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Die ökonomischen Aspekte des Klimawandels [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 14. Februar 2007    | Aktualisiert: Dienstag 3. Februar 2009   

Wie teuer wird der Kampf gegen den Klimawandel? In dieser Frage gehen die Meinungen stark auseinander. Der kürzlich erschienene Stern-Report kommt zu dem Schluss, dass die Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels sich auf 1% des weltweiten BIP belaufen würden. Tatenlosigkeit könnte die Kosten jedoch langfristig auf 20% des Bruttoinlandproduktes ansteigen lassen. Im Vergleich dazu zeigt eine Forschungsarbeit, die im Januar 2009 veröffentlicht wurde, dass die Vermeidung des gefährlichen Klimawandels mölicherweise gerade einmal 0,5% des weltweiten BIP in Anspruch nehmen wird.

Zum gleichen Thema:

Nächste Schritte:

  • 3. bis 14. Dezember 2007: Bali-Klimakonferenz (CoP 13) – Beginn der UN-Klimaverhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz. 
  • Dezember 2008: Klimakonferenz (COP 14) in Posen, Polen – Halbzeit der Verhandlungen; 
  • Januar 2009: Neue US-Regierung tritt ihr Amt an. Präsident Obama verspricht engagierte Teilnahme der USA an internationalen Klimaverhandlungen; 
  • Dezember 2009: Klimakonferenz (CoP 15) in Kopenhagen – voraussichtlicher Abschluss der UN-Klimaverhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für den Zeitraum ab 2012; 
  • Ende 2012: Frist für die Ratifizierung des neuen Klimaabkommens. 

Zusammenfassung Links

Die Finanzierung der Klimaschutzpolitik zur Bekämpfung der globalen Erderwärmung ist eine umstrittene Frage, da es schwierig ist, zuverlässige und genaue Informationen über die Kosten und den Nutzen solcher Maßnahmen zu erhalten.

Obgleich man sich mittlerweile weitgehend darüber einig ist, dass der weltweite Temperaturanstieg unter 2°C gehalten werden muss, um gefährliche Auswirkungen auf das Klima zu vermeiden, wurden Forderungen, dass die Regierungen finanzielle Mittel zurückstellen und zu diesem Zwecke einsetzen sollten, nicht von allen begrüßt. Besonders die aktuelle Finanzkrise sorgt dafür, dass die öffentlichen Haushalte nur begrenzt Mittel zur Verfügung stellen können.

Befürworter einer konsequenten Klimapolitik argumentieren jedoch, dass die Bekämpfung des Klimawandels zum jetzigen Zeitpunkt noch kostengünstiger sei, als wenn später die negativen oder gar unumkehrbaren Auswirkungen bewältigt werden müssten.

Kernfragen:

Die erste wirkliche Kontroverse um die Kosten des Klimawandels begann 2001 mit der Ankündigung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, dass sein Land vom Kyoto-Protokoll zurücktrete, da dieses der US-Wirtschaft ernsthaft schaden würde. Obwohl es keine wirtschaftliche Folgenanalyse gab, die Mr. Bushs Kehrtwende von Kyoto untermauerte, gab es Kostenanalysen, die auf hohe wirtschaftliche Belastungen für die amerikanische Wirtschaft hinwiesen, z. B. die Studie „Einfluss des Kyotoprotokolls auf die US-Energiemärkte und wirtschaftliche AktivitätenPdf external “, die 1998 von der Energieinformationsagentur der USA durchgeführt wurde. 

Die umfassendste Kostenanalyse wurde für die britische Regierung vom ehemaligen Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, erstellt. Im „Stern-Bericht über die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandelsexternal ", der im November 2006 vorgelegt wurde, zog der Autor den Schluss, dass im Falle einer Tatenlosigkeit in Hinsicht auf den Klimawandel die Weltbevölkerung zwischen 5% des jährlichen BIP und - im schlimmsten Fall - 20% des BIP verlieren werde und dass ein Handeln gegen die Risiken der Erderwärmung jährlich auf 1% des weltweiten BIPs begrenzt werden könne.

Einer der zentralen Punkte des 700seitigen Berichtes besagt, dass ein Eingreifen gegen den Klimawandel aus wirtschaftlichen Gründen dringend notwendig sei und dass der Nutzen die Kosten überwiegen werde. Das Verhalten der Menschheit in den kommenden Jahrzehnten könne ernsthafte Risiken für wirtschaftliche und soziale Schäden in diesem und im nächsten Jahrhundert schaffen, deren Tragweite vergleichbar sei mit den Weltkriegen und der Wirtschaftskrise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, so der Bericht.

BBC News bietet einen guten Überblick über die Hauptpunkte des Stern-Berichtsexternal .

Eine weitere Studie über die mit der Eingrenzung des Klimawandels und der Anpassung zusammenhängenden Kosten wurde im August 2007 vom Sekretariat des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) vorgelegt. Der Bericht zieht die Schlussfolgerung, dass der Umgang mit dem Klimawandel bedeutende Änderungen der globalen Investitionsmuster verlangen werde, einschließlich Investitionsflüsse in die Entwicklungsländer von bis zu 1,7% des weltweiten BIP bis 2030 (EurActiv vom 06. September 2007).

Der jüngste Beitrag zu dieser Debatte stammt vom Beratungsunternehmen McKinsey, das der Meinung ist, die Vermeidung einer Klimakatastrophe sei nicht völlig unerschwinglich. Würden in der ganzen Welt so bald wie möglich die kosteneffizientesten, umweltfreundlichen Technologien eingesetzt, könne die globale Erderwärmung unterhalb des entscheidenden Schwellenwerts von 2°C gehalten werden und möglicherweise lediglich 0,5% des globalen BIP kosten. Der finanzielle Aufwand würde damit wesentlich günstiger ausfallen, als die Kosten, die Schätzungen des Stern-Berichts zufolge entstünden, wenn nichts unternommen würde.

Probleme und Herausforderungen

Die Probleme bei der Einschätzung der Kosten und Nutzen der Maßnahmen gegen den Klimawandel sind mit der Tatsache verbunden, dass man es mit zahlreichen komplexen und unsicheren Faktoren zu tun hat. (Wie kann man potentielle Wetterkatastrophen und die damit verbundenen langfristigen Kosten oder Nutzen für die Vermeidung von Wetterkatastrophen vorhersehen?)

Ein weiterer Streitpunkt in der Debatte ist der Wert, der dem Wohlergehen künftiger Generationen im Vergleich zur Gegenwart beigemessen wird. Dieser Faktor wird auch als „sozialer Diskontsatz“ bezeichnet. Im Stern-Bericht gehen die Autoren von einem Diskontsatz, der annähernd Null beträgt (0,1% pro Jahr), aus, da sie im ethischen Sinne ein neutrales Verhältnis zwischen den Generationen voraussetzen.

Positionen:

Obwohl die politischen Führungskräfte den Stern-Bericht begrüßten, haben ihn einige der weltführenden Ökonomen kritisiert, auch wenn sie mit der Tatsache übereinstimmen, dass man den Klimawandel bekämpfen müsse. 

Eine der kritischsten Reaktionen auf den Stern-Bericht kam von Umweltökonom Richard TolPdf external (Universität Hamburg und Carnegie Mellon University). Tol ist der Meinung, der Stern-Bericht habe die potentiellen Schäden durch die globale Erwärmung stark überwertet, jedoch die Kosten für die Reduzierung der Treibhausgase stark unterschätzt.

Tol kritisiert, dass der Stern-Bericht hinsichtlich der Studien zu Klimawandel, die er anführt, sehr selektiv sei. Die Selektion sei nicht zufällig und betone sehr pessimistische Studien. In dieser Hinsicht fühle man sich stark an Lomborg erinnert (2001). Der verwendete Diskontsatz sei niedriger als die offiziellen Empfehlungen von HM Treasury. Ergebnisse seien mitunter falsch interpretiert. Entgegen der Behauptung des Berichts, so Tol weiter, sei keine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt worden. Der Stern-Bericht könne daher als schwarzseherisch und inkompetent verstanden werden, schließt Tol. 

In einer weiteren Einschätzungppt external , gesteht Tol allerdings ein, dass es positiv sei, dass der Stern-Bericht die ökonomischen Aspekte des Klimawandels ins Blickfeld rückt. Er meinte, die wirtschaftlichen Vorteile von Emissionsminderungen könnten durchaus aufgezeigt werden, Stern habe diese Gelegenheit in seiner Bewertung aber versäumt.

Der amerikanische Wirtschaftwissenschaftler William NordhausPdf external hat die Ergebnisse des Stern-Berichts ebenfalls stark kritisiert. Seiner Meinung nach sollte der Bericht als ein „politisches Dokument“ verstanden werden, der allerdings ernsthafte Beurteilung vermisst. Sein Hauptkritikpunkt ist, dass der Bericht einen extrem niedrigen sozialen Diskontsatz nutzt. Dies, so Nordhaus, vergrößere die Auswirkungen, die in der fernen Zukunft liegen, enorm und rationalisiere die Reduzierungen der Emissionen und des Verbrauchs von heute.

Links Zusammenfassung

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