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Wie teuer wird der Kampf gegen den Klimawandel? In dieser Frage gehen die Meinungen stark auseinander. Der kürzlich erschienene Stern-Report kommt zu dem Schluss, dass die Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels sich auf 1% des weltweiten BIP belaufen würden. Tatenlosigkeit könnte die Kosten jedoch langfristig auf 20% des Bruttoinlandproduktes ansteigen lassen.
Wenn die Welt die Erderwärmung bekämpfen will, muss sie sich mit den wirtschaftlichen Kosten und Nutzen auseinandersetzen, die mit den entsprechenden Maßnahmen verbunden sind. Diese Kosten-Nutzen-Analyse von Maßnahmen gegen den Klimawandel ist ausgesprochen kontrovers, da am Ende die Frage steht, ob wir bereit sind, wirtschaftliche Einbußen hinzunehmen, um unseren Enkeln eine sicherere Zukunft zu ermöglichen.
Die erste wirkliche Kontroverse um die Kosten des Klimawandels begann 2001 mit der Ankündigung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, dass sein Land vom Kyoto-Protokoll zurücktrete, da dieses der US-Wirtschaft ernsthaft schaden würde. Obwohl es keine wirtschaftliche Folgenanalyse gab, die Mr. Bushs Kehrtwende von Kyoto untermauerte, gab es Kostenanalysen, die auf hohe wirtschaftliche Belastungen für die amerikanische Wirtschaft hinwiesen, z. B. die Studie „Einfluss des Kyotoprotokolls auf die US-Energiemärkte und wirtschaftliche Aktivitäten
“, die 1998 von der Energieinformationsagentur der USA durchgeführt wurde.
Die umfassendste Kostenanalyse wurde für die britische Regierung vom ehemaligen Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, erstellt. Im „Stern-Bericht über die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels
", der im November 2006 vorgelegt wurde, zog der Autor den Schluss, dass im Falle einer Tatenlosigkeit in Hinsicht auf den Klimawandel die Weltbevölkerung zwischen 5% des jährlichen BIP und - im schlimmsten Fall - 20% des BIP verlieren werde und dass ein Handeln gegen die Risiken der Erderwärmung jährlich auf 1% des weltweiten BIPs begrenzt werden könne.
Einer der zentralen Punkte des 700seitigen Berichtes besagt, dass ein Eingreifen gegen den Klimawandel aus wirtschaftlichen Gründen dringend notwendig sei und dass der Nutzen die Kosten überwiegen werde. Das Verhalten der Menschheit in den kommenden Jahrzehnten könne ernsthafte Risiken für wirtschaftliche und soziale Schäden in diesem und im nächsten Jahrhundert schaffen, deren Tragweite vergleichbar sei mit den Weltkriegen und der Wirtschaftskrise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, so der Bericht.
BBC News bietet einen guten Überblick über die Hauptpunkte des Stern-Berichts
.
Eine weitere Studie über die mit der Eingrenzung des Klimawandels und der Anpassung zusammenhängenden Kosten wurde im August 2007 vom Sekretariat des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) vorgelegt. Der Bericht zieht die Schlussfolgerung, dass der Umgang mit dem Klimawandel bedeutende Änderungen der globalen Investitionsmuster verlangen werde, einschließlich Investitionsflüsse in die Entwicklungsländer von bis zu 1,7% des weltweiten BIP bis 2030 (EurActiv vom 06. September 2007).
Probleme und Herausforderungen:
Die Probleme bei der Einschätzung der Kosten und Nutzen der Maßnahmen gegen den Klimawandel sind mit der Tatsache verbunden, dass man es mit zahlreichen komplexen und unsicheren Faktoren zu tun hat. (Wie kann man potentielle Wetterkatastrophen und die damit verbundenen langfristigen Kosten oder Nutzen für die Vermeidung von Wetterkatastrophen vorhersehen?)
Eine andere (eher technische) Frage der Debatte ist der Wert, der dem Wohlergehen künftiger Generationen im Vergleich zur Gegenwart beigemessen wird. Dieser Faktor wird auch als „sozialer Diskontsatz“ bezeichnet. Im Stern-Bericht gehen die Autoren von einem Diskontsatz, der annähernd Null beträgt (0,1% pro Jahr), aus, da sie im ethischen Sinne ein neutrales Verhältnis zwischen den Generationen voraussetzen.
Obwohl die politischen Führungskräfte den Stern-Bericht begrüßten, haben ihn einige der weltführenden Ökonomen kritisiert, auch wenn sie mit der Tatsache übereinstimmen, dass man den Klimawandel bekämpfen müsse.
Eine der kritischsten Reaktionen auf den Stern-Bericht kam von Umweltökonom Richard Tol
(Universität Hamburg und Carnegie Mellon University). Tol ist der Meinung, der Stern-Bericht habe die potentiellen Schäden durch die globale Erwärmung stark überwertet, jedoch die Kosten für die Reduzierung der Treibhausgase stark unterschätzt.
Tol kritisiert, dass der Stern-Bericht sehr selektiv sei hinsichtlich der Studien zu Klimawandel, die er anführt. Die Selektion sei nicht zufällig und betone sehr pessimistische Studien. In dieser Hinsicht fühle man sich stark an Lomborg erinnert (2001). Der verwendete Diskontsatz sei niedriger als die offiziellen Empfehlungen von HM Treasury. Ergebnisse seien mitunter falsch interpretiert. Entgegen der Behauptung des Berichts, so Tol weiter, sei keine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt worden. Der Stern-Bericht könne daher als schwarzseherisch und inkompetent verstanden werden, schließt Tol. In einer weiteren Einschätzung
, gesteht Tol allerdings ein, dass es positiv sei, dass der Stern-Bericht die ökonomischen Aspekte des Klimawandels auf die Tagesordnung setzt.
Der amerikanische Wirtschaftwissenschaftler William Nordhaus
hat ebenfalls die Ergebnisse des Stern-Berichts stark kritisiert. Seiner Meinung nach sollte der Bericht als ein „politisches Dokument“ verstanden werden, der allerdings ernsthafte Beurteilung vermisst. Sein Hauptkritikpunkt ist, dass der Bericht einen extrem niedrigen sozialen Diskontsatz nutzt. Dies, so Nordhaus vergrößere die Auswirkungen, die in der fernen Zukunft liegen, enorm, und rationalisiere die Reduzierungen der Emissionen und des Verbrauchs von heute.