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EU-Übersetzungspolitik „bleibt von Bedeutung” [DE]

Veröffentlicht 25. Februar 2008 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Das mehrsprachige Wesen der EU-Institutionen sei eine Angelegenheit, die politisch zu sensibel sei, um in radikaler Form geändert werden zu können. Daher werde die EU-Mehrsprachigkeitspolitik auch weiterhin von Bedeutung sein, so Juhani Lönnroth, Generaldirektor der GD Übersetzung der Kommission.

Die Union müsse nur mit dem zunehmenden linguistischen Druck „zurechtkommen“, den künftige Erweiterungen mit sich brächten. „Kein Politiker würde es wagen, die wichtigsten Grundsätze [der Politik] zu berühren“, so Lönnroth während einer Debatte, die am 22. Februar 2008 vom Centre for European Policy Studies organisiert wurde.

Steigenden Kosten bedeuten, dass die Sprachenpolitik der EU zunehmend umstritten wird. Die derzeit 23 offiziellen Sprachen führten zu insgesamt 506 Übersetzungs- und Dolmetschungskombinationen, so Lönnroth. Diese Zahl würde noch wesentlich steigen, wenn Kroatien, Serbien und die Türkei der Union beitreten.

Zugestehend, dass er kein „Sprachfanatiker“ sei, erklärte der Generaldirektor, er denke täglich darüber nach, „wie das Arbeitspensum gesenkt werden könnte“. Es sei „nicht im Interesse des Steuerzahlers“, jede Sprachkombination abzudecken. „Es wäre viel einfacher, wenn jeder Englisch und Französisch als die Hauptsprachen in der EU akzeptieren würde.“

Lönnroth ist jedoch der Meinung, dass die Sprachenpolitik der Kommission keine wesentlichen Änderungen erfahren könne, da sie politisch gesehen ein „sensibles Thema“ sei. Sprachenpolitik sei kein „Angebot-Nachfrage-Problem“, da EU-Bürger das Recht hätten, sich in ihrer eigenen Sprache an die Institutionen der Union zu wenden, unabhängig von der Zahl der Menschen, die diese Sprache sprechen.

Stattdessen könnten weniger umfangreiche Publikationen eine Möglichkeit sein, um das Arbeitspensum zu senken, so Lönnroth. Er fordert daher für die künftige Sprachenpolitik der EU, dass sie sich auf „weniger jedoch bessere“ Übersetzungen konzentrieren solle. Diese Entwicklung sei laut dem Generaldirektor bereits deutlich geworden: Die durchschnittlich Länge eines Kommissionsdokuments betrage nunmehr 15 Seiten, während es vor der Erweiterung noch 37 Seiten waren.

Es sei „ein Fehler, zu glauben, dass Englisch allein genug ist“ – auch wenn die Sprache „mehr und mehr zur Lingua Franca“ der EU-Institutionen werde, so Lönnroth. Dies sei ein Problem der praktischen Anwendbarkeit, erklärte er, da viele verschiedene Personen an einem EU-Gesetzesentwurf arbeiteten, bevor dieser Gesetzeskraft erlange. Wenn jeder Änderungsantrag übersetzt würde, dann „würden die Kosten explodieren“, fügte er hinzu. Weiterhin würde die EU eine „Ausuferung an Sprachen“, jedoch gleichzeitig einen „Rückgang der tatsächlich verwendeten Sprachen“ erfahren. Die richtige Mischung zu finden, sei eine „schwierige Aufgabe“.

72% aller EU-Dokumente werden ursprünglich in englischer, 12% in französischer und nur drei Prozent in deutscher Sprache entworfen. 88% der Nutzer der Kommissionsinternetseite Europa sprechen Englisch. Der Generaldirektor fügte hinzu, annähernd 100% des sprachlichen Bedarfs würden abgedeckt werden, wenn die Dokumente in Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch zur Verfügung gestellt würden.

Im vergangenen Jahr haben die EU-Institutionen etwa eine Milliarde Euro für Übersetzungen und Dolmetschungen ausgegeben, sagte Lönnroth. Dies stelle etwa ein Prozent des EU-Haushalts, bzw. 2,50 Euro jährlich pro Bürger dar. 2 500 Beschäftigte würden 2008 zwei Millionen Seiten übersetzen, sagte er und schätzte, dass diese Zahl jährlich um fünf Prozent steigen werde.

Die Kommission wird die Nachhaltigkeit ihrer Sprachenpolitik prüfen, wenn sie im September 2008 ihre neue Strategie für Mehrsprachigkeit vorschlägt (EurActiv vom 19. Februar 2008).

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