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Weltkohlenstoffmarkt wird im nächsten Jahrzehnt stark wachsen [DE][en][fr

Erschienen: Dienstag 19. Februar 2008   

Analytiker prognostizieren einen starken Zuwachs des CO2-Emissionshandels bis 2020. Derzeit bereitet sich die EU darauf vor, neue Sektoren in ihr Emissionshandelssystem (EU-ETS) einzuschließen. Auch der Beitritt der USA zu einem ähnlichen System erscheint zunehmend unvermeidlich.

Hintergrund:

Das europäische System für die Senkung und den Handel von Kohlenstoffdioxid ermöglichte es den Mitgliedstaaten bisher, im Vergleich zum Niveau von 1990 eine Reduktion des CO2 von mehr als zwei Prozent zu erreichen. Es wird erwartet, dass weitere Fortschritte erzielt werden, sobald ein neues, verbessertes System 2013 in Kraft tritt (EurActiv vom 23. Januar 2008).

Die größte Herausforderung der von der Kommission vorgeschlagenen Klimastrategie besteht darin, die weltweit stärksten Verschmutzer – einschließlich den USA und aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien – zu einem ähnlich verbindlichen System zur Verschmutzungsverringerung zu bewegen.

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Ein florierender Markt

Der Wert des weltweiten Kohlenstoffmarktes schoss im Jahr 2007 um 80% in die Höhe: Dabei wird mit Zertifikaten in Höhe von etwa 2,7 Milliarden Tonnen CO2 und im Wert von 40,4 Milliarden Euro gehandelt. Weltweit zeigen sich Unternehmen und Investoren zunehmend positiv im Hinblick auf die Kohlenstoffhandelsindustrie. Dies ergab eine Recherche des unabhängigen Analyse- und Beratungsunternehmens Point Carbonexternal .

Etwa 60% dieses Handels fand unter dem Emissionshandelssystem der Europäischen Union (EU-ETS) statt: Es wurden in der Union 1,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoffemissionen im Wert von 28 Milliarden Euro gehandelt.

Der von der UN verwaltete Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM) ermöglicht Unternehmen, einen Teil ihrer Emissionsreduktionsziele zu erreichen, indem Projekte zur Senkung der CO2-Emissionen in den Entwicklungsländern finanziert werden. Der Mechanismus steht für einen Anteil von weiteren 947 Millionen Tonnen an Kohlenstoffdioxid im Wert von 12 Milliarden Euro.

Endre Tvinnereim, Analytiker bei Point Carbon, sagte, die Zahlen von 2007 zeigten, dass der Handel mit Treibhausgasemissionen zu einem selbständigen Rohstoffmarkt geworden sei. Das beträchtliche Wachstum des Sekundärmarktes des CDM zeige, dass Unternehmen bereit seien, neue und kreative Instrumente zu entwickeln, um den festgelegten CO2-Beschränkungen gerecht zu werden.

Analytiker sind weiterhin der Meinung, dass der globale Kohlenstoffmarkt in den kommenden zwölf Jahren einen wahrhaftigen „Boom“ erfahren könne, insbesondere wenn die USA sich beteiligten.

Initiativen auf staatlicher und regionaler Ebene in den USA und in Kanada entwickeln sich bereits: Mindestens zehn Bundesstaaten aus dem Nordosten Amerikas haben sich dazu bereit erklärt, ein Programm zur Senkung und zum Handel von CO2 zu entwickeln, an dem mehrere Staaten beteiligt sein sollen – die Regional Greenhouse Gas Initiative (RGGIexternal ; Regionale Treibhausgas-Initiative). Es handelt sich dabei um den Versuch, bis 2018 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um zehn Prozent zu senken. 

Freiwillige Märkte, auf denen Unternehmen, die über ihre CO2-Emissionen besorgt sind, sich entscheiden können, Emissionskredite zu erwerben, wachsen nun ebenfalls. Der größte Markt dieser Art ist der US-amerikanische Chicago Climate Exchangeexternal , auf dem sich das Handelsvolumen 2007 auf 22,9 Millionen Tonnen verdoppelt hat.

Im von den Demokraten dominierten US-Kongress sind derzeit 13 Klimagesetze im Gespräch. Die meisten enthalten Pläne für eine Art marktbasierten Mechanismus. Analytiker sind der Meinung, es sei unwahrscheinlich, dass die USA dem Beitritt zu einem Emissionsreduktionssystem in der Zukunft entkomme. 

Michael Liebreich, Vorstandsvorsitzender von New Energy Finance (NEFexternal ), dem führenden Informations- und Analysenanbieter im Sektor der erneuerbaren und kohlenstoffarmen Energien, sagte, auch wenn die heutige Bush-Administration all diese Gesetze ablehne, werde der nächste Präsident weniger dazu neigen, von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen. Alle führenden Präsidentschaftskandidaten hätten betont, dass Maßnahmen notwendig seien, und einige sich bereits für beträchtliche Emissionssenkungen ausgesprochen.

Der „Climate Security Act” (‚Gesetz für Klimasicherheit’, CSAexternal ) ist ein parteiübergreifender Kompromiss und wurde von den Senatoren Joe Lieberman und John Warner entworfen. Er ist einer Vorschläge, die derzeit im Kongress diskutiert werden. Laut Point Carbon könnte der Teil des Gesetzes, der die Einführung eines Kohlenstoffhandelssystems vorsieht, zur Schaffung eines 150 Milliarden US-Dollar umfassenden Marktes ab 2012 führen, auf dem 5,7 Milliarden Zertifikate gehandelt werden könnten. 

Trittbrettfahrer abschütteln

Es ist unwahrscheinlich, dass die USA einem System zustimmen, das ihre wichtigsten Handelspartner unter den Entwicklungsländern, wie China, Brasilien und Indien, nicht verpflichtet, ebenfalls Emissionsvorschriften befolgen zu müssen. Max Baucus, Vorsitzender des Finanzausschusses des US-Senats, erklärte, im Kontext einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft müssten auch diese Länder einen Teil der Kosten tragen.

Die EU ist ebenfalls stark bemüht, für seine Wirtschaftsektoren eine ausgewogene Ausgangssituation weltweit zu schaffen. Ziel ist es, das so genannte Phänomen der „Verlagerung von CO2-Emissionsquellen“ zu verhindern, wobei Unternehmen ihren Standort in Drittstaaten verlagern, in denen weniger strenge Klimaschutzgesetze gelten, um somit wettbewerbsfähig bleiben zu können. In ihren neuen PlänenPdf external für das EU-ETS droht die Kommission insbesondere damit, Industriestaaten, die sich weigern, einem internationalen Klimaabkommen beizutreten, einer Art ‚Grenzausgleichssystem’ zu unterwerfen, wobei importierte Waren unter das EU-ETS fallen würden (EurActiv vom 28. Januar 2008).

Zudem könnte es passieren, dass die Teilnahme von Indien und China am Kohlenstoffmarkt eingeschränkt wird, wenn sie kein weltweites Abkommen unterzeichnen. Derzeit stammen etwa zehn Prozent der von EU-Unternehmen erworbenen Kohlenstoffkredite aus dem Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung oder aus der Gemeinsamen Umsetzung. Die Kommission schlägt jedoch vor, diese auf fünf bis sechs Prozent zu begrenzen.

Analytiker sagen, eine solche Entscheidung könne aus der zunehmender Frustration resultieren, dass Indien und China die Gewinne des Kohlenstoffmarktes einstrichen. EU-Investoren bezahlen vermehrt chinesische und indische Energieunternehmen, um ihre Emissionen zu senken, statt höhere Ausgaben akzeptieren zu müssen, wenn sie die Verschmutzung im Heimatland reduzieren wollten. Indien und China haben sich selbst bisher jedoch nicht zu verbindlichen Zielen zu Kohlenstoffsenkung verpflichtet. Es herrscht außerdem die Sorge, sie könnten weniger wohlhabende Länder aus Afrika den Marktzugang verwehren.

Liebreich sagte hierzu, auch wenn es den Entwicklungsländern gelänge, über den Verhandlungsweg die Notwendigkeit einer Emissionskontrolle zu verleugnen, sollten sie dennoch im Hinterkopf behalten, dass sie vermutlich von einer Klimagesetzgebung auf indirektem Weg erfasst werden könnten, beispielsweise über ihre Exporthandelsbilanz. Dies könne schneller geschehen, als sie erwarteten.

Die European Federation of Energy Traders (Efet) warnte davor, dass die Kommissionsvorschläge die Entwicklung eines echten Marktes für Emissionsreduktionsprojekte behinderten. Damit würden sie beträchtlich die Kosten für Emissionssenkungen in Europa anheben, da das leicht nutzbare Potential zur Emissionsreduzierung in Entwicklungsländern nicht vollständig ausgenutzt würde. Zudem fügte die Vereinigung hinzu, die Vorschläge könnten für Privateinrichtungen, die sich an Emissionsreduktionsprojekten beteiligten, eine langjährige Situation der Unsicherheit schaffen, da ein internationales Klimaabkommen vermutlich nicht vor Ende 2009 abgeschlossen würde.

Ein sektorspezifischer Ansatz?

Auch wenn andere Staaten die Ausgangssituation verbesserten, indem sie einen dem EU-ETS ähnlichen Kohlenstoffhandelsmechanismus einführen, fürchten viele, dass die weltweite Wettbewerbsfähigkeit Europas leiden könnte. Grund dafür ist die höhere Kohlenstoffintensität der EU-Exporte im Vergleich zu chinesischen, US-amerikansichen und weiteren Exporten.

Ein wichtiges Mittel, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, könnte der Abschluss eines internationalen sektorspezifischen Abkommens sein. Unter einem solchen Abkommen würde es energieintensiven Industrien möglich sein, gemäß einem separaten Kohlenstoffsystem zu arbeiten. Letzteres würde auf Zielen beruhen, welche die Industrien selbst untereinander bestimmen würden. Dies würde den Sektor effektiv vor enormen Steigerungen der Betriebskosten schützen, die Verbesserungen ihrer Anlagen im Sinne ‚sauberer Technologien’ oder der Kauf von Emissionskrediten aus Projekten in Entwicklungsländern mit sich bringen.

Im Rahmen eines solchen Systems würden sich große Entwicklungsländer wie China verpflichten, eine freiwillige, branchenspezifische Zielvorgabe zu Treibhausgasintensität zu erreichen (z.B. Treibhausgas pro Tonne Stahl). Im Gegenzug würden sie Technologieanreize aus Industriestaaten erhalten.

Diese Idee fand die Unterstützung von Günter Verheugen, dem für Industrie zuständigen Kommissar, sowie von der Hochrangigen Gruppe der EU für Wettbewerbsfähigkeit, Energie und Umwelt. Dieses Instrument würde ihrer Meinung nach für einen fairen Wettbewerb sorgen. Gleichzeitig würde es Verbesserungen für saubere Technologien in Entwicklungsländern sicherstellen. Ein solches System könnte auch von den USA und Japan Unterstützung finden; beide Länder sind gegen strenge verbindliche Zielvorgaben.

Nächste Schritte:

  • Anfang 2009: Nach den Präsidentschaftswahlen in den USA von November 2008 wird die neue US-Administration ihr Amt antreten.
  • Dezember 2009: Klimakonferenz in Kopenhagen (CoP 15) – wahrscheinlicher Abschluss der UN-Klimaverhandlungen über ein Abkommen für die Zeit nach 2012.
  • Ende 2012: Frist für die Ratifizierung eines neuen Klimaabkommens.

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