidmung bereits bestehender Verpflichtungen beinhaltet, könnte die Situation grundlegend verändern“, so Ford.

Hintergrund : 

Die Weltgemeinschaft befindet sich derzeit in Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls, das 2012 ausläuft. 

Eine politische Einigung über einen neuen Vertrag soll bei der Kopenhagener Klimakonferenz erreicht werden, die am Montag (7. Dezember) begann, aber die Gespräche sind über das Widerstreben der Industrieländer ins Stocken geraten, sich zu konkreten Finanzhilfen für Entwicklungsländer und zu ausreichenden CO2-Reduktionszielen zu verpflichten.

Die EU-Staats- und Regierungschefs einigten sich darauf, dass bis 2020 100 Milliarden Euro jährlich notwendig wären, um Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Erderwärmung zu unterstützen. Das Geld soll aus den eigenen Investitionen der Entwicklungsländer am internationalen Markt für Kohlendioxid sowie aus internationalen öffentlichen Geldern stammen. Letzteres soll ungefähr 22-50 Milliarden Euro betragen und die EU stimmte zu, dass sie einen gerechten Beitrag leisten sollte.

Die EU-Regierungschefs waren sich ebenfalls darüber einig, dass die Entwicklungsländer zusätzliche so genannte ‚Schnellstartfinanzierung’ von 5-7 Milliarden Euro jährlich während der nächsten drei Jahre (2010-2012) benötigen.

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