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Nach Haiti: EU und UNESCO identifizieren Synergiepotenzial

Veröffentlicht 18. Februar 2010 - Aktualisiert 10. März 2010
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UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa beschritt gestern (17. Februar) gemeinsam mit der EU neue Wege für eine verstärkte europäische Zusammenarbeit mit der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Ihre Landsmännin Kristalina Georgiewa, EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, stellte gemeinsame Pläne vor, um die Auswirkungen der Haiti-Krise zu lindern.

Die bulgarische Diplomatin Irina Bokowa, der jüngst als erste Frau und Osteuropäerin die Leitung der UNESCO anvertraut wurde (EurActiv vom 23. September 2009), hielt Treffen mit dem Europäischen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, der Kommissarin für Bildung, Kultur und Jugend Androulla Vassiliou, der Kommissarin für Fischerei und maritime Angelegenheiten Maria Damanaki sowie Georgiewa ab. Mit Letzterer verbindet sie ihren Worten zufolge eine langjährige Freundschaft.

Die katastrophale humanitäre Lage auf Haiti, das von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, war der wesentliche Gesprächspunkt beim ersten Brüssel-Besuch Bokowas in ihrer neuen Position.

Vor der Presse sagte Bokowa, die UNESCO sei in Haiti vor Ort tätig, vor allem bei der Unterstützung des dortigen Bildungsministeriums.

"Tatsächlich arbeitet das haitische Bildungsministerium aus einem UNESCO-Büro in Port-au-Prince aus, weil dieses unbeschädigt blieb", so Bokowa.

Ein anderes Ziel sei es, zügig einen Ausschuss für den Erhalt von Kulturobjekten zu gründen. Dies sei wichtig, da sich die Bulldozer derzeit nur bedingt um kulturhistorisches Erbe scherten.

Gastgeberin Georgiewa drückte ihre Freude über den Besuch Bokowas aus. In den Bereichen humanitäre Hilfe und Krisenreaktion wolle die Kommission Hand in Hand mit dem UN-System zusammenzuarbeiten.

Georgiewa erklärte, die Kommission wolle bei ihrer Antwort auf die Haiti-Krise insbesondere Bildungsmaßnahmen abdecken. Ihren Worten zufolge muss nach der Sicherstellung von Nahrungsmitteln und Unterkunft – selbst wenn dies erst einmal Notunterkünfte oder Zelte bedeuten sollte – die nächste Priorität der EU sein, Kindern eine Weiterführung des Schulunterrichts zu ermöglichen.

Zudem stellte sich auf der Pressekonferenz heraus, dass die UNESCO ein System für Tsunami-Warnungen entwickelt hat, auf das die Kommission bei der Entwicklung von Frühwarnkapazitäten zurückgreifen möchte.

Das System wurde Bokowa zufolge nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien im Jahr 2004 entwickelt und vor kurzem in einem tatsächlichen Katastrophenfall getestet.

Sowohl Georgiewa als auch Bokowa kündigten einen baldigen Besuch Haitis an, obwohl diese Besuche sich nicht überschneiden werden.

Georgiewa, die kürzlich bei ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament gut abschnitt (EurActiv vom 4. Februar 2010), kündigte ihre Absicht an, nach Haiti zu reisen, sobald man etwas anzubieten habe. Da die Kommission nun zu Hilfsleistungen in der Lage sei, sei es an der Zeit, dort hinzufliegen.

Ihr Ziel sei es, herauszufinden, wie man die kürzlich zugewiesenen Extrahilfen in Höhe von insgesamt 90 Millionen Euro am besten verwenden könne, um die Lücken anderer Hilfsbemühungen zu schließen.

Von EurActiv danach gefragt, welche andere Bereiche der Zusammenarbeit sie sich mit der EU vorstellen könne, nannte Bokowa die Probleme des afrikanischen Kontinents sowie die Gleichstellung der Geschlechter.

Bei beiden dieser horizontalen Prioritäten sei eine sehr ergiebige Zusammenarbeit möglich.

Hintergrund : 

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre und hat im Laufe seiner Geschichte viel politische Gewalt erlebt. Im Februar 2004 zwang eine bewaffnete Rebellion den Präsidenten Jean-Bertrand Aristide zum Rücktritt und ins Exil. Eine Übergangsregierung wurde eingesetzt; die Sicherheit wurde von MINUSTAH, der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen, sichergestellt. Der derzeitige Präsident, Réné Préval, wurde 2006 gewählt.

Wissenschaftlern zufolge war das Erdbeben, das Haiti am 12. Januar erschütterte, das stärkste gemessene Beben weltweit seit 1770. Der Schaden war hoch, da das Epizentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,0 lediglich 10 km westlich der Stadt Port-au-Prince mit seinen zwei Millionen Einwohnern lag.

Die Anzahl der Todesopfer ist noch nicht bekannt, die häufigsten Schätzungen gehen jedoch von 300.000 Toten aus. Am 24. Januar verkündete die haitische Regierung, dass allein in Port-au-Prince 150.000 Leichen in Massengräbern bestattet wurden.

Die weit verbreitete Zerstörung betrifft lebenswichtige Infrastruktur, darunter alle Krankenhäuser der Hauptstadt, die Luft-, See- und Landverbindungen sowie die Telekommunikation.

US-Präsident Barack Obama vertraute den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush die Aufgabe an, Mittel zum Wiederaufbau Haitis zu beschaffen. US-Außenministerin Hillary Clinton besuchte Haiti am 16. Januar. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy stattete der Insel einen Monat später einen Besuch ab.

Der damalige EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Karel de Gucht, reiste am 21. Januar nach Port-au-Prince. Die außenpolitische Vertreterin der EU, Catherine Ashton, geriet in die Kritik, als sie von einem Besuch Haitis absah (EurActiv vom 25. Januar 2010).

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