Mark Lewis, Director of Global Carbon Research bei der Deutschen Bank, schlug am Freitag (6. Februar 2009) vor, einem Mindestpreis für EU Emissionszertifikate zu etablieren, um einen Preiszusammenbruch in der dritten Phase des EU-Emissionshandels, die 2013 beginnt, zu vermeiden.
In Brüssel erläuterte Lewis, dass ein Mindestpreis für die nächste Phase des EU Emissionshandels (EU ETS), den Wert der Emissionszertifikate heute in die Höhe treiben würde, da die Zertifikate in beiden Phasen gelten und die Käufer so davon ausgehen könnten, dass die Preise steigen werden.
Der Preis für Emissionszertifikate fiel am 4. Februar 2009 auf 9,99 Euro pro Einheit, der niedrigste Stand bislang in der zweiten Phase.
„Es handelt sich hierbei um einen künstlichen Markt, der geschaffen wurde, um ein politisches Ziel zu erreichen“ sagte Lewis und betonte, dass der Markt dieses Ziel nicht erreichen werde, wenn die Preise zu stark fielen. Weiter argumentiert er, dass mit den momentanen Preise weder die EU-Klimaziele für 2020 (EurActiv LinksDossier) eingehalten werden könnten, noch die CO2-Abscheidung und Speicherung wirtschaftlich bis dahin durchführbar werde(EurActiv LinksDossier).
Wirtschaftskrise lässt CO2 Markt schrumpfen
Eine am Freitag (6. Februar 2009) herausgegebene Prognose von Barclays Capital sagt voraus, dass ein EU-Emissionszertifikat dieses Jahr durchschnittlich neun Euro kosten wird. Point Carbon, ein Beratungsunternehmen, korrigierte seine Vorhersage des Preises für 2009 ebenfalls nach unten und nannte sinkende Industrieproduktion und Energienachfrage, aufgrund der strauchelnden Wirtschaft, als Grund für weniger CO2-Emissionen. Mittlerweile meint Carbon Point, werde sich der Preis bei zwölf Euro pro Tonne einpendeln, was ungefähr zehn Euro unter ihren Zahlen von November 2008 liegt.
CO2-ausstoßende Industriebettriebe hätten ihre Zertifikate besonders am Beginn des Jahres verkauft, um Kapital zu schaffen, glaubt Point Carbon.
Deswegen sei der Markt seit November 2008 um ein Drittel geschrumpft, wie Zahlen von Point Carbon belegen. Die Firma schätzt, dass der Wert an gehandelten Emissionen um 38% gefallen ist, von über 322 Millionen Euro pro Tag im November auf ungefähr 208 Millionen Euro im Januar.
Kommision immer noch selbstbewusst
Andererseits sieht der Energiekommissar Andris Piebalgs niedrige Preise von Emissionszertifikaten nicht als Grund zur Sorge an. Er sagte er glaube, dass man in der EU die Rahmenbedingungen des Programms zum Klimawandelpaket geschaffen habe, als wichtigstes Instrument der Investition. Es sei kein Grund zur Sorge, dass die Preise für CO2 zurzeit mit 11-12 Euro pro Tonne sehr niedrig seien. Was solle man auch sonst in einer Wirtschaftskrise erwarten, das jemand mehr Lizenzen kaufe um mehr zu produzieren? Nein, sagt er, die Preise für Kohlendioxid reagierten auf was immer in der Wirtschaft passiere. Er denke, dies sei einer der Säulen der Investitionen in die EU.
Jedoch sei, laut Lewis, die freie Verteilung von Zertifikaten ein grundlegendes Problem, das auch in der dritten Handelsperiode vorhanden sei, die 2013 beginnen solle. Das heiße, dass der Markt für CO2-Zertifikate nicht Angebot und Nachfrage widerspiegele.
Lewis argumentierte, dass Emissionszertifikate risikofreie Anlagegüter für CO2-produzierende Betriebe seien, da man sie kostenlos erhalten würde. Industriebetriebe interessierten sich normalerweise nicht dafür, kurzzeitige Vermögenswerte zu verkaufen, sagte er. Dennoch sähen sie jetzt ihre ungenutzten Zertifikate als Anlagegüter an, die verkauft werden könnten, um schnell an Geld zu kommen, das zur Deckung laufender Kosten verwendet werde, in einer Zeit in der kurzfristige Kredite nicht so leicht zu bekommen seien, folgerte er.
Zentrale CO2-Bank?
Schon die Existenz einer solchen Institution würde der Notwendigkeit der Bank zu intervenieren, zuvorkommen, indem sie psychologisch das Vertrauen in den Markt stärkt.
Der Zug sei im Dezember schon abgefahren, als der EU-Emissionshandel beschlossen wurde, sagte Lewis. Jedoch forderten Australien und die USA angemessene institutionelle Absprachen, weil sie zurzeit ihren eigenen Emissionshandel aufbauten. In einer „idealen Welt“ könnte eine zentrale CO2-Bank die Notwendigkeit für Preisobergrenzen abschaffen, die immer das Risiko beinhielten zu niedrig zu sein, folgerte er.



