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Finanzierung von Klimaschutz: Keine Einigung der Umweltminister [DE]

Veröffentlicht 03. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die EU-Umweltminister konnten sich bei ihrem gestrigen (2. März 2009) Treffen nicht auf eine gemeinsame EU-Position für die globalen Klimaverhandlungen einigen und schoben so den schwarzen Peter den EU-Finanzministern zu, die sich am nächsten Dienstag (10. März 2009) in Brüssel treffen werden, um über die Finanzierung möglicher Maßnahmen abzustimmen.

Die Minister bestätigten die Wichtigkeit von sowohl bilateraler als auch multilateraler Finanzierung des Klimaschutzes und diskutierten zwei mögliche Optionen: Die Erhöhung der Einnahmen durch die Versteigerung von Emissionszertifikaten und die jährliche Festlegung eines bestimmten zu entrichtenden Betrages, dessen Höhe auf den Emissionen und der wirtschaftlichen Lage des Landes basiert.

Genaue Zahlen wurden allerdings nicht festgelegt und so wurde die Angelegenheit an die Wirtschafts- und Finanzminister weitergereicht. Eine Entscheidung wird nicht vor dem EU-Gipfel am 19. und 20. März erwartet.

Der Rat der Umweltminister sprach seine volle Unterstützung für einen Aufruf der Kommission aus, die Entwicklungsländer dazu aufgerufen hatte, ihre für das Jahr 2020 erwarteten Emission bis dahin um 15 bis 30 Prozent zu kürzen (EurActiv vom 19. Januar 2009). In diesem Aufruf waren alle Entwicklungsländer dazu aufgefordert worden, bis 2012 Pläne zur Reduzierung von CO2-Emissionen auszuarbeiten. Die wirtschaftlich besser entwickelten Länder unter ihnen wurden außerdem dazu gedrängt, so schnell wie möglich Emissionsgrenzen und Emissionshandelsysteme einzuführen.

Regierungsquellen zufolge, sind viele EU-Mitgliedstaaten der Auffassung, dass es noch zu früh sei, finanzielle Verpflichtungen einzugehen und die EU ihre Karten noch nicht offen legen sollte.

Sogar führende Länder bei der Bekämpfung des Klimawandels, wie Schweden und Großbritannien, versuchten konkrete Zahlen und Verpflichtungen aus dem Text der Erklärung der Umweltminister herauszuhalten, beklagte der Experte für Klimawandel bei ActionAid, Tom Sharman, nach dem Treffen des Rates der Umweltminister.

Nach Berechnungen der Internationalen Kommission für Klimaveränderungen (IPCC) müssten die gesamten Investitionen in die Bekämpfung des Klimawandels bis 2020 eine Höhe von 175 Milliarden Euro jährlich erreichen - Anpassungsmaßnahmen an veränderte klimatische Bedingungen nicht eingerechnet - um die globale Erwärmung zu stoppen, bevor sie unumkehrbar wird.

Der Vorschlag der Kommission unterstützt die Untersuchung des IPCC und präzisiert, dass mehr als die Hälfte dieser Mittel an Entwicklungsländer gehen müssten, legt aber keine genauen Zahlen fest. Greenpeace kritisierte, die Summe der benötigten Mittel bei 175 Milliarden Euro festzusetzen, sei „irrelevant“. Sie lege kein EU-Ziel fest, sondern beziehe sich auf Anstrengungen aller Nationen und plane sowohl öffentliche als auch private Investitionsquellen mit ein, sagte die Organisation.

„Kein Geld –kein Abkommen“

Der Kommissar für Umwelt, Stavros Dimas, erklärte, die Finanzierung von Emissionsreduzierungen in Entwicklungsländern sei ein kritisch Faktor für die Entscheidungsfindung in Kopenhagen. Ohne die Bereitstellung genügend finanzieller Mittel könne es zu keiner Einigung kommen. Auch Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben diesen Punkt in der Vergangenheit immer wieder betont.

Mit der Finanzierung stehe und falle das Kopenhagen-Abkommen, ließ der WWF in einer Veröffentlichung verlauten, die kurz vor dem Treffen der Umweltminister erschien. Weiterhin glaubt der WWF, die angestrebten Emissionssenkungen um 30% bis 2020 seien angemessen, angesichts der Tatsache, dass Entwicklungsländer aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln keinerlei Maßnahmen ergreifen könnten. Deswegen müssten die Industrieländer durch wesentliche finanzielle Unterstützung ihren Beitrag leisten.

Die Umweltorganisation meint, Europa solle zusätzlich zu den versprochenen 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 35 Milliarden Euro jährlich in die Entwicklung von saubereren Technologien und die Bekämpfung der Abholzung in den Entwicklungsländern investieren. Außerdem beklagte der WWF das Versagen der Kommission, das Potential für Energieeinsparungen, durch eine zehnfache Erhöhung des EU-Budgets für Forschung und Entwicklung bis 2020, besser auszuschöpfen.

Greenpeace stellte in einer Erklärung klar, bei der EU-Unterstützung für die Entwicklungsländer handele es sich nicht um Almosen, sondern um die „Wiedergutmachung einer historischen Schuld“. Die Organisation rief sowohl alte als auch junge Industrienationen dazu auf, bis 2020 mindestens 40 Milliarden Euro jährlich in saubere Energiequellen in Entwicklungsländern zu investieren. Weitere 30 Milliarden Euro jährlich müssten für die Bekämpfung der Abholzung eingesetzt und mindestens 40 Milliarden Euro für die Anpassungsmaßnahmen an die veränderten Klimaverhältnisse in ärmeren Ländern aufgebracht werden.

Das Kopenhagen-Abkommen sollte also bis 2020 mindestens 110 Milliarden Euro jährlich als Unterstützung für Entwicklungsländer bereitstellen, folgerte Greenpeace. Die Organisation stimmte dem WWF zu, dass die EU einen Beitrag von ungefähr 35 Milliarden Euro leisten solle.

Oxfam warnte die EU davor, um „die Leben von ärmeren Menschen zu feilschen“ und drängte die Union dazu, Geld bereitzustellen.

Stellungnahmen: 

Europäische Regierungen müssten ab sofort eine ernsthaftere Stellung beziehen, was die Rückzahlung ihrer Klimaschuld an Entwicklungsländer angehe. Ohne eine verbindliche Verpflichtung zur Einführung von neuen CO2-Steuern, um die Beschaffung der 35 Milliarden Euro im Jahr zu gewährleisten, würde ihre gemeinsame Glaubwürdigkeit in Stücke gerissen werden, sagte Tom Sharman, Vorsitzender der Abteilung für Klimawandel bei ActionAid.

Elise Ford, Vorsitzende des EU-Büros von Oxfam International, sagte, dass der Ansatz, darauf zu warten, dass die USA den ersten Schritt bei der Finanzierung der Maßnahmen tue, völlig falsch sei. Wie auch der EU-Kommissar Dimas gesagte habe, werde es kein Abkommen geben, wenn die EU nicht eine beträchtliche Menge an Geld zu Verfügung stellen würde. Solange es keine klare Verpflichtung seitens der EU gebe, würde es auch kaum externen Druck auf die USA geben, ihrerseits einen Schritt nach vorne zu gehen.

Umweltminister hätten den Kopf eingezogen und den Klimawandels, wie eine heiße Kartoffel, an die Finanzminister weiter gereicht. Währendessen würden Milliarden von Steuergeldern dafür verbraucht, versagende Banken und Autohersteller wieder aufzubauen. Für die Bekämpfung des Klimaproblem, an dem Europa bedeutende Mitschuld trage, in den Entwicklungsländern sei kein Cent übrig, sagte Joris den Blanken, Experte für Energie und Klimawandel bei Greenpeace.

Europa konzentriere sich viel zu sehr auf den Emissionshandel, sagte Katherine Watts, internationale Beraterin für Klimawandel bei WWF-Großbritannien. Der Emissionshandel bewährte sich zwar als nützliches Instrument, sei aber nicht die Lösung aller Probleme. Sogar hier setze Europa ein schlechtes Beispiel, durch seinen Unwillen, die Zertifikate ausschließlich durch Versteigerungen zu vergeben, sowie die Unterstützung des Marktes durch andere Instrumente, wie zum Beispiel Emissionsnormen.

BusinessEurope  drängte die EU, sicherzustellen, dass der Wettbewerb europäischer Industrien von einem neuen internationalen Klimaabkommen nicht gefährdet werde. Die Unternehmen würden viele der Lösungen, mit denen die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen seien, durch technische Innovationen und Entwicklungen bereitstellen. Um eine erfolgreiche Innovation und Entwicklung von Technologien und Lösungen mit niedrigem CO2-Ausstoß zu fördern, müssten Rahmenbedingungen geschaffen und Handelsschranken abgebaut werden, die dies ermöglichen. Eine Vorraussetzung sei die Respektierung der Rechte des geistigen Eigentums von privaten Unternehmen.

Nächste Schritte: 
  • 10. März 2009: Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU werden die Finanzierung des internationalen Klimaabkommens diskutieren
  • 19. und 20. März 2009: EU-Gipfel auf dem eine gemeinsame Position für die globalen Klimaverhandlungen gefunden werden soll
  • 7-18 Dezember 2009: Klimakonferenz in Kopenhagen (COP 15) auf der ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll für die Zeit nach 2012 gefunden werden soll 
Hintergrund : 

Am 28. Januar 2009 präsentierte die Europäische Kommission Vorschläge für ein globales Kyoto-Nachfolgeabkommen, da das Kyoto-Protokoll  im Jahr 2012 ausläuft. Sie drängte aufstrebende Volkswirtschaften wie China und Indien dazu, einen gerechten Teil an Verantwortung auf sich zu nehmen und zuzustimmen, die Zunahme ihrer Emissionen um 15 bis 30% bis 2020, im Vergleich zu jetzigen Niveaus, zu reduzieren (EurActiv vom 29. Januar 2009).

Die EU hat sich schon bereit erklärt, ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu den (gemäß der) Werten von 1990 bis 2020 um 20% zu reduzieren, ungeachtet dessen, was die Ergebnisse internationaler Verhandlungen vorschreiben/ohne dass dies internationaler Verhandlungen bedurfte.

Weiterhin kündigte die Kommission ihre Bereitschaft an, sich einem 30-prozentigen Reduktionsziel zu verpflichten, wenn andere Industrieländer vergleichbaren Emissionskürzungen zustimmten und wenn Schwellenländer wie China und Indien ebenfalls einen angemessenen Beitrag leisten.

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