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Europa kommuniziert in „gebrochenem“ Englisch

Veröffentlicht 01. Oktober 2010 - Aktualisiert 05. Oktober 2010
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Mit jeder neuen Erweiterungsrunde habe sich die interne Kommunikation der EU weiter in Richtung Englisch als Hauptarbeitssprache entwickelt, hörte das Publikum einer Konferenz in Brüssel diese Woche.

Obwohl das Europäische Parlament eher Tendenz hat, in seiner internen Kommunikation mehrsprachig zu arbeiten, als die Kommission oder der Rat, bedeute die Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeitssprache dennoch, dass Englisch vorherrsche, sagte Ambroise Perrin vom französischen Sprachverband „Défense de la Langue Française“ (DLF).

Die Konferenz wurde vom DLF am „Institut Supérieur de Traducteurs et Interprètes“ (ISTI) veranstaltet, einer Brüsseler Hochschule für Übersetzer und Dolmetscher.

Trotz der Bedeutung des „Sprachpluralismus“ als Prinzip der Union wies Christian Tremblay vom „Europäischen Observatorium für Mehrsprachigkeit“ darauf hin, dass Europa mit einer Realität von 23 offiziellen Sprachen arbeiten müsse, zuzüglich der regionalen und Minderheitssprachen.

Außerdem müsse Europa sicherstellen, dass es den Muttersprachlern dieser verschiedenen Sprachen gelinge, zusammenzuarbeiten.

Daraus folge es, dass die tatsächliche Arbeitssprache der Europäischen Kommission ein gebrochenes Englisch ist, das von den meisten Angestellten der EU-Institutionen beherrscht werde, sagte Ludovic Laporte von der GD Übersetzung der Kommission.

Er sagte, die Kommission betreibe sogar ein Team an Korrekturlesern, deren Aufgabe sei, das unterdurchschnittliche Englisch einiger Originaltexte zu verbessern und zur Übersetzung brauchbar zu machen. Dies sei vor der Erweiterung im Jahr 2004 auch für deutsche und französische Texte der Fall gewesen, so Perrin.

Letztlich sei Brüssel vielleicht dazu gezwungen, Englisch als Arbeitskompromiss in seiner internationalen Arbeitswelt zu wählen, wie Laporte eingestand.

Deswegen seien nun 80 Prozent der internen Kommunikation der Kommission auf Englisch verfasst, sagte Catherine Vieilledent-Montfort von der GD Übersetzung. Nur die endgültigen Textversionen würden in alle 23 offiziellen Sprachen der EU übersetzt, erklärte sie.

Laporte behauptete, dabei handele es sich vorwiegend um eine Entwicklung der Jahre nach der Erweiterungsrunde 2004. Die Osterweiterung der EU brachte eine Sprachenexplosion mit sich, die die Zahl der offiziellen Sprachen über Nacht verdoppelte. Zuvor hatte es weitaus mehr interne Kommunikation auf Französisch und Deutsch gegeben, hieß es auf der Konferenz.

Hintergrund : 

Die Übersetzungs- und Dolmetscherdienste der EU-Institutionen kosten jährlich 1,1 Milliarde Euro oder 1 Prozent des EU-Haushalts. Dies entspricht 2,50 Euro pro Bürger jährlich.

Auf die Frage, weshalb keine weiteren Gelder erhältlich gemacht worden seien, um die neue Mehrsprachigkeitsstrategie der Kommission vom September 2008 zu unterstützen (EurActiv 19.10.08), verwies der ehemalige Kommissar für Mehrsprachigkeit Leonard Orban auf die Notwendigkeit, „realistisch“ zu sein und politische Aspekte der EU Finanzierungsprozesse in Betracht zu ziehen (EurActiv 13.11.08).

Etwa 26 Millionen Euro würden jährlich durch gebuchte doch ungenutzte Übersetzungsdienste in den EU-Institutionen verloren, sagte der ehemalige finnische Europaabgeordnete Alexander Stubb (Europäische Volkspartei), der einen am 10 Juli 2007 angenommenen Bericht dazu verfasste (EurActiv 13.07.07).

Diskussionen über die Mehrsprachigkeit in den EU-Institutionen drehen sich derzeit um das Gemeinschaftspatent, das seit Jahren in einer politischen Sackgasse steckt, da es geplant wird, es künftig nur in einer der drei Arbeitssprachen herauszugeben, Englisch, Deutsch oder Französisch (EurActiv 02.07.10).

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