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Am 26. September 2007 wurde die Kommission, während sie mit dem Europäischen Tag der Sprachen
das Spracherbe der EU feierte, aufgefordert, die "Motivierung für das Sprachenlernen" zu stärken.
Die Veranstaltung war für die Öffentlichkeit zugänglich und beinhaltete eine Reihe von Aktivitäten wie eine Ausstellung über sprachbezogene Projekte, Musik und Gesang in verschiedenen Sprachen sowie Spiele in mehreren Sprachen im und um das Hauptgebäude ‚Berlaymont’ der Kommission. Der 26. September wurde vom Europarat und der Kommission im Jahr 2001 – dem Europäischen Jahr der Sprachen – als der Europäische Tag der Sprachen bestimmt.
Die Kommission hat 2005 die Hochrangige Gruppe „Mehrsprachigkeit“ errichtet, die ebenfalls ihren Bericht
vorstellte.
Die Empfehlungen des Berichts der Hochrangigen Gruppe „Mehrsprachigkeit“ wurden während des Europäischen Tages der Sprachen vorgebracht, den die Kommission gleichzeitig dafür nutzte, die Einrichtung einer Webseite „Ihre Meinung zählt
“ und den Start einer Online-Konsultation
zum Thema Mehrsprachigkeit anzukündigen.
Dies stellt den Beginn einer neuen Phase des Konsultationsprozesses der Kommission in diesem Bereich dar. Der Fokus verschiebt sich nun von den Regierungen, Experten und Unternehmen auf andere Stakeholder sowie die allgemeine Öffentlichkeit.
Der Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, sagte, die Kommission spiele eine wichtige Rolle bei der Förderung der Mehrsprachigkeit. Er fügte hinzu, die Kommission müsse die Bedürfnisse und Erwartungen der Bürger, Entscheidungsträger, Unternehmen und Mitgliedstaaten kennen, um bestmöglich über das weitere Vorgehen entscheiden zu können.
Er erklärte, dass Ziel sei, der Union eine neue Generation mehrsprachiger Bürger zu geben.
Die aktuelle Konsultation wird bis zum 15. November 2007 laufen; deren Ergebnisse werden Anfang 2008 zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse werden in eine politische Erklärung in Form einer Mitteilung zur Mehrsprachigkeit im Mai 2008 einbezogen werden, erklärte Orban.
Der Bericht
der Hochrangigen Gruppe macht die folgenden Empfehlungen:
Orban beschrieb die Empfehlungen als ‚sehr wertvoll’.
Der Kommissar für Mehrsprachigkeit Leonard Orban sagte mit Bezug auf den Bericht der Hochrangigen Gruppe, dass dieser konkrete Projekte, beispielsweise Forschung zu Aspekten der Mehrsprachigkeit, wo es bisher Wissenslücken gebe, anregen könne. Er verwies auf die Förderung des Sprachenlernens außerhalb vorgeschriebener Bildungseinrichtungen, die Motivierung zum Spracherwerb im höheren Alter und die Integration von Sprachminderheiten als Bereiche, denen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse.
Orban fügte hinzu, Spracherwerb müsse mindestens drei Kriterien erfüllen, um effektiv zu sein: er sollte attraktiv sein, frühzeitig beginnen und während des gesamten Lebens fortgeführt werden.
In einem Seminar am Nachmittag stellten die Mitglieder der Hochrangigen Gruppe Möglichkeiten der Medien vor, Menschen zum Erlernen einer Fremdsprache zu ermutigen.
Steven Fawkes, ehemaliger Mitarbeiter der Bildungsabteilung beim BBC, sagte, das Problem betreffe mehr als nur die Bildung. Sprachenlernen müsse über das Klassenzimmer hinausgehen, um ein Schlüsselelement für andere soziale Aktivitäten wie beispielsweise Sport zu werden. Fawkes verwies auf die Bemühungen des BBC, Sprachen durch mehrsprachige Fernseh- und Radioprogramme sowie im Internet zu fördern, aber auch darauf, das Gebühren stets ein Problem gewesen seien. Die stetig wiederkehrende Frage in Großbritannien sei, warum man für BBC zahlen sollte, wenn man es nicht schaue.
Claire Doutriaux, Produzentin bei Arte TV, zeigte eine Episode der Sendung
Karambolage
, die als Flaggschiff verstanden wird und die Zuschauer mit deutsch-französischen kulturellen Raffinessen unterhalten will. Wie alle anderen Programme auf Arte ist auch Karambolage zweisprachig; die Schwierigkeit sei jedoch, ein ‚Drama’ zu finden, das in beiden Sprachen Sinn mache. Sie erklärte, man müsse mit Sprachen, Bildern und Übersetzungen jonglieren, um dies möglich zu machen.
Jaana Sormunen, Produzentin des finnischen Rundfunkunternehmens YLE, stellte ein Bildungs- und Unterhaltungsprogramm – La Casa en España – vor. Es läuft im zweiten Jahr und hat Zuspruch zahlreicher Zuschauer in Finnland gefunden. Für die Fernseh-Show haben die teilnehmenden Konkurrenten drei Monate lang zu Hause Spanisch gelernt und anschließend mündliche Examen im Studien absolviert sowie Wochenendreisen nach Spanien gemacht. Die Show ist Teil des Konzeptes zum Spracherwerb von YLE, zu dem weiterhin eine virtuelle Sprachschule gehört. In The Language Gate
können die Teilnehmer mit Hilfe interaktiver Übungen (Audio, Video, Text) ihre Sprachkenntnisse verbessern.
Frédéric Simon, Chefredakteur bei EurActiv.com, stellte den einmaligen Ansatz von EurActiv zur Berichterstattung über die Politik der EU vor. EurActiv hat 2004 mehrere Partner-Webseiten in Mittel- und Osteuropa gegründet; jedes Partnerportal berichtet in seiner eigenen Sprache über EU-Angelegenheiten. Das CrossLingual Netzwerk, so Simon, wolle den Forderungen nach unabhängigen Informationen über europäische Politiken in denjenigen Ländern, in denen die Sprachbarriere eine Kluft zur Brüsseler Elite darstellt, gerecht werden. Simon stellte schließlich die beiden jüngsten Portale des Netzwerks vor: EurActiv Frankreich
im Mai 2007 und EurActiv Türkei im September 2007.
Die Diskussion konzentrierte sich auf die Frage ‚Untertitelung oder Synchronisierung im Fernsehen’; einer der Teilnehmer betonte, dass untertitelte Programme keine hohen Zuschauerzahlen in Frankreich erreichten.
Jaana Sormunen widersprach ihm; sie sagte, dass die Zuschauer in Finnland vehement protestierten, als die amerikanische Fernsehserie Reich und Schön in synchronisierter Version ausgestrahlt wurde. Der Moderator der Konferenz, Wim De Wielder des niederländischsprachigen belgischen Fernsehsenders VRT, stimmte dem zu: die flämischen Zuschauer seien an Untertitel gewöhnt und betrachteten dies als eine hilfreiche Möglichkeit, um Englisch zu lernen.