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Online-Bibliothek der EU braucht "mehr und bessere" Inhalte

Veröffentlicht 23. Februar 2010
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Europeana, die Online-Bibliothek der EU, braucht mehr und bessere Inhalte, um Erfolg zu haben. Dies sagten Europaabgeordnete gestern (22. Februar) und forderten Regierungen und Kulturinstitutionen dazu auf, bei ihren Beiträgen zum Archiv stärker zusammenzuarbeiten.

In einem Bericht, der von der deutschen Europaabgeordneten Helga Trüpel (Grüne/EFA) entworfen und einstimmig vom Kulturausschuss des Europäischen Parlaments angenommen wurde, fordern die Europaabgeordneten die Mitgliedstaaten dazu auf, dem Portal unter Wahrung des Urheberrechts mehr Bücher, Karten, Filmausschnitte und Photos zur Verfügung zu stellen.

Uneinheitliche nationale Beiträge

Die Europaabgeordneten drücken ihr ernstliches Bedauern über die sehr uneinheitlichen Beiträge der Mitgliedstaaten zu Europeana aus. Mit der Bibliothek soll Europas kulturelles und wissenschaftliches Erbe der Allgemeinheit kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt werden. Derzeit enthält das Portal jedoch nur 5% aller digitalen Bücher.

Davon stammt fast die Hälfte aus Frankreich (47%). 16% stammen aus Deutschland und jeweils 8% aus Großbritannien und den Niederlanden.

Aus rechtlichen Gründen darf das Portal keine vergriffenen Bücher (90% der Inhalte nationaler Bibliotheken) oder "verwaiste Werke", deren Autoren nicht ermittelt werden können (10-20% nationaler Sammlungen), beinhalten.

Die Europaabgeordneten forderten die Regierungen und Kultureinrichtungen dazu auf, beim Hereinstellen von Inhalten auf die Seite zusammenzuarbeiten. Mitgliedstaaten sollten den Zugang nicht auf das Staatsgebiet ihres Landes beschränken und außerdem mehr Audio- und Videomaterial online stellen, wobei sie sich besonders um solche Werke kümmern sollten, die leicht Schaden nehmen.

Der Bericht dringt darauf, dass die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten alle erforderlichen Schritte unternehmen, damit kein Wissensgefälle zwischen Europa und Nicht-EU-Mitgliedern, vor allem zu den USA entsteht. Europeana solle zu einem der Hauptbezugspunkte für Bildungs- und Forschungszwecke werden.

Schutz des geistigen Eigentums

Dem Bericht zufolge soll Europeana die Rechte an geistigem Eigentum, vor allem die Rechte von Autoren und Interpreten achten. Lösungen wie eine erweiterte kollektive Verwertung könnten dabei einen Weg darstellen, um Nutzern Zugang zu urheberrechtlich geschütztem Material zu ermöglichen.

Die Europaabgeordneten forderten zudem wirksamere Werbemaßnahmen für das Portal in der Öffentlichkeit. Sie kündigten an, eine Finanzierungs- und Werbekampagne mit dem Titel "Join Europeana" durchführen zu wollen.

Währenddessen warnte Trüpel, dass der Erfolg von Europeana letztendlich von der Finanzierung abhängen werde. Die Kommission und die Mitgliedstaaten müssten zusammenarbeiten, um die notwendige Finanzierung zu gewährleisten.

Europeana muss mit den kommerziellen Plänen des US-Riesen Google konkurrieren, die ein Register für Buchrechte vorsehen, in dem Autoren und Herausgeber Werke registrieren und an institutionellen Abonnenten oder Buchverkäufen mitverdienen können.

Das Europäische Parlament warnt in seinem Bericht, dass die Verbreitung von Wissen im Internet nicht allein in den Händen privatrechtlicher kommerzieller Unternehmen liegen dürfe.

Gegengewicht zu Google Books

"Um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, muss sich die EU gegenüber anderen Digitalisierungsprojekten behaupten können und konkret dem 'Google Books'-Projekt ein Gegengewicht bieten können", sagte Trüpel.

In der Tat weist die Europäische Kommission darauf hin, dass das Google-Register nicht als Blaupause für ein vergleichbares europäisches System dienen wird und derzeit nur Werke aus den USA, Großbritannien, Australien und Kanada umfassen soll (EurActiv vom 16. November 2009).

Trüpel zufolge werde Europeana zwar nicht so reich wie Google Books sein, weil es sich nicht über Werbung finanzieren werde.

Es sei jedoch wichtig zu zeigen, dass so etwas auch mit öffentlichen Mitteln und nicht mit Werbung finanziert werden könne. "Wenn wir unser europäisches Gesellschaftsmodell und unsere kulturelle Vielfalt verteidigen wollen, dann brauchen wir Europeana", fügte sie hinzu.

Der Europäische Verlegerverband schätzt, dass Buchveröffentlichungen 24,5 Milliarden Euro zur EU-Wirtschaft und 40 Milliarden Euro zum Einzelhandel beitragen.

Letztes Jahr hatte die luxemburgische Kommissarin Viviane Reding, damals für Informationsgesellschaft und Medien verantwortlich, angedeutet, dass an einem europäischen Register gearbeitet werde. Sie unterstützte zudem eine Zusammenarbeit zwischen Google, nationalen Bibliotheken und Europeana, um eine Monopolstellung einer einzelnen Suchmaschine beim Zugang zu Kulturwerken zu vermeiden.

Die Europaabgeordneten unterstützten gestern die Absicht der Kommission, ein einfaches, kosteneffizientes Rechteverwertungssystemzu schaffen. Sie forderten die EU-Exekutive zudem dazu auf, einen Gesetzentwurf über Digitalisierung, Erhalt und Verbreitung verwaister Werke zu entwickeln sowie eine einzige europäische Datenbank einzurichten.

Währenddessen teilte der Europäische Verlegerverband FEP mit, dass sich ein Netzwerk von Datenbanken über vergriffene und verwaiste Werke derzeit in der Projektphase befindet.

Dieses Projekt mit dem Namen ARROW werde die Klärung von Rechten vereinfachen, da die Datenbank Bibliotheken und sogar Google erlauben werde, den urheberrechtlichen Status eines Werks einzusehen, erklärte ein FEP-Sprecher.

Über Trüpels Bericht soll im April im Plenum abgestimmt werden.

Stellungnahmen: 

Man müsse Wege finden, um die Mitgliedstaaten davon zu überzeugen, mehr Finanzmittel für die Digitalisierung zur Verfügung zu stellen, sagte die Berichterstatterin, die deutsche Europaabgeordnete Helga Trüpel (Grüne/Freie Europäische Allianz). Sie betonte die große Rolle von Europeana für die Umsetzung der Ziele der Lissabon- Strategie für Wachstum und Beschäftigung.

Ziel der EU müsse es laut Trüpel sein, einen Ausgleich zu finden zwischen der Vergütung der Autoren und dem Interesse an der Verfügbarkeit ihrer Werke. "Google hat viele Bücher gescannt, die dem Urheberrecht unterliegen, und dann haben sich die Autoren beschwert und sind vor Gericht gezogen", sagte sie.

Politik und Wirtschaft müssten neue Kooperationsmodelle schaffen,um die Balance zwischen einer fairen Entlohnung von kreativen Inhalten und der Sicherstellung von einfachem Zugang für die Nutzer zu gewährleisten.

Als Reaktion auf die Verhandlung zu Google Books letzte Woche in New York erklärte die Europäische Kommission, die Debatte über Google Books zeige erneut, wie dringlich es sei, dass die EU rasch zu einer eigenen Lösung darüber gelange, wie digitalisierte urheberrechtliche geschützte Werke – in welcher Sprache auch immer – den europäischen Bürgern unter voller Berücksichtigung europäischer Gesetzgebung und Prinzipien, insbesondere urheberrechtlicher und wettbewerbsrechtlicher Natur, zugänglich gemacht werden könnten.

Der Europäische Verlegerverband FEP, der 26 nationale Verlage vertritt, betont, dass die Vergleiche zwischen Google und US-Autoren nicht als Modell für Europa dienen sollten. Er spricht sich stattdessen für "verbraucherfreundliche Modelle auf der Grundlage von kultureller Vielfalt, Wettbewerb und bestehender urheberrechtlicher Bestimmungen in Europa" aus.

FEP unterstützt Europeana als zentrale Anlaufstelle für europäische Kulturinhalte neben Initiativen wie Libreka! in Deutschland und Gallica2 in Frankreich aus.

Nächste Schritte: 
  • April: Abstimmung im Plenum über Trüpels Bericht.
  • Bis Juni: Kommission will 10 Millionen digitalisierter Werke auf Europeana verfügbar machen.
  • Herbst: Geplante Kommissionsvorschläge für eine europäische Rechteverwertung.
  • Bis 2015: Europeana soll die 15-Millionen-Marke erreichen. 
Hintergrund : 

Im November 2008 startete die EU mit "Europeana" ihre eigene Internet-Bibliothek, mit der Bürger Zugang zu hunderttausenden Büchern und Dokumenten aus Jahrhunderten europäischer Kultur und Geschichte erhalten sollen.

Derzeit umfasst Europeana bereits mehr als 4,6 Millionen digitalisierter Werke, darunter Bücher, Karten, Filmausschnitte und Photos. Brüssel hofft, dass die Zahl bis Juni dieses Jahres auf 10 Millionen ansteigen und bis 2015 15 Millionen erreicht haben wird.

Die europäischen Bemühungen werden jedoch von Googles kommerziellem Bestreben zur Digitalisierung des europäischen Bucherbes überschattet (siehe EurActiv LinksDossierüber die "Digitalisierung veröffentlichter Werke").

Viele europäische Länder haben die Befürchtung geäußert, dass Google Books der europäischen Verlagsindustrie schaden wird (EurActiv vom 27. Mai 2009). Besonders Frankreich und Deutschland befürchten, dass das Projekt die europäische Gesetzgebung zum Schutz von Autorenrechten nicht ausreichend achtet.

Letztes Jahr hatten sich Google und Vertreter der Verlagsbranche darauf geeinigt, dass das Google-Register nur in den USA, Kanada, Großbritannien oder Australien veröffentlichte Werke beinhalten werde (EurActiv vom 16. November 2009).

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