Die Gemeinschaft der Wissenschaftler hat Sorgen geäußert, dass die im Dezember stattfindenden Verhandlungen in Kopenhagen nicht auf wissenschaftlichen Wahrheiten basieren.
Der letzte Bericht des Weltklimarates (IPCC), dem einflussreichsten wissenschaftlichen Organs zum Klimawandel, ist bereits zwei Jahre alt. Studien hatten seitdem ergeben, dass die Erderwärmung wesentlich schneller voranschreitet und dass ihre Auswirkungen wesentlich vernichtender ausfallen werden, als vorerst angenommen.
Die Konferenz, die zwischen dem 10. und 12. März in der dänischen Hauptstadt stattfinden soll, wird versuchen, einen umfassenden Überblick über die Ergebnisse der Klimaforschung aus den letzten zwei Jahren zu geben. Behandelt werden unter anderem neue Ergebnisse zum Anstieg des Meeresspiegels und zu so genannten Kipp-Punkten des Weltklimas.
Die Ergebnisse der Konferenz werden in fünf Mitteilungen, die in einem „scharfen Ton“ gehalten sei werden, zusammengefasst und der Konferenz zum Klimawandel in Kopenhagen (COP 15) vorgelegt. Die dänische Regierung hat zugesagt, diese Mitteilungen allen anwesenden Entscheidungsträgern zu übergeben.
Dies sei keine normale wissenschaftliche Konferenz, sondern ein gezielter Versuch, die Politik zu beeinflussen, erklärte Katherine Richardson, Meeresbiologin an der Universität von Kopenhagen, der britischen Tageszeitung Guardian.
Auf dem Gipfel ist mit Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftern das komplette Spektrum der Klimaforschung vertreten. Durch die Ergänzung der bestehenden Studien durch die jüngsten Forschungsergebnisse, hoffen die Wissenschaftler ein Fundament für „intelligente gesellschaftliche Entscheidungen“ zu wirksamen Klimaschutzmaßnahmen schaffen zu können.
Die Frage, ob die Begrenzung der Klimaerwärmung auf 2° C noch praktikabel ist, steht weit oben auf der Tagesordnung. Sowohl IPPC als auch EU erachten dies als maximale Temperatur, bei der die Auswirkungen des Klimawandels noch umkehrbar sind. Weiterhin muss ein Gleichgewicht zwischen Klimaschutzmaßnahmen zur Vermeidung des Klimawandels und der Anpassung an dessen Auswirkungen gefunden werden.
Die Konferenz wird von der Universität von Kopenhagen und neun anderen Universitäten ausgerichtet. Unter den Rednern sind unter anderem Rajendra K. Pachauri, der Vorsitzende des IPCC, Lord Nicholas Stern und der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, sowie andere hoch angesehene Vertreter der Forschergemeinschaft.
Die Organisatoren betonen, es sei nicht die Absicht, den Weltklimarat an den Rand zu drängen. Vielmehr baue der Gipfel auf der Arbeit des IPCC auf und bringe die neuesten Entwicklungen auf vielen Forschungsgebieten mit ein.
Die EU ist gerade damit beschäftigt, eine gemeinsame Position für die Verhandlungen im Dezember festzulegen. Die Hauptstreitpunkte sind die Kriterien, nach denen die Emissionsreduzierung für jedes einzelne Land errechnet werden soll, sowie die finanzielle Unterstützung, die Entwicklungsländern gezahlt werden soll (EurActiv vom 27. Februar 2009).
Ein Konsens über die Finanzierung des Abkommens entsteht nur sehr langsam, nachdem einige Mitgliedstaaten argumentiert hatten, es sei noch nicht Zeit für die EU, alle Karten auf den Tisch zu legen (EurActiv vom 3. März 2009).



