EurActiv Logo
 
9. November 2009
Breaking News:

ThemenRubriken

MiniRubriken

Konferenz in Posen beginnt, EU-Klimagespräche stocken [DE][en][fr

Erschienen: Montag 1. Dezember 2008   

Die Delegierten von 186 Nationen treffen sich heute (1. Dezember 2008) im polnischen Posen, um die 12-tägigen Verhandlungen aufzunehmen. Ziel ist der Abschluss eines internationalen Abkommens mit Maßnahmen gegen den Klimawandel. Überschattet wird die Konferenz von internen Streitigkeiten innerhalb der EU über die Lastenverteilung der CO2-Emissionsminderungen.

Hintergrund:

Jedes Jahr im Dezember treffen sich die Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) zu einer großen Konferenz der Vertragsparteien (COP), die Teil der fortlaufenden internationalen, diplomatischen Bemühungen zur Abwendung eines folgenschweren Klimawandels sind. Erreicht werden soll dies durch die Senkung der Treibhausgasemissionen der einzelnen Länder.

Die Konferenz in Posen ist die 14. COP und damit das Halbzeittreffen der internationalen Gespräche, die im Dezember 2007 in Bali aufgenommen wurden und im Dezember 2009 in Kopenhagen abgeschlossen werden sollen. Ziel ist der Abschluss eines Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll, das nur noch bis 2012 in Kraft bleibt.

Eine große Herausforderung wird sein, zu bestimmen, welchen Anteil die schnell aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie China und Indien bei den weltweiten Emissionsminderungen übernehmen und wie stark die stärker industrialisierten Ländern wie die USA, die für den größten Teil der bisher ausgestoßenen CO2-Emissionen verantwortlich sind, ihre Emissionen senken sollen.

Dieses Problem hat sich auch in der EU ergeben, wo sich die Mitgliedstaaten schwer tun, in Bezug auf das so genannte Klima- und Energiepaket der Kommission einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das Paket enthält eine Reihe von Vorschlägen zur Umsetzung der Zusagen der EU-Mitgliedstaaten in Recht. Die Mitgliedstaaten hatten im März 2007 versprochen, die CO2-Emissionen der EU und die damit verbundenen Treibhausgase bis 2020 um 20% zu senken und im gleichen Zeitraum den Anteil der erneuerbaren Energiequellen bei der Energieerzeugung auf 20% zu erhöhen.

Zum gleichen Thema:

Weitere Nachrichten:

“Selbst wenn noch nicht mit einem wirklichen Durchbruch zu rechnen ist, muss auf der Konferenz nun von Sondierungsgesprächen zu konkreten Verhandlungen übergegangen werden“, sagte der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am 28. November 2008 in einer Erklärung der Kommission.

Es besteht Grund zur Hoffnung, dass auf der Konferenz in Posen, die vom 1. bis 12. Dezember 2008 stattfindet, ein Text und ein detailliertes Arbeitsprogramm ausgearbeitet werden, auf deren Basis über Einzelheiten verhandelt werden kann. Diese sollen zur Vorbereitung auf den Abschluss eines internationalen Abkommens bei der Kopenhagen-Konferenz im Dezember 2009 dienen.

Doch obgleich die Europäische Kommission hohe Erwartungen in die Posen-Konferenz setzt, verliert die EU, die wiederholt ihre führende Rolle bei den weltweiten Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel verfochten hat, zunehmend an Ansehen und internationaler Glaubwürdigkeit, da ihre Mitgliedstaaten sich nicht über die Einzelheiten ihres Klima- und Energiepakets einig werden können (EurActiv vom 27. November 2008). 

Sollte es der EU nicht gelingen, sich auf ein Abkommen zu einigen, wäre dies nicht nur peinlich, sondern würde auch ein falsches Signal an die Konferenz in Posen senden, meinen Organisationen wie der WWF.

Brüssel versucht die Situation herunterzuspielen. Man habe noch keine Einigung bezüglich der internen Lastenverteilung erzielen können, doch die Vertragsparteien seien nicht daran interessiert, welche Kosten Polen oder Deutschland durch das Paket entstünden, sondern sie seien daran interessiert, dass die EU auf höchster politischer Ebene Ziele beschlossen habe und dass man sich an diese Ziele halten und sie in Recht umsetzen werde, meinte ein Sprecher der Kommission am 28. November 2008) in Brüssel. 

Schlechtes Timing?

Die diesjährige Konferenz wird zeitgleich mit dem EU-Gipfel, der am 11. und 12. Dezember 2008 stattfindet, enden. Bei dem EU-Gipfel werden die EU-Staats- und Regierungschefs voraussichtlich ihre Diskussionen über das Klima- und Energiepaket abschließen.

Allerdings wird befürchtet, dass die Konferenz in Polen ‚in der Schwebe’ bleiben wird, da die internationalen Delegierten abwarten und nach Brüssel schauen werden, um Hinweise von den großen europäischen Wirtschaftsmächten zu erhalten. Es ist jedoch möglich, dass die Gespräche in Posen trotzdem nicht vollständig zum Stillstand kommen werden.

Während der ersten Konferenztage werden sich die Delegierten und andere Teilnehmer, wie beispielsweise Mitglieder der Kommission, Europaabgeordnete und NGO, in einer Reihe von Workshops und Arbeitsgruppen treffen, um formelle und andere Fragen zu den Modulen eines zukünftigen Klimaschutzabkommens zu besprechen. Themen sind unter anderem der Transfer umweltfreundlicher Technologien und Anpassungsfonds für Entwicklungsländer sowie die Verhinderung von Entwaldung. Außerdem würden viele wichtige Entscheidungen dieser Tagungen bei spätabendlichen Sitzungen und informellen „Flurgesprächen“ getroffen, so Teilnehmer von früheren COP.

Die hochrangigen Treffen der Staats- und Regierungschefs werden hingegen nur an den letzten zwei oder drei Tagen der Konferenz und somit parallel zum EU-Gipfel stattfinden. In welchem Maße sich der EU-Gipfel und die letzten Konferenztage in Posen gegenseitig beeinflussen werden, bleibt weiterhin unklar. 

Nächste Schritte:

  • 1. bis 12. Dezember 2008: UN-Klimagespräche (COP 14) in Posen, Polen.
  • 3. und 4. Dezember 2008: Debatte über das Klima- und Energiepaket im Parlament.
  • 4. und 5. Dezember 2008: Rat der Umweltminister mit Diskussionen über das Paket und die Gespräche in Posen. 
  • 6. Dezember 2008: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy in Warschau; Polen hofft auf Einigung über seine Forderungen bezüglich des Pakets.
  • 8. und 9. Dezember 2008: Rat der Energieminister wird das Paket ebenfalls diskutieren. 
  • 11. und 12. Dezember 2008: EU-Gipfel, Brüssel. 
  • 15. Dezember 2008: Dreiergespräche über die Schlussfolgerungen des Gipfeltreffens. 
  • 17. Dezember 2008: Abstimmung über das Paket im Parlamentsplenum. 

Links

Advertising
Advertising