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EU will Entscheidung zur Klimafinanzierung aufschieben [DE]

Veröffentlicht 18. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Es wurde erwartet, dass der EU-Gipfel der morgen (19. März 2009) in Brüssel beginnt, eine Vereinbarung über die gemeinsame Position der EU zu globalen Klimaverhandlungen im Dezember hervorbringen soll. Jedoch planen die Staats- und Regierungschefs der EU, eine Entscheidung zur Förderung der Entwicklungsländer, bis zum nächsten Gipfeltreffen im Juni zu verschieben, so Ergebnisentwürfe die EurActiv vorlagen.

Es wurde erwartet, dass der Gipfel Zahlen auf den Tisch bringen werde, nachdem sich die Umwelt- und Finanzminister Anfang des Monats gegenseitig die Schuld zugeschoben hatten. (EurActiv vom 11. März 2009) Jedoch belasten jetzt ungelöste Probleme die Entscheidungen umso mehr. 

Der Rat für Wirtschaft und Finanzen schaffe es nicht den polnischen Vorschlag anzuhören, einen Plan für eine Lastenverteilung zwischen den EU-Mitgliedstaaten zu erarbeiten (EurActiv vom 10. März 2009). Nach den Ausführungen eines führenden Diplomaten hat die tschechische Präsidentschaft es im Europäischen Rat nicht als wichtig erachtet, das Thema zur Debatte zu stellen, weshalb die Schlussfolgerungen nur sehr ungenau bleiben werden.

In der Tat sind einige vorläufige Entwürfe des EU-Gipfels dieser Woche bekannt geworden und weisen darauf hin, dass es nötig ist, in interne EU-Regelungen wie die Klimafinanzierung und technische Hilfe detaillierter hinein zu schauen. Diese besagen, dass EU-Regierungschefs diese Themen bei zukünftigen Treffen wieder aufnehmen werden, sobald die Kommission und der Rat sie weiter bearbeitet hätten.

Der Diplomat sagte, dass die Diskussionen im Juni abgeschlossen werden sollten, um dem schwedischen EU-Ratsvorsitz, der im Juni beginnen wird, die Aufgabe der finalen EU-Position zu überlassen.

Der Entwurf wiederholt fast nur die Resultate der vorherigen Ministertreffen. Er besagt, dass die EU ihren fairen Beitrag zur Finanzierung von Migration- und Anpassungsaufgaben in Entwicklungsländern leisten würde, mit privaten, als auch mit öffentlichen Geldern.

Unerledigte Geschäfte

Das Dokument weist auch auf unerledigte Aufgaben hin und darauf, dass finanzielle Unterstützung sich auf die Verküpfung verschiedener Ansätze konzentrieren solle. Dies beinhalte sowohl beisteuernde als auch marktwirtschaftliche Ansätze. Das starke Gewicht, das Finanzminister auf die Privatfinanzierung als Hauptfinanzierungsquelle gelegt hatten wurde trotzdem ausgeglichen.

Die Grünen im Europaparlament sagten in einem Blogeintrag, dass die jetzigen Entwürfe der Schlussfolgerungen des Gipfels zu vage seien und keine Ambitionen enthalten würden. Weiterhin würde es für die EU eine Schande sein eine ursächliche Rolle bei diesem Scheitern zu spielen, wenn sie sich nicht genug in internationale Klimaverhandlungen einmischen würde, liest der Blogeintrag. Insbesondere da Europa sich als globaler Führer im Bereich Klimapolitik in der Vergangenheit herausgehoben hätte, so die Grünen.

Nach der Meinung der Grünen würde ein realistisches internationales Abkommen die Industriestaaten jährlich zur Zahlung einer Summe von mindestens 100 Milliarden Euro verpflichten. Der Beitrag der EU sollte zumindest 30 Milliarden Euro in zusätzliche Entwicklungshilfe betragen.

Yvo de Boer, der Geschäftsführer der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, bekundete außerdem seine Angst vor dem Beginn des Gipfels, dass die EU von ihren Versprechen abweichen würde. Die EU könnte die Finazierung imm Rahmen seines jetzigen Emissionsrechtehandels anheben, sowohl durch nationale Zusschüsse als auch durch Abgaben auf CO2-Handel, sagt er der Financial Times.

Versorgungssicherheit

Ein weiteres immer wieder auftauchendes Problem auf der Agenda der EU-Staats- und Regierungschefs ist die Versorgungssicherheit. Als Folge der Gaskrise, bei der die Gasversorgung vieler osteuropäischer EU-Länder, aufgrund eines Disputes zwischen Russland und Ukraine, unterbrochen wurde, werden diese Länder ein System fordern, das sicherstellt, dass die EU für derartige Störungen in Zukunft gewappnet sein wird.

Die Staats- und Regierungschefs werden die Kommission und Regierungen auch dazu drängen, detaillierte Handlungspläne für die Prioritätsbereiche der zweiten Überprüfung der Energiestrategie (SERII) zu präsentieren. Diese umfasst den südlichen Gaskorridor, die Erweiterung der Flüssiggasversorgung, Stromverbindungsleitungen in den baltischen Staaten, den Mittelmeer-Energiering, Nord-Süd Gas- und Stromverbindungen zwischen Zentral- und Osteuropa und das Nordsee und Nordwest-Offshorenetz (EurActiv vom 20. Februar 2009).

Um diese Projekte zu finanzieren, wird der EU-Rat die Kommission dazu auffordern, Anfang 2010, einen Entwurf für neue europäische Instrumente zur Energiesicherheit und -infrastruktur zu präsentieren, obwohl der Text den Zweck der Maßnahmen nicht genauer schildert.

Stellungnahmen: 

Die europäischen Grünen kritisierten die EU-Staatsoberhäupter in einem Blog. Es gäbe für die Verhandlungen in Kopenhagen (COP 15) im Dezember bereits eine Menge Pessimismus über die Möglichkeit der Unterzeichnung eines Klimaabkommens. Dies gründe auf der Frist, auf die man sich bei COP 13 in Bali geeinigt hatte und der profilierten Kritik an den Regierungen der Industrieländer. Wenn die EU sich weiterhin in den Hintergrund stelle und weiter seine Verhandlungspositionen verfälsche, werde dieser Pessimismus berechtigterweise wachsen.

Es sei auch notwendig, über das Finanzierungssystem zu entscheiden. Wichtig sei nicht nur, dass es eine vorhersehbare und garantierbare Finanzierungsquelle gebe (vorzugsweise unter UN-Kontrolle) sondern auch, dass ein effektives System vorhanden sei, das sicherstelle, dass die Gelder effektiv genutzt würden und für die vorgesehenen Ziele verwendet würden, fügten die Grünen hinzu.

Yvo de Boer, Generalsekretär des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), erklärte der Financial Times, dass es klar sei, dass man beträchtliche finanzielle Unterstützung für arme Länder brauche. Er glaube es sei von entscheidender Bedeutung, dass die EU beim Frühlingsgipfel eine Zahl nenne.  

Hintergrund : 

Am 28. Januar 2009 präsentierte die Europäische Kommission Vorschläge für ein globales Kyoto-Nachfolgeabkommen, da das Kyoto-Protokoll  im Jahr 2012 ausläuft. Sie drängte aufstrebende Volkswirtschaften wie China und Indien dazu, einen gerechten Teil an Verantwortung auf sich zu nehmen und zuzustimmen, die Zunahme ihrer Emissionen um 15 bis 30% bis 2020, im Vergleich zu jetzigen Niveaus, zu reduzieren (EurActiv vom 29. Januar 2009).

Die EU hat sich schon bereit erklärt, ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu den Werten von 1990 bis 2020 um 20% zu reduzieren, ungeachtet dessen, was die Ergebnisse internationaler Verhandlungen vorschreiben ohne, dass dies internationaler Verhandlungen bedurfte.

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