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Parlament unterstützt Gedenktag für Diktaturopfer [DE]

Veröffentlicht 03. April 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Das Europäische Parlament forderte gestern offiziell, dass der 23. August zum Europaweiten Tag des Gedenkens an die Opfer der Verbrechen der Nationalsozialisten und der Kommunisten erklärt wird. 

Das Parlament rief dazu auf, den 23. August als einen europaweiten Gedenktag für die Opfer von totalitären und autoritären Regimes auszurufen und sie mit Würde und Unbefangenheit zu würdigen.

Europaabgeordnete stimmten einem Entwurf zu, der letzten Monat von den mitte-rechts gerichteten Abgeordneten der EVP-Gruppe Tunne Kelam (Estland), Jana Hybáškova (Tschechien) and József Szájer (Ungarn) vorgelegt wurde (EurActiv 31. März 2009). 

Der Beschluss unterstreiche die Wichtigkeit das Gedächtnis der Vergangenheit am Leben zu erhalten, während die EU-Versammlung ihren gemeinsamen Standpunkt gegen Totalitarismus, in welcher Form auch immer, untermauere.

Aufruf zum leichteren Archivzugang

Das Parlament bedauere, dass zwanzig Jahre nach dem Ende der kommunistischen Regime in Zentral- und Osteuropa der Zugang zu Dokumenten, die von persönlicher Relevanz seien oder zur wissenschaftlichen Forschung benötigt werden, in einigen Mitgliedsstaaten noch immer gesperrt seien, so die Europaabgeordneten.  In der Tat sind vergangene Versuche die gemeinsame Identität und Geschichte der Europäer zu beleuchten oft, aufgrund von politischen oder religiösen Problemen gescheitert (Siehe EurActivLinksDossier  über europäische Werte und Identitäten). Dies sei insbesondere ein Problem in den neuen Mitgliedsstaaten mit kommunistischer Vergangenheit.

Die Resolution ruft die Mitgliedsstaaten dazu auf, aufrichtige Anstrengungen zu unternehmen, die Archive zu öffnen. Dazu zählten auch die der ehemaligen internen Sicherheitsdienste, Geheimpolizeien und Nachrichtendienste. Trotzdem, so warten die Europaabgeordneten, soll das Ergebnis nicht für politische Gründe missbraucht werden. 

Holocaust bleibt einzigartig

Trotz der Millionen von Opfern, die durch totalitäre und autoritäre Regime im 20. Jahrhundert deportiert, eingesperrt, gefoltert und ermordet wurden, müsse die Einzigartigkeit des Holocaust anerkannt werden, so das Parlament

Es gibt bereits einen internationalen Tag des Gedenkens für die Opfer des Nazi Holocaust am 27.Januar, aber die Europaabgeordneten wollen noch einen Schritt weiter gehen, indem sie eine „Plattform des Europäischen Gedächtnis und Gewissens“ unterstützen, die Netzwerke und Kooperation zwischen den nationalen Forschungsinstituten ermöglicht die sich auf die Geschichte des Holocaust spezialisiert haben. 

Das Parlament schlägt vor, existierende finanzielle Instrumente zum Gedenken der Opfer das Nationalsozialismus und Stalinismus zu stärken  Tschechien wird eine bedeutende internationale Konferenz zum Thema Holocaust im Juni 2009 abhalten 

Stellungnahmen: 

Die Resolution des Europäischen Parlamentes verurteilt „entschieden und unzweideutig alle Verbrechen gegen die Menschheit und die massiven Menschenrechtsverletzungen, die von sämtlichen totalitären und autoritären Regimes begangen worden sind“, und spricht die Sympathie, Verständnis und Anerkennung ihrer Trauer für alle Opfer und deren Familien aus.  ´

Der französische Europaabgeordnete Joseph Daul, der der mitte-rechts Fraktion im EU-Parlament vorsitzt, sagte 2009 sei ein symbolisches Jahr, da man sowohl das 60. Jubiläum der NATO am Anfang des kalten Krieges feiere, als auch das 20. Jubiläum seit dem Fall der Berliner Mauer, die den kalten Krieg beendete. Deshalb habe man vorgeschlagen einen europaweiten Gedenktag einzuführen, der Europa dabei helfen werde sich mit seiner totalitären Vergangenheit, sowohl von den Nazis als auch von den Kommunisten, auseinanderzusetzen.´

Daul drückte auch sein Bedauern aus, dass die Resolution es nicht schaffte, die Unterstützung der sozialdemokratischen Fraktion im Parlament zu erhalten. Er sei jedoch enttäuscht, dass die Sozialdemokraten, aufgrund der nicht-wiederaufgebauten Linken, gegen eine solche Erklärung sei. Wenn man seine Vergangenheit nicht verstehe, habe man ein hohes Risiko so etwas in der Zukunft zu wiederholen, warnte er.

Europa werde nicht vereint sein wenn es nichts über und aus den Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Schrecken der Vergangenheit lerne und wenn es die gemeinsame Vergangenheit nicht anerkenne. Diese Gräueltaten müssten erforscht und anerkannt werden, erklärte die mitte-rechts Abgeordnete Jana Hybášková (EVP-ED), eine der Initiatoren der Prager Erklärung zum Europäischen Bewusstsein und Kommunismus. 

Man verlange vom Europarat und der Kommission, den 23. August, dem Jubiläum des Ribbentrop-Molotow Paktes, als Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und Kommunismus festzusetzen und finanziell und politisch zur Schaffung einer Plattform der Europäischen Erinnerung und Gedenkens beizutragen, so Hybášková weiter. 

Der estnische mitte-rechts Europaabgeornete Tunne Kelam (EPP-ED), ein weiterer Initiator der Resolution, drückte seine Zufriedenheit aus, dass die EVP-ED Fraktion echte europäische Solidarität gezeigt habe. Es sei entscheidend und symbolisch, dass es unter den Ko-Initiatoren dieser Resolution nicht nur Abgeordnete aus Osteuropa gebe, sondern auch deutsche, britische und schwedische Mitglieder des EVP-ED Vorstandes, zwei Abgeordnete aus Spanien und Italien und sogar welche aus Deutschland und Frankreich, so Kellam. 

Die meisten Europäer seien noch sich nicht  darüber bewusst, welche Verbrechen durch den sowjetischen Totalitarismus in Europa verursacht wurden, sagte der lettische Europaabgeordnete Roberts Zīle (UEN) dem Magazins „Baltic Course“ zufolge und rief zur Errichtung eines Museums in Brüssel auf, das den Verbrechen totalitärer Regierungen gewidmet sei.

Pavel Zacek, der das tschechische Institut für die Erforschung totalitärer Regime (USTR) leitet sagte, dass die Einrichtung eines kleinen Informationsbüros in Brüssel ein erster Schritt sein könnte, um eine zukünftige europäische Plattform zu schaffen, so der Prager „Daily Monitor“.

Nächste Schritte: 
  • 26. bis 30. Juni: Tschechien wird Gastgeber der Konferenz zum Vermögen der Holokaust-Ära in Prag und Terezín sein.
Hintergrund : 

Die gestrige Annahme der Resolution stellt den Gipfel eines Prozesses dar, der letzten Juni bei der internationalen Konferenz über „Europäisches Bewusstsein und Kommunismus“ in Prag stattfand. Ergebnis der Konferenz war eine Erklärung, die seitdem von nur knapp 50 Europaabgeordneten unterzeichnet wurde.

Letzten November nahmen 18 Mitgliedstaaten an einer Arbeitstagung teil, bei der ein Rahmen für die internationale Kooperation über die Aufklärung der Verbrechen der totalitären Regime die in Europa regierten ausgearbeitet wurde.

Letzten Monat (18. März 2009) besuchten der tschechische Vizepremierminister Alexandr Vondra, der für EU-Angelegenheiten verantwortlich ist, der EU-Kommissar für Kultur und Bildung, Jan Figel’, EU-Abgeordnete und NGO-Vertreter eine öffentlichen Anhörung, die Europa mit seiner totalitären Geschichte konfrontieren soll.

Die Anhörung wurde vom tschechischen Ratsvorsitz, in Zusammenarbeit mit dem Institut für die Studien totalitärer Regime und einer Gruppe von zwölf Europaabgeordneten organisiert. 

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