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Umfrage: Klimamaßnahmen selten Teil von Unternehmensstrategien [DE][en][fr

Erschienen: Montag 18. Februar 2008   

Während die meisten Geschäftsführer von Unternehmen die Risiken und Möglichkeiten des Klimawandels als wichtig einschätzen, bezieht mehr als ein Drittel der multinationalen Firmen diesen Aspekt ‚selten oder nie’ in ihre Gesamtstrategie ein. Dies hat eine neue, von McKinsey durchgeführte Studie ergeben.

Hintergrund:

Seit März 2007, als die Staats- und Regierungschefs der EU sich zu einer Senkung der Treibhausgasemissionen um 20% bis 2020 verpflichteten, wird in Brüssel diskutiert, ob das Ziel der EU, die CO2-Emissionen zu reduzieren, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrien beinträchtigen werde, indem es zum Verlust von Arbeitsplätzen und höheren Preisen für Verbraucher führe.

Die Vorschläge der Kommission vom 23. Januar 2008, das Emissionshandelssystem der EU (EU-ETS) zu stärken und die Nutzung erneuerbarer Energien in der EU zu steigern ist ein Nachfolgepaket der Verpflichtungen vom März 2007. Sie haben den Ton der Diskussion verschärft, da die Aussicht auf eine strengere Regulierung und eine Änderung der Regeln bei zahlreichen Industrien die Alarmglocken läuten lassen.

Beinahe 70% der Führungskräfte weltweit betrachten den Klimawandel als nicht nur für den Ruf ihres Unternehmens bedeutend, sondern auch für zentrale geschäftliche Angelegenheiten wie die Produktentwicklung und die Investitionsplanung. Dies geht aus einer UmfragePdf mit dem Titel „How companies think about climate change“ (deutsch: Wie Unternehmen über den Klimawandel denken) hervor, die im Dezember 2007 von dem weltweit vertretenen Beratungsunternehmen McKinsey durchgeführt wurde.

Relativ wenig Unternehmen schienen momentan die Bedeutung, die sie dem Klimawandel beimäßen, in unternehmerische Maßnahmen umzusetzen, so McKinsey. Viele Unternehmen setzten sich nur von Zeit zu Zeit mit dem Klimawandel auseinander, vor allem, wenn es um den Ruf und Schutzmarken der Firma gehe oder um die Entwicklung neuer Produkte sowie den Umgang mit umweltbezogenen Themen.

An der Umfrage nahmen 2 192 Führungskräfte weltweit teil, einschließlich fast 600 Geschäftsführern aus den Finanz-, Produktions-, Energie- und Bergbaubranche.

Die Sorge über höhere Betriebskosten erklärte die offensichtlich zögerliche Umsetzung der Firmenbedenken in Maßnahmen nur teilweise. 61% der Befragten erwarteten von den Themen, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stünden, positiven Auswirkungen auf die Gewinne, wenn sie gut gehandhabt würden, so McKinsey.

Unsicherheiten über zukünftige Rechtsrahmen könnten ebenfalls erklären, weshalb viele Firmen weiterhin bei ihren Unternehmungen auf Nummer sicher gingen. Die meisten Geschäftsführer erwarteten, dass eine strengere Regulierung erst in fünf Jahren in ihren Ländern Einzug halten werde. Die Befragten zeigten sich weitgehend einig, dass die Auswirkungen einer jeglichen Regulierung auf die Gewinne eher negativ als positiv ausfallen werde.

Die Umfrage zeigte ebenfalls, dass in vielen Unternehmen keine Einigkeit darüber herrsche, welche Führungsebene für Entscheidungen in Zusammenhang mit dem Klimawandel verantwortlich sein solle. 70% der Unternehmen verfügten nicht über ‚organisatorische Leistungszielvorgaben in Bezug auf den Klimawandel’. Daraus könne geschlossen werden, dass die Gewinne für einzelne Unternehmensmitglieder unklar blieben, obwohl Unternehmen aus dem Klimawandel profitieren könnten.

Positionen:

Die Kommission rechtfertigt strenge Klimaregulierungen und -maßnahmen als ein Mittel, um die ‚dritte industrielle Revolution’ anzuregen, die durch reduzierte Treibhausgasemissionen und eine nachhaltigere Entwicklung geprägt sei und tausende neue Arbeitsplätze schaffen sowie Europa in die Spitzenposition des weltweiten Wettbewerbs versetzen werde.

Befürworter der Kommissionspläne, einschließlich des Prinzen von Wales (EurActiv vom 15. Februar 2008),  weisen darauf hin, dass der Privatsektor mit ins Boot genommen werden und sich zur Bekämpfung des Klimawandels verpflichten müsse. Das solle auch die Überweisung „riesiger Summen“ an Entwicklungsländer beinhalten, um beispielsweise eine Abholzung der Wälder zu vermeiden. 

Umweltorganisationen wie der WWF, die Partnerschaften mit Unternehmen eingegangen sind, sagen, dass ‚Änderungen in Unternehmenspraktiken ausschlaggebend’ für den Umgang mit dem Klimawandel seien.

Einige Industriesektoren sind der Auffassung, dass zu viel Regulierung die EU-Industrien lediglich zum Verlassen der EU drängen werde (EurActiv vom 27. November 2007). Die Wirtschaftsvereinigung BusinessEurope vertritt den Standpunkt, dass Brüssel sich mehr darauf konzentrieren solle, das volle Potential der Verbesserung der Energieeffizienz auszuschöpfen, als den Kohlenstoffmarkt der Union einzugrenzen oder sich für ‚schwer erreichbare’ Zielvorgaben für erneuerbare Energien einzusetzen.

Wichtige Entscheidungsträger werden ihre Positionen zur Frage, wie der Privatsektor mit den Herausforderungen des Klimawandels umgeht, im Rahmen des sechsten  Europäischen Wirtschaftsgipfelsexternal (European Business Summit; EBS) darlegen, der für den 21. und 22. Februar 2008 in Brüssel angesetzt ist (siehe auch EurActiv vom 29. Januar 2008).

Nächste Schritte:

  • 21. und 22. Februar 2008: Sechster Europäischer Wirtschaftsgipfel (EBS) in Brüssel.

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