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Die weltweite Nachfrage nach Energie steigt weiter – trotz der enormen Preisanstiege für fossile Brennstoffe. Daher solle die EU bei ihrem Streben nach einer umweltfreundlichen Wirtschaft von Kohlenstoffbepreisung und anderen marktbasierten Instrumenten „nicht zu viel erwarten“, so die Internationale Energie-Agentur (IEA).
Die Bedeutung der Preise im Bereich Energie gehe zurück, sagte Fatih Birol, Chef-Ökonom der IEA, am 22. Mai 2008 in Brüssel.
Seit 2004 zahlen die europäischen Verbraucher Opportunitätskosten für Kohlenstoff von etwa 85 Euro pro Tonne CO2 in Form von beispielsweise höheren Steuern auf Fahrzeugkraftstoffe. Die höheren Preise hätten jedoch nur wenige Auswirkungen auf das Verhalten der Verbraucher gezeigt, sagte Birol dem kleinen Publikum während einer Veranstaltung, die vom Think Tank Lisbon Council organisiert worden war.
Es sollte nicht alles dem Markt überlassen werden, erklärte er.
Die EU überarbeitet derzeit ihr Emissionshandelssystem (EU-ETS) für den Zeitraum nach 2012. Dann soll das Aushängeschild der Union – der Kohlenstoffmarkt – mit strikteren Begrenzungen für EU-weite CO2-Emissionen in eine neue Phase gehen. Brüssel hofft, das System werde den Kohlenstoffpreis, d.h. die Kosten pro Tonne ausgestoßenem CO2, auf ein Niveau anheben, das Industrien dazu antreiben wird, in saubere Technologien zu investieren.
Die Bepreisung von Kohlenstoff allein werde jedoch nicht ausreichend sein, damit die EU in Zukunft eine sauberere Entwicklung verfolgen könne, so Birol. Insbesondere vor dem Hintergrund des Wirtschaftswachstums und einer größeren Kaufkraft des Einzelnen würden die Menschen nicht unbedingt ein umweltfreundlicheren Verhalten annehmen, sondern sich einfach bereit erklären, einen höheren Preis zu zahlen, erklärte er.
Dies gelte vor allem für China, fügte Birol hinzu. Dort stiegen die Energienachfrage und die Ausgaben aufgrund von Regierungssubventionen für fossile Brennstoffe und stetig steigenden Einkommen weiter an, obwohl Erdöl Preise in Rekordhöhe verzeichnet hat: in dieser Woche 135 US-Dollar pro Barrel.
Der IEA-Ökonom gab mehrere Empfehlungen für EU-Politiker: Zunächst bestehe die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen für Energieeffizienz. Die EU müsse hier ihre Bemühungen verdreifachen, sagte Birol. Er fordert eine stärkere Nutzung von erneuerbaren Energien und den Bau weiterer Kernreaktoren. Zudem sei die Unterstützung bei der Entwicklung der Technologie für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) seitens der EU-Regierungen notwendig.
Die technischen und finanziellen Herausforderungen, die derzeit die Einführung von CCS aufhielten, könnten überwunden werden, wenn die Regierungen diese Sache ernst nähmen, sagte Birol. Er deutete an, dass die IEA während des nächsten Gipfels am 7. und 8. Juli 2008 in Japan auf die G8-Länder Druck ausüben werde.