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Kyoto-Pakt hängt bei UN-Klimaendspiel in der Schwebe [DE]

Veröffentlicht 18. Dezember 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Präsident Barack Obama trifft heute (18. Dezember) für den letzten Tag der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen ein, wo ein Versprechen der USA, zur internationalen Klimahilfe beizutragen, positiv aufgenommen wurde. EurActiv berichtet aus der dänischen Hauptstadt.

Am Donnerstag (17. Dezember) sagte die US-Außenministerin Hillary Clinton, die USA würden 100 Milliarden US-Dollar (69,8 Milliarden Euro) jährlich bis 2020 beitragen, um ärmeren Ländern bei der Bewältigung des Klimawandels und auf dem Weg zu sauberen Energien zu unterstützen.

Aber sie bestand auf die Einführung von Überwachungs-, Berichterstattungs- und Prüfungsmechanismen, um sicherzustellen, dass China und andere große Entwicklungsländer ihre Emissionsobergrenzen einhalten. China hat solche Forderungen als Verletzung seiner Souveränität abgelehnt. 

In einem Entwurf der Erklärung für den Gipfel von Kopenhagen verpflichten sich laut Reuters die reichen Länder, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimahilfen an die Entwicklungsländer zu zahlen. Ebenfalls sei zu lesen, dass die weltweiten Temperaturen nicht über 2 C° ansteigen dürften. 

Inzwischen haben sich die Europäische Union und Japan bereits verpflichtet, 10 bzw. 15 Milliarden US-Dollar für die so genannte ‚Schnellstart’-Finanzierung zu geben, um Entwicklungsländer für den Zeitraum 2010-2020 zu unterstützen (EurActiv vom 11. Dezember 2009).

In einem Kommentar zu den Verpflichtungen der USA begrüßte der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren den Schritt, bemerkte jedoch, dass die Arbeit noch nicht getan sei. „Es sind weitere Schritte notwendig, um die notwendige politische Dynamik zu erzeugen“, sagte er und betonte, dass die USA und China – die beiden weltweit größten Verschmutzer – rechtlich bindende Verpflichtungen zur Emissionsreduktion eingehen müssten.

„Es liegt an ihnen. Wenn die USA und China nicht bereit sind, rechtlich bindende Verpflichtungen einzugehen, wird die Hälfte der weltweiten Emissionen nicht von einer rechtlichen Vereinbarung abgedeckt. Ohne sie können wir das Klimaproblem nicht lösen“, sagte Carlgren.

José Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident, sagte am Donnerstag (17. Dezember), er erwarte eine Erhöhung des Angebots der USA, ihre Treibhausgase zu reduzieren. „Ich erwarte wirklich, dass sie mehr anbieten”, sagte Barroso Reportern. „Präsident Obama kommt nicht nur, um zu wiederholen, was im Vertragsentwurf steht.” 

Barroso hatte zu etwas „Flexibilität” bei der Position der EU aufgerufen, was bedeuten könnte, dass die Union ihr Angebot verbessern könnte, indem sie sich verpflichtet, ihre Emissionen um 25% bis 2020 und um 30% bis 2030 zu reduzieren.

Die EU hat sich einseitig dazu verpflichtet, ihre Emissionen um 20% im Vergleich zu 1990 bis 2020 zu reduzieren. Die Union sagte, sie werde das Ziel auf 30% erhöhen, wenn andere Industrieländer der Welt den gleichen Beitrag leisten und Schwellenländer wie China sich zu Emissionsreduktionen jenseits des ‚Business as usual’ verpflichteten.

Kyoto am Leben erhalten

Die Staats- und Regierungschefs der Welt werden in Kopenhagen entscheiden, ob sie das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll erhalten oder einen neuen internationalen Vertrag verabschieden werden.

Ricardo Lagos, ehemaliger chilenischer Präsident und Sonderberater für den Klimawandel des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon, sagte, der Kyoto-Pakt enthalte den Schlüssel für die Kopenhagener Gespräche.

 „Wenn wir eine Vereinbarung wollen, müssen wir einen Weg finden, um Kyoto am Leben zu erhalten“, erklärte er gegenüber EurActiv.

Das Kyoto-Protokoll von 1997, das 2005 in Kraft trat, verpflichtet die 183 Unterzeichner zur Senkung ihrer gesamten Treibhausgasemissionen um 5,2% bis zum Jahr 2012 im Vergleich zum Niveau von 1990.

Aber die Entwicklungsländer, angeführt von China, warnen vor dem Versuch den Vertrag zu kippen, der nicht von den USA, dem Hauptverschmutzer der industrialisierten Welt, unterzeichnet wurde. Sie beharren auf ein „zweigleisiges“ Ergebnis, von dem Kyoto ein wesentlicher Bestandteil sei (EurActiv vom 17. Dezember 2009).

Letztes Jahr sei ersichtlich geworden, dass die Grundsätze des Kyoto-Protokolls und die festgelegten Verantwortlichkeiten der Industrie- und Entwicklungsländer nicht verändert werden könnten, betonte Lagos und argumentierte, dass keine Vereinbarung ohne die Mitarbeit der Hauptverschmutzer möglich sei.

 „Die Europäische Union und Japan sind mit ehrgeizigen Programmen gekommen. Es ist klar, dass Kyoto auf jeden Fall bleiben wird“, sagte er.

Dennoch hätten sich die Dinge seit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls verändert, gab Logos zu. „Vor 20 Jahren gab es die G20 nicht. China und Indien sind Teil der G20 und sie sollen nun ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Die Frage ist nun, wie dies ohne Verletzung der Grundsätze des Kyoto-Protokolls möglich ist“. Er unterstrich, dass die historische Verantwortung der Industrieländer beibehalten werde solle. 

Die chinesischen Verpflichtungen rechtsverbindlich machen

Die Frage sei nun, wie die freiwilligen Zusagen für Emissionsreduktionen, die von den Entwicklungsländern versprochen wurden, im Laufe der Zeit rechtsverbindlich zu machen seien.

Seit zwei Wochen versuchen die Abgesandten aus 193 Ländern, in Kopenhagen eine gemeinsame Grundlage über die verbleibenden Hindernisse für die Sicherung eines Post-Kyoto-Abkommens zu finden. Aber sie sind aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über das Ausmaß finanzieller Hilfe an Entwicklungsländer und über die Frage, ob die Versprechungen Chinas und Indiens international überprüft werden sollten, gescheitert. 

„Ich denke, der einzige Weg ist, ihnen Verpflichtungen auf freiwilliger Basis unter den nationalen ‚Abminderungsmaßnahmen, den so genannten NAMAs, zu erlauben“, sagte Logos und betonte, dass diese Pläne später rechtsverbindlich werden könnten und somit Verpflichtungen der Entwicklungsländer mit denen der Industrieländer verglichen werden können.

„Wenn ein bedeutende Anzahl von Abminderungsmaßnahmen von den schnell wachsenden Wirtschaften und Ländern mit mittlerem Einkommen vorgeschlagen werden, dann könnten diese verbindlich werden“, sagte er und erklärte, dass dies geschehen könnte, sobald die Gesamtplane ein ausreichendes Maß an Emissionsreduktionen erreicht habe.

Chinas Aktionsplan zur Förderung von Energieeffizienz und zur Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien auf 15% im Energiemix, sei ein Vorschlag, der auf den Tisch gelegt werden könnte. Selbst den USA; die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet haben, könnten freiwillige Verpflichtungen erlaubt werden, sagte der ehemalige chilenische Präsident.

Viele der schnell wachsenden Wirtschaften und Länder mit mittlerem Einkommen erfüllen nicht die Voraussetzungen für ausländische Unterstützung, einschließlich Brasilien, Chile, Peru und Kolumbien, sagte er. Unter den aktuellen Plänen werden Klimahilfen und Technologietransfer nur durch externe Quellen nur finanziert werden, wenn es Überprüfungsmechanismen der internationalen Gemeinschaft geben wird.

US-Geld an Bedingungen geknüpft

Dies war auch die gestrige Botschaft der US-Außenministern Hillary Clinton, die versprach, dass die USA dabei helfen würden, bis zum Jahr 2020 100 Milliarden US-Dollar jährlich aufzubringen, um armen Ländern bei der Bewältigung des Klimawandels zu unterstützen. Allerdings müssten die Länder internationale Überwachung darüber zulassen, wie und wofür das Geld ausgegeben werde.

China und Indien sind gegen diese Bedingung, da dies ihrer Meinung nach eine Verletzung ihrer Souveränität darstellt. Aber die USA setzen die beiden großen Emissionsverursacher unter Druck, bindende Verpflichtungen zu akzeptieren, die einer internationalen Überwachung und Überprüfung offen stehen. „Es muss eine Bereitschaft für Transparenz geben. Wenn nicht, dann ist die Möglichkeit, eine Einigung zu erreichen, gestorben. Wir müssen dies wiederholt betonen“, sagte Clinton.

Gleichzeitig wiederholte Clinton die Haltung der USA, dass sich China nicht hinter seinen Status als Entwicklungsland verstecken dürfe. China stoße weltweit am meisten Kohlendioxid aus und werde eines Tages die weltweit größte Volkswirtschaft werden. Daher seien Forderungen nach klaren und überprüfbaren Zielsetzungen für einen Rückgang des Treibhausgasausstoßes gerechtfertigt.

Bezüglich der Schnellstartgelder, mit denen Entwicklungsländer bis 2012 unterstützt werden sollen, blieb Clinton jedoch vage. Der US-Gesandte Todd Stern sagte, Amerika werden seinen gerechten Anteil übernehmen, sollte eine Einigung erreicht werden.

Freifahrt für afrikanische Länder

Auf die Frage, was für die afrikanischen Länder angemessen wäre, betonte Lagos, dass sie weder als Schwellenländer noch als Länder mit mittlerem Einkommen betrachtet würden und dass sie alle die Voraussetzungen für Entwicklungshilfe erfüllten.

„Dies alles bedeutet, dass die afrikanischen Länder eine Freifahrt haben werden”, sagte er.

US stößt erst spät dazu

Der UN-Sondergesandte akzeptierte die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, erst spät zum Treffen dazu zu stoßen. Das Land habe seine Haltung zum Klimawandel radikal geändert, befinde sich aber immer noch in einer Übergangsphase.

„Obama sagt, er könne bis 2020 keine ehrgeizigen Ziele erreichen, aber er ist zuversichtlich, dass er bis 2030 aufholen wird und mit der Europäischen Union gleichziehen wird”, sagte der ehemalige chilenische Präsident. Er betonte, dass die Entwicklungsländer ebenfalls in einer Übergangsphase seien. „Aber jeder weiß, dass wir alle nach 2020 die Emissionen angehen werden müssen.“

Lagos und sein Kollege Festus Mogae, ein ehemaliger Präsident Botswanas und ebenfalls UN-Sondergesandter für den Klimawandel, zeigten sich optimistisch, dass eine Einigung vor Ende der Konferenz heute (18. Dezember) erreicht werden könnte. Gegenüber EurActiv sagten sie, dass die Regierungschefs nicht mit leeren Händen in ihre eigenen Länder zurückkehren könnten.

„Wenn sie etwas haben wollen, dann werden sie meiner Meinung nach auch etwas geben müssen”, sagte Lagos.

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Stellungnahmen: 

Die Europäische Union drückte ihre Besorgnis über die fehlenden Fortschritte in den Verhandlungen aus. „Wir fordern alle Beteiligten dringend dazu auf, an die äußerste Grenze ihrer Flexibilität zu gehen, sodass sich die Gespräche vorwärts bewegen können“, erklärte die Europäische Kommission.

„Die Europäische Union hat konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt und behält ihr Angebot bei, mehr zu machen, wenn andere – vor allem die wesentlichen Verursacher – ihre Angebote ebenfalls verbessern”, sagte sie.

„Ein Scheitern in Kopenhagen wäre für jeden von uns eine Katastrophe”, warnte der französische Präsident Nicolas Sarkozy während der Plenarsitzung der UN-Gespräche. „Wir alle werden uns vor der Weltöffentlichkeit und vor unseren nationalen Öffentlichkeiten für unsere Handlungen rechtfertigen müssen.“

ActionAid, eine Entwicklungsagentur, kritisierte das Versprechen von US-Außenministerin Hillary Clinton, 100 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen, da dem Angebot wesentliche Einzelheiten fehlten, um ihm aus Sicht der Entwicklungsländer in Kopenhagen Glaubwürdigkeit zu verleihen. „Die USA haben endlich einen Plan für die langfristige Klimafinanzierung, aber sie sagen nicht, wie viel davon aus öffentlichen Geldern stammen wird und was die USA zu diesem Ziel beitragen werden“, sagte Ilana Solomon, US-Klimaexpertin bei ActionAid.

Nichtsdestotrotz sei dies das erste Mal, dass die USA eine weltweite Summe für die Langzeitfinanzierung vorgeschlagen habe und die Summe sei insgesamt vergleichbar mit der Zahl der EU. Im EU-Vorschlag werde nicht mehr als die Hälfte des Geldes aus internationaler öffentlicher Finanzierung stammen und das US-Versprechen könnte ähnlich sein.

„Die Entwicklungsländer benötigen bis 2020 mindestens 200 Milliarden US-Dollar öffentlicher Gelder, um ihre Emissionen zu senken und sich an den Klimawandel anzupassen. Während private Investitionen eine unterstützende Rolle beim Emissionsrückgang spielen werden, sind öffentliche Gelder nötig, damit sich die anfälligsten Gemeinschaften sich an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen können“, sagte Solomon.

Auf der Grundlage der vergangenen Emissionen und des Zahlungspotenzials der USA schätzt ActionAid, dass der gerechte Anteil der USA bei etwa 40% der insgesamt benötigten Summe von 200 Milliarden US-Dollar liegt.

„Zum ersten Mal haben die USA öffentlich ihre Unterstützung für eine langfristige weltweite Finanzierung bekundet, damit sich Entwicklungsländer an den Klimawandel anpassen und die Folgen abmildern können”, sagte Martin Kaiser von Greenpeace.

„Es sind gute Nachrichten, dass die Diskussionen über die Klimafinanzierung nach zwei langen Jahren der Verzögerung endlich in Bewegung geraten, aber dies muss der Anfang des Gesprächs sein – nicht das Ende“, sagte Jeremy Hobbs, leitender Direktor von Oxfam International.

„100 Milliarden US-Dollar ist die Hälfte des Betrags, den arme Länder benötigen, um ihre Emissionen zu reduzieren und sich an ein sich veränderndes Klima anzupassen. Das Geld muss aus öffentlichen Quellen stammen – nicht den Launen des Markts ausgesetzt sein – und es darf nicht aus bereits bestehenden Hilfsversprechen abgezweigt werden. Arme Länder werden immer noch Schulen und Krankenhäuser bauen müssen – ebenso wie Hochwasserschutzanlagen“, so Hobbs.

Oxfam fordert die reichen Länder dazu auf, mindestens 200 Milliarden US-Dollar jährlich an neuen Geldern bereitzustellen, damit sich arme Länder an den Klimawandel anpassen und ihre Emissionen reduzieren können.

Hintergrund : 

Fast 120 Ministerpräsidenten, Präsidenten und Vizepräsidenten aus Ländern, die zusammen 89% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmachen, begannen gestern (17. Dezember) ihre Treffen, um eine Einigung im Kampf gegen den Klimawandel zu erreichen.

Die Entwicklungsländer fordern die Industrienationen dazu auf, ihre Versprechen über eine Reduzierung des Treibhausgasausstoßes um 25-40% in Bezug auf das Niveau von 1990 bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. Sie fordern außerdem Finanzhilfen, damit sie sich an die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels anpassen und den Weg einer kohlenstoffarmen Entwicklung antreten können.

Reiche Länder wie die Vereinigten Staaten haben ihrerseits Schwierigkeiten damit, sich auf ehrgeizige mittelfristige Ziele für 2020 festzulegen. Die EU hat sich dazu verpflichtet, ihre Emissionen bis 2020 um 20% zu verringern, und will ihr Angebot nur verbessern, wenn andere Industrieländer sich zu ähnlichen Maßnahmen verpflichten.

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