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40 Jahre später: Europa zurückhaltend bei Gedenken an Prager Frühling [DE]

Veröffentlicht 01. August 2008 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Niederwerfung des Prager Frühlings am 21. August 1968 habe für sowjetähnliche Regime den Anfang vom Ende markiert; die Bedeutung dieses Ereignisses werde heutzutage jedoch unterschätzt. Jean-Michel de Waele, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Brüssel (ULB) reflektiert in einem Gespräch mit EurActiv über diese historischen Tage.

De Waele sagte, der gescheiterte Versuch der tschechischen und slowakischen Politiker, das kommunistische Regime von innen zu reformieren, habe die Unfähigkeit der Sowjetunion gezeigt, Dezentralisierung und Demokratisierung zu akzeptieren. Dies sei der Wegbereiter für die Krise gewesen, die schließlich, 20 Jahr später, zum Zusammenbruch des Kommunismus geführt habe.

Er glaubt jedoch, dass die Bedeutung dieses Ereignisses heutzutage unterschätzt werde. In der öffentlichen Wahrnehmung habe der Aufstieg von Solidarność in den 1980ern Jahren in Polen den Prager Frühling in den Schatten gestellt, obwohl beide Ereignisse gleich wichtig gewesen seien, so De Waele.

„Solidarność [...] wurde zu einem Teil der polnischen Geschichte und wurde von den nachfolgenden polnischen Regierungen verteidigt – dies hat die tschechische Regierung in weit geringerem Ausmaß für den Prager Frühling getan“, so De Waele. „Dennoch bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass der Prager Frühling eine absolut fundamentale Rolle gespielt hat“.

„Ich glaube, dass die Dissidenten von Solidarność ihre Lektion von dem Misserfolg des Prager Frühlings gelernt haben“. „Wenn Bronislaw Geremek [der polnische Dissident und Mitte-Rechts-Politiker, der kürzlich in einem Autounfall ums Leben gekommen ist, EurActiv vom 14. Juli 2008] noch unter uns wäre, könnte er erklären, in welchen Ausmaß der Prager Frühling beispielsweise die Mentalität in Polen geprägt hat“, sagte De Waele.

Der belgische Professor ist der Ansicht, dass die westlichen Mächte – und insbesondere die USA – sich während des Kalten Krieges dem Ostblock gegenüber doppeldeutig verhalten hätten, indem sie die Dissidenten unterstützt, aber gleichzeitig die Regime gestärkt hätten, indem sie Geschäfte mit ihnen machten. Dies, sagte er, sei wahrscheinlich aus einer Angst vor politischer Instabilität heraus geschehen, die zu einem Nuklearkonflikt hätte führen können. Er gesteht jedoch ein, dass die Ereignisse ab August 1968 in der Tschechoslowakei den Westen auch auf die Schwäche totalitärer Regime hingewiesen hätten.

De Waele behauptet weiter, dass eine ähnliche Doppeldeutigkeit und nachlässige Einstellung gegenüber dem Missbrauch von Menschenrechten in den Beziehungen mit anderen Ländern auch heute noch zu beobachten sei. „Wenn man an die Olympischen Spiele in Peking denkt, scheint es, als ob die westlichen Länder tatsächlich blind für das Thema Menschenrechte seien. Je nachdem, wie reich man ist, sind sie mehr oder weniger anspruchsvoll.“

Darüber hinaus bedauert er, dass sogar in modernen Gesellschaften die Geschichte manipuliert werde, um allzu einfachen Ansichten zu genügen. Als Beispiel führt er an, dass vor nur 20 Jahren Jugoslawien ein relativ demokratisches und freies Land gewesen sei, während heute alles, was mit Jugoslawien im Zusammenhang steht, eine negative Konnotation habe. Er glaubt jedoch nicht an Projekte wie das Schreiben einer gemeinsamen europäischen Geschichte, sondern hofft, dass die Menschen überall den Mut besäßen, die Geschichte ihres Landes zu nehmen, wie sie ist. 

Um das vollständige Interview in Französisch zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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