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Waldbrände, Hitzewellen, Vertreibungen der Bevölkerung, die Ausbreitung von Krankheiten und eine zunehmende Wasserknappheit in der Landwirtschaft sind Beispiele für die zwangsläufigen Folgen des Klimawandels. Die Europäische Kommission hat in einem Grünbuch, das am 29. Juni 2007 vorgelegt wurde, die EU-Staaten gewarnt, sich darauf vorzubereiten.
Das Grünbuch erkennt die wissenschaftliche Meinung an, dass die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels real und sehr ernst sind.
Die Hitzewelle des Sommers von 2003, die Waldbrände, die derzeit in Griechenland wüten, Dürren, Überschwemmungen und Massenvertreibungen von Völkern durch Umweltkatastrophen haben die Frage, wie man sich am besten an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen könnte, in den Vordergrund der öffentlichen Debatte gestellt (siehe EurActiv vom 13. Juni 2007 und vom 10. April 2007).
Kraftwerke, Straßen, Gebäude und andere anfällige Infrastrukturen werden ebenfalls als besonders durch die negativen Auswirkungen des Klimawandels gefährdet betrachtet.
Der Kommissar für Umwelt, Stavros Dimas, stellte das Grünbuch “Anpassung an den Klimawandel in Europa“ vor und sagte mit Hinweis auf die Zielvorgaben zur Reduzierung der CO2-Emissionen, die von den Staats- und Regierungschefs der EU im März 2007 festgelegt wurden, dass eine Anpassung kein Ersatz für Schadensminderung sei.
Er fügte jedoch hinzu, dass einige Konsequenzen unvermeidbar seien und dass die Mitgliedstaaten darauf reagieren müssten.
Acht von neun Gletschern in den Alpen werden vermutlich bis 2050 schmelzen und somit die Wasserknappheit in Südeuropa erhöhen; demgegenüber erwartet man in Nordeuropa zunehmende Regen- und Schneefälle, so die Kommission. Der Rückgang der Artenvielfalt wird als erheblich eingestuft und der Klimawandel soll aufgrund von Hitzewellen, Lebensmittel- und Wasserknappheit einen Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben. Während einer Pressekonferenz am 29. Juni 2007 hat Dimas außerdem über die Verbreitung von neuen Krankheiten in den nördlichen Ländern gesprochen, die normalerweise auf die südlichen Länder begrenzt sind, wie beispielsweise die Blauzungekrankheit (siehe EurActiv vom 21. August 2006).
Das Grünbuch schlägt keine spezifischen politischen Maßnahmen vor, sondern eröffnet eher eine weitreichende öffentliche Debatte darüber, was die EU tun müsse, um den Staaten zu helfen, um sich an die Gegebenheiten anzupassen.
Der Klimawandel wird vermutlich Auswirkungen auf eine Reihe von EU-Politiken haben, besonders auf diejenigen, die sich mit Landwirtschaft, Fischerei, Wasser, Energienetzwerken und Infrastruktur beschäftigen. Die Kommission beabsichtigt, ‚neue politische Strategien’ zu entwickeln, und erwägt eine Anpassung aller bestehenden und neuen Politikbereiche, wo dies relevant ist.
Die Wasserrahmenrichtlinie beispielsweise zieht den Klimawandel nicht direkt in Betracht. Die Herausforderung werde laut Grünbuch sein, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels als Teil der Umsetzung, die mit dem ersten Planungszyklus ab 2009 beginnt, einzugliedern.
Ein Teil der Strategie steht in Zusammenhang mit der neuen Energiepolitik der EU, besonders mit der Verwendung erneuerbarer Energien und der Rolle der Technologien zur Energieeffizienz, die in einem zukünftigen Europäischen Strategieplan für Energietechnologien (SET Plan) detailliert beschrieben werden.
Das Grünbuch spricht sich zudem für eine stärkere internationale Zusammenarbeit (einschließlich Entwicklung), Forschung und Informationsaustausch aus, sowie für die Errichtung einer europäischen Beratungsgruppe über die Anpassung an den Klimawandel.
Mit dem Hinweis “Anpassung ist weitgehend eine Frage politischer Kohärenz, der Zukunftsplanung und konsequenten und koordinierten Handelns“ weist das Grünbuch den EU-Aktionen eine ergänzende Rolle zu den nationalen Maßnahmen zu, wie beispielsweise die Reaktion auf Krisen, die regionale Raumplanung und die lokalen Strategien zur Landverwaltung.
Die Kosten der Anpassung
Die erwarteten Kosten reichen von günstigen Maßnahmen, wie der Bewusstseinsbildung und dem Gebrauch dürreresistenten Saatguts bis hin zu kostspieligen Aktionen, wie dem Bau neuer Dämme und Kraftwerke ‚aufgrund des Ausfalls von mit Wasserkraft betriebenen Kraftwerken’.
Aufgrund des Ressourcenmangels und den unsicheren Vorhersagen, wie der Klimawandel sich bemerkbar machen wird, ist laut der Kommission „nicht damit zu rechnen, dass Marktkräfte allein zu einer effizienten Anpassung führen.“
Der Hurrikan „Katrina“ wurde von der Kommission als Beispiel angeführt, wie vorbeugende Maßnahmen, wie besserer Hochwasserschutz, zwar ursprünglich kostspielig sein könnten, letzten Endes aber günstiger als der Wiederaufbau nach Katastrophenfällen seien.
Die “Klimasicherung” neuer Gebäude und der Infrastruktur mit Hilfe von EU-Geldern wird vom Grünbuch empfohlen. Es stellt fest, dass die Kommission untersuchen wird, wie Mittel besser auf die Vermeidung von Schäden an Straßen, Brücken, Elektrizitätsnetzen und anderen anfälligen Infrastrukturen aufgewendet werden können.
Die ‘freundliche’ Seite
Trotz der Ausfälle durch den Klimawandel erwartet die Kommission auch neue Märkte, Möglichkeiten und Arbeitsplätze im Feld der Anpassung, einschließlich im Versicherungssektor. Man erwartet außerdem, dass finanzielle Marktinstrumente wie „Wetterderivate“ und „Katastrophenanleihen“ an Bedeutung zuzunehmen.
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat den Schwerpunkt des Grünbuchs auf den sozialen Aspekt des Klimawandels begrüßt. Sogar bei der optimistischen Annahme, dass die Erderwärmung auf 2°C beschränkt werde, würden viele Arbeitsplätze in Europa bedroht werden, insbesondere in den ländlichen Gebieten des Südens oder in den Gebirgsregionen, so der Sekretär der Organisation. Der Einfluss werde umso stärker sein, da diese Regionen wenig alternative Möglichkeiten im Beschäftigungsbereich aufwiesen.
Die NGO CEE Bankwatch wies in einem neuen Bericht darauf hin, dass die Betrachtungen zum Klimawandel nicht ausreichend in die Finanzierungsprogramme der EU einbezogen würden. EU-Gelder hätten eine energieintensive Entwicklung gefördert. Die Gefahr bestehe darin, dass sich das gleiche Muster für den Zeitraum 2007 bis 2013 für Mittel- und Osteuropa wiederholen werde.