EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Prager Forum hebt wirtschaftliches Potential der Kulturindustrie hervor [DE]

Veröffentlicht 03. April 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Politiker, EU-Beamte und Kunstexperten beim Prager Forum für ein kreatives Europa (Prague Forum for Creative Europe), einem der Hauptveranstaltungen des Europäischen Jahrs der Innovation und Kreativität, sind sich einig, Kunst und Kultur können entscheidende Rollen in Europas wirtschaftlicher Erholung spielen.

Politiker und Experten aus dem Bereich Kultur und Kreativität stimmten darin überein, dass Kultur nicht im engen Sinne verstanden werden sollte.

Der tschechische Kulturminister Václav Jehlička, dessen Land zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, beschrieb Kultur als etwas, das mit Kunst und Wissenschaft, aber auch mit Wirtschaft, Industrie und Bildung verbunden sei. 

Wirtschaftliche Vorteile von Kultur und Kunst

Jehlička erwähnte das große wirtschaftliche Potential von Kunst und Kultur und sagte, dass dies in Krisenzeiten wie der jetzigen, besser ausgenutzt werden sollte, da alte Mechanismen versagen würden. Die Kulturindustrie stimuliere Marketing, Kommunikation, Humanressourcen und Produktentwicklung, so der Minister weiter.

Die Wichtigkeit von Kreativität und Innovation betonend, sagte die Generaldirektorin der Europäischen Kommission Odile Quintin, dass diese ein neues Wachstumsmodell in einer globalisierten Welt darstellten. Sie wies darauf hin, dass Güter ohne Sachwert einen multiplizierenden Effekt hätten.

Im Anbetracht des Einflusses von Kultur auf die Wirtschaft, stimmten Wirtschaftswissenschaftler überein, dass Kreativität die Basis für künstlerische Felder so unterschiedlich wie Malerei, Musik und Literatur darstelle. Kreative Branchen, wie Film, Design, Fernsehen und Radio stammten von grundlegenden Typen der Kunst ab und auf diese Weise könnten Kunst und Kreativität die gesamte Wirtschaft beeinflussen, so die Experten.

David Thorsby, Proffessor für Wirtschaftswissenschaften an der Macquarie Universtität in Sydney sagte, dass es notwendig sei die wichtigsten Typen von Kultur zu fördern und eine Umgebung zu schaffen, in denen sie wachsen könnten. 

Wirtschaft hängt von Kreativität und Innovation ab

Der kanadische Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida ging soweit zu sagen, dass Kreativität das Basiskriterium für die zukünftige wirtschaftliche und soziale Ordnung sei, indem er argumentierte, dass vergangene Krisen die Grundsätze auf denen Wirtschaft und Gesellschaft beruhen reformiert hätten.

Während vergangene Krisen einen stärkeren Schwerpunkt auf industrielle Produktion legten, die im Gegenzug Wohlstand gebracht hätten, der durch hohen Konsum charakterisiert war, werde nach der aktuellen Krise die Wirtschaft vor allem von kreativem Denken und Innovation abhängen, glaubt der kanadische Wirtschaftswissenschaftler.

Kreativität wird nicht alleine die Basis des wirtschaftlichen Wohlstandes sein, aber sie wird dazu beitragen, umweltpolitische Probleme, so wie den Klimawandel und die Luftverschmutzung zu meistern, so Florida weiter. 

Außerdem würden Unternehmen in der „neuen” Wirtschaft lernen müssen, aus allen Fähigkeiten ihrer Angestellten Kapital zu schlagen, dies beziehe ihr kreatives Potential mit ein, so der Wissenschaftler weiter. Firmen werden zu „lebenden Laboratorien“ die weiterhin Nutzen aus dem kreativen Potential ihrer Angestellten ziehen würden. 

In der Tat ist die Herangehensweise Finnlands ein Beweis dafür, dass Floridas Worte mehr als nur Fiktion bleiben. Finnland hat die Mittel für Forschung, Entwicklung und Innovation in den Neunzigern deutlich erhöht und ist heute eines der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. 

Mikko Kosonen, Präsident von Sitra, einem finnischen Innovationsfonds, gab eine Übersicht über Finnlands Absichten seine Innovationsstrategien zu verändern und sich mehr auf das Individuum zu konzentrieren. Der Anreiz für Innovation sollte nicht nur von der Entwicklung neuer Technologien kommen, sondern auch von der Kooperation mit Konsumenten. In den erfolgreichsten Gesellschaften entsteht Innovation außerhalb des Labors, so Kosonen weiter.

Kreativität in Schulen unterstützen Die Teilnehmer der Konferenz waren sich einig, dass Kreativität nicht allein für „talentierte” Menschen wichtig sei, sondern etwas für die gesamte Gemeinschaft darstelle. Experten sagten, dass Kreativität in Kindern am einfachsten geweckt werden könne. Er beklagte sich ebenfalls darüber, dass die Bildungssysteme und die Gesellschaft normalerweise Menschen so veränderten, dass sie ihre Kreativität unterdrückten. Politiker sollten daher Wege finden, wie man Kreativität bei Kindern fördert und entwickelt. 

Die Politikansätze in Staaten wie Großbritannien, den Niederlanden, Estland und Schweden beweisen, dass dieser Prozess in der EU immer mehr Rückhalt findet. Währenddessen hat die schwedische EU-Ratspräsidentschaft, die Tschechien an der Spitze der EU im Juli ersetzen wird, das Motto „Unterstützung für eine kreative Generation“ (Support for a creative generation) gewählt, das einen verstärkten Schwerpunkt auf die Kreativität von Kindern zu setzen scheint. 

Unabhängig davon, dass Kultur und Kunst ihre wirtschaftlichen Vorteile haben, weigerte sich eine überragende Zahl von Sprechern, dies als den einzigen Gesichtspunkt anzusehen. Kultur habe auch eine starke soziale und spirituelle Dimension. Unter anderem helfen Künstler anderen Menschen ihre Identität zu finden. Sie spielen die Rolle des Vermittlers und helfen so, sozialen Wandel herbeizuführen. Dies hat in der Tatsächlich hat dies in ehemaligen Kommunistischen Staaten stattgefunden.

Havel: Kultur nicht vernachlässigen

Der ehemalige tschechische Präsident Václav Havel kritisierte die europäischen und nationalen Politiker dafür, dass sie Kultur in ihren Dokumenten und Parteiprogrammen unter einem „lustigen und humorvollen“ Anhang subsumierten und hinter Fragen über Energie und Wirtschaft steht. Kultur sei doch letztendlich das was „Menschen zu Menschen“ mache und sei eine Form der „Selbstdefinition“ der Menschheit, sagte Havel.

Der ehemalige Präsident forderte die EU- Institutionen dazu auf, zu überlegen und die Struktur der Dokumente möglicherweise zu verändern und Menschenrechte und Rechtsherrschaft mehr Priorität einzuräumen als der Wirtschaft. Die EU solle bemerken, dass die spirituellen Werte die vorrangige Sache seien, die alle Europäer verbinden würden. 

Nächste Schritte: 

• Ab Herbst 2009: Kommission wird Politikentwürfe auf der Basis ihrer andauernden Untersuchung des Potentials der Kulturwirtschaft veröffentlichen.

Hintergrund : 

Kunst und Kultur und ihre Rolle in der Gesellschaft und der Wirtschaft waren unter den Hauptthemen, die beim Prager Forum für ein kreatives Europa, am 26. und 27 März diskutiert wurden.

Die Konferenz war eine der Hauptveranstaltungen des Europäischen Jahres der Innovation und Kreativität (EYCI), das von der Europäischen Kommission Anfang Januar gestartet wurde, um kreatives Denken in Europa zu fördern und der EU zu helfen, mit den USA gleichzuziehen, die allgemein als innovativer angesehen werden (siehe EurActiv LinksDossier).

Im Jahr 2006 gab die Kommission eine Studie über das wirtschaftliche Potential von Kultur heraus, die das Erreichen der Ziele der Lissabonstrategie für Wachstum und Beschäftigung untersuchte. Die Studie belegte, dass die Kulturwirtschaft nicht nur eine wichtige Triebkraft der europäischen Wirtschaft ist, die 2,5 Prozent der Arbeitsplatzschaffung ausmacht, sondern auch, dass sie schneller wächst als traditionelle Branchen.

Die Schlussfolgerungen der Studie von 2006 wurden in die Europäische Agenda für Kultur in einer globalisierten Welt einbezogen, die die Bedeutung der Kreativität für soziale und technische Innovationen, Wachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen unterstreicht. Der Agenda wurde Ende 2007 von den Mitgliedstaaten zugestimmt.

Unter den führenden Nationen in der Kapitalisierung des ökonomischen und sozialen Potentials von Kultur in Europa, sind Großbritannien und die Niederlande, während Zentral- und Osteuropa immer noch etwas hinterherhinken, da Kultur in ihrem politischen Entscheidungsprozess nur einen geringen Stellenwert einnimmt.

More in this section

Advertising

Advertising

Advertising