„Es ist wichtig, dass wir nicht zu früh über technologische Gewinner und Verlierer entscheiden“, betonte Orr. „Die Forschung braucht viele Ideen und technologische Möglichkeiten, die dann im wirtschaftlichen Wettbewerb getestet und verbessert werden können. Dieser Wettbewerb wird – innerhalb welcher Regeln auch immer für Emissionen festgelegt werden – darüber entscheiden, wie sich der Energiemix in der Zukunft entwickeln wird.“
Die bereits verfügbaren „offensichtlichen Beiträge“ zu einer kohlenstoffarmen Stromerzeugung seien die Wind- und Solarenergie, sagte der Professor. Aber er betonte, dass staatliche Beihilfen benötigt würden, um Technologien über den Forschungsstand hinaus zu vermarkten.
„Früher oder später müssen sich Technologien dem Wettbewerb stellen – obwohl eine CO2-Steuer oder Regeln zum Handel mit Emissionsberechtigungen dem Wettbewerb Grenzen setzen kann“, so Orr.
Als ehemaliger Projektleiter des Global Climate and Energy Projects an der Stanford Universität, das im Bereich der künftigen emissionsarmen Technologien forscht, sagte Orr, es gebe viele interessante Ideen, aus denen vielleicht der nächste technologische Durchbruch hervorgehen könnte.
„Die richtig große Energiequelle ist die Sonne, aber zurzeit sind die Kosten einer Umwandlung des Sonnenlichts in Strom oder Wasserstoff deutlich höher als andere Mittel der Strom- oder Wasserstoffproduktion, die typischerweise fossile Brennstoffe verwenden“, sagte Orr. Aber es gebe Anzeichen, dass die Kosten weiterhin fallen würden, argumentierte er, als Ergebnis ständiger Bemühungen die Umwandlungseffizienz zu steigern und Kosten zu senken.
Der Stanford-Wissenschaftler glaubt auch, dass Biokraftstoffe eine Zukunft haben, betonte aber, dass die Umweltfragen, die vom Anbau von Energiepflanzen und den Folgen für die Nahrungssicherung herrühren, eine sorgfältige Analyse benötigten. „Es gibt mehr Möglichkeiten das Sonnenlicht zu nutzen, um auf chemischem Wege Brennstoffe zu produzieren“, sagte er.
Über die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger sagte Orr, dass Wasserstoff zwar in dem Sinne sauber sei, dass es bei der Verbrennung nur Wasser produziere, dass es aber immer noch von einer primären Energiequelle produziert werden müsse. Die Sonne könnte möglicherweise genutzt werden, um das Wasser direkt zu spalten anstatt zunächst Strom zur Wasserspaltung zu benutzen, sagte er.
„Brennstoffzellen können Wasserstoff effizient nutzen, aber die Kosten sind zu hoch und sie benötigen den Einsatz von teuren und knappen Katalysatoren. Bessere Akkus mit einer höheren Energiedichte und weniger Gifte würden die Beförderung in Elektrofahrzeugen ermöglichen, obwohl wir dann auch das Stromerzeugungssystem verändern müssten“, erklärte Orr. Er schloss damit, dass die Forschungsgemeinschaft noch viele Herausforderungen zu bewältigen habe, bevor sie alle Möglichkeiten nutzen könne.
In der Zwischenzeit gebe es bereits verfügbare Technologien zur kurzfristigen Emissionsverringerung, sagte der Professor. Die zunächst größten Reduktionen lägen bei der sehr viel effizienteren Energienutzung, „vor allem in den USA, wo wir dies in den letzten zwei Jahrzehnten der billigen Energie nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt haben“, sagte er.
„Wesentliche Verbesserungen im Bereich der Transporteffizienz, der Energieeffizienz von Gebäuden, Beleuchtung und mehr sind mit heutigen Technologien möglich, wenn die Verbraucher dies wünschen. Und die meisten Investitionen amortisieren sich während ihrer Lebensdauer“, sagte er.
Darüber hinaus würde ein Wechsel von Kohle zu Erdgas die CO2-Emissionen erheblich senken. Dies wäre eine gute Möglichkeit für Orte wie die USA, „wo Erdgaslieferer reichhaltiger zu finden sind, als wir vor ein paar Jahren dachten“, erläuterte er.
„Das Wichtigste ist nun, mit der Arbeit zu beginnen und auf lange Sicht dran zu bleiben,“ sagte Orr.
Franklin M. Orr sprach mit Susanna Ala-Kurikka
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