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Die Pläne für ein neues europäisches System zur Senkung der Treibhausgasemissionen schließen viele Wirtschaftsbereiche ein, die für das Recht zum Verschmutzen zahlen müssen. Dies könnte letztendlich zu einem Anstieg der Strompreise um bis zu 15% führen. Die Entscheidung über Schutzmaßnahmen, die verhindern sollen, dass Fabriken und Arbeitsplätze aus Europa vertrieben werden, wurde aufgeschoben, bis die Verhandlungen über ein Weltklimaabkommen zum Abschluss gebracht wurden.
Im März 2007 haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU auf ein verbindliches Ziel zur Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20%, gemessen am Stand von 1990, geeinigt. Zudem haben sie entschieden, dass diese Zielvorgabe auf 30% erhöht werden soll, wenn andere Industrienationen, einschließlich den USA, ähnliche Maßnahmen ergriffen.
Ein entscheidender Mechanismus, um dieses Ziel zu erreichen, wird weiterhin das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) sein. Es wurde ursprünglich 2005 eingeführt, um die Ziele des Kyoto-Protokolls zu erreichen, nach denen die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 um acht Prozent senken muss. Dies sollte durch eine Begrenzung der Emissionen von energieintensiven Wirtschaftsbereichen, wie Stahl-, Zement- und Energieerzeugungsindustrie, geschehen.
Derzeit fallen etwa 10 000 energieintensive Kraftwerke unter das System, die insgesamt 40% der CO2-Emissionen der EU verursachen. Das System ermöglicht den Kraftwerken, die wirtschaftlichen Kosten der Kyoto-Verpflichtungen zu minimieren, indem sie CO2-Zertifikate voneinander kaufen und einander verkaufen.
Laut der Kommission habe sich das System bisher als erfolgreich erwiesen. Die jüngsten offiziellen Daten belegen, dass die 15 EU-Mitgliedstaaten, die ursprünglich das Kyoto-Protokoll unterzeichnet hatten, 2005 eine Senkung der CO2-Emissionen um zwei Prozent im Vergleich zu 1990 erreichen konnten. Weiterhin implizieren Prognosen, dass – allein mit den bestehenden politischen Maßnahmen – diese Ziffer bis 2012 auf 7,2% steigen könnte, womit sie somit fast das Ziel des Kyoto-Protokolls erreichen würde.
Das derzeitige System läuft jedoch 2012 aus. Die Kommission sagt, unter dem Nachfolgeabkommen müssten viel strengere Vorgaben für Emissionen gelten, um das 20%-Ziel bis 2020 erreichen zu können.
Nach Monaten intensiver Diskussionen mit den Mitgliedstaaten, der Wirtschaft und Umweltorganisationen hat die Kommission am 23. Januar 2008 ihre Pläne für ein reformiertes Emissionshandelssystem vorgelegt.
Das neue System wird 2013 in Kraft treten und bis 2020 laufen. Seine wichtigsten Elemente sind Folgende:
Kommissionspräsident José Manuel Barroso rechtfertige die Tatsache, dass die Richtlinie keine Sektoren nennt, die weiterhin Zertifikate für umsonst erhalten werden: Er sagte, zum aktuellen Zeitpunkt könne man keine konkrete Liste mit Industriebranchen entwerfen, die tatsächlich von dem Phänomen einer Verlagerung von CO2-Emissionsquellen betroffen sein würden. Man habe nun die Kriterien bestimmt, um zu einem späteren Zeitpunkt genau festzulegen, welche Sektoren betroffen sein würden.
Nichtsdestotrotz betonte Barroso, dass die EU Maßnahmen ergreifen würde, wenn sich herausstelle, dass die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen in Gefahr sei. Er sagte, alle wüssten, dass es Sektoren gäbe, in denen die Kosten für eine Emissionssenkung enorme Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber tatenlosen Unternehmen in anderen Ländern haben könnten. Es mache keinen Sinn, wenn man in Europa sehr streng sei, wenn dies letztendlich bedeute, dass Emissionen in Länder verschoben würden, in denen jeder Emissionen verursachen könne, ohne dafür zahlen zu müssen. Wenn die Erwartung, ein internationales Abkommen abzuschließen, nicht erfüllt würde, werde man andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen: beispielsweise Importeure zu verpflichten, ebenso wie europäische Konkurrenten Zertifikate zu erwerben. Ein solches System müsse mit den Bestimmungen der WTO in Einklang stehen.
Energiekommissar Andris Piebalgs fügte hinzu, dass man alles tun werde, um solch eine Gesetzgebung zu verhindern. Wenn man jedoch nicht zu einer Einigung finde, werde man 2011 die Situation erneut überprüfen und entscheiden, ob die energieintensiven Energiebranchen der EU für den Mangel an Klimamaßnahmen in anderen Ländern entschädigt würden.
Die Wirtschaft ist enttäuscht, dass die Kommission nicht entschieden hat, welche Sektoren kostenlose Zertifikate erhalten und welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um europäische Unternehmen vor dem Wettbewerb aus Drittstaaten mit weniger strikten Klimagesetzen zu schützen.
Folker Franz, Berater der europäischen Arbeitgeberorganisation BusinessEurope in Industrie- und Umweltfragen, bedauerte, dies gewähre Unternehmen weder Vorhersagbarkeit noch Gewissheit.
Umweltorganisationen kritisierten die Tatsache, dass die Pläne für das neue System einzig auf einem 20%-Reduktionsziel gründeten, statt auf einem 30%-Ziel. Die Europäische Union sollte ihre Vorhaben auf der Aussicht auf Erfolg, nicht eines Versagens, der internationalen Verhandlungen gründen, um die Umweltverschmutzung zu mindern, so der WWF. Das 20%-Ziel stehe nicht einmal im Einklang mit der Einigung, die auf Bali erreicht worden sei. Nach dieser sollen Entwicklungsländer ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40% senken. Dr. Stephan Singer, Leiter der europäischen Klima- und Energieabteilung des WWF, sagte, insgesamt sei dies nur eine geringe Bemühung, um eine Bedrohung in den Griff zu bekommen, die zum Schmelzen der arktischen Eisflächen und aufgrund von zunehmenden Überflutungen zur Verdrängung von Millionen von Menschen in Entwicklungsländern führen könne.