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Schulen müssen Behandlung des Holocaust relevanter gestalten, empfiehlt Studie [DE]

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Veröffentlicht 27. Januar 2010, aktualisiert 29. Januar 2010

Europäische Schulen und Museen müssen bei der Behandlung der Nazi-Verbrechen eine klarere Verbindung zwischen dem Holocaust und der heutigen Menschenrechtslage herstellen. Zu diesem Schluss kommt eine gestern (26. Januar), vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlichte Studie.

Die europäischen Bildungsminister werden heute Gedenkfeiern zum 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz beiwohnen, nachdem sie gestern über die Ergebnisse einer Studie der EU-Agentur für Grundrechte diskutiert hatten.

Jüdische Gruppen haben ihre Besorgnis über den ihrer Meinung nach zunehmenden Antisemitismus in einigen europäischen Ländern ausgedrückt und verstärkte Aufklärung über den Holocaust gefordert, bei dem etwa sechs Millionen Juden ermordet wurden.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Verbindung zwischen einer Aufklärung über den Holocaust und Aufklärung über Menschenrechte nicht nur für die Angestellten der Gedenkstätten, sondern auch für Lehrer eine große Herausforderung bleibt“, teilte die EU-Agentur in einer Pressemitteilung mit.

„Eine Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen zu schaffen ist unabdingbar, da Kenntnisse und Reflexionen über die Vergangenheit Diskussionen über die Herausforderungen der gegenwärtigen Gesellschaft befruchten können.“

Zu viele Erinnerungsstätten sähen ihre Rolle lediglich als auf die Vermittlung historischer Kenntnisse beschränkt.

„Insgesamt scheint die Behandlung von Menschenrechten weder in den Gedenkstätten noch in den Schulen ein gut etabliertes Konzept zu sein“, sagte die in Wien ansässige EU-Agentur für Grundrechte.

Der Bericht kritisierte ebenfalls die ungenügende Ausbildung von Personal und Lehrer zum Holocaust wie auch zu Menschenrechten, die mangelnden Finanzmittel für Gedenkstätten und Schulausflüge sowie unangemessene Unterrichtsmaterialien.

Die Studie umfasste 22 Gedenkstätten und historische Museen, die mit dem Holocaust zu tun haben, und fragte Lehrer und Schüler aus neun EU-Staaten sowie Kuratoren zu ihren Ansichten. 

Gestern drückten jüdische Gruppen ihre Empörung über die Äußerungen eines polnischen Bischofs aus, der gesagt hatte, Juden würden den Holocaust als Propagandawaffen ausnutzen. Roma, Homosexuelle und andere Gruppen sind ebenfalls systematisch von den Nazis ermordet worden.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der polnische Präsident Lech Kaczyński werden heute den Gedenkfeiern in Auschwitz-Birkenau beiwohnen, dem größten Konzentrationslagerkomplex der Nazis, in dem mehr als 1,5 Millionen Menschen – die meisten davon Juden – starben.

Das Museum, das die Gedenkstätte in Auschwitz betreibt, wird eine Ausstellung zur Chronik der Befreiung des Lagers 1945 durch Truppen der Roten Armee ausrichten.

(EurActiv mit Reuters.) 

Nächste Schritte: 
  • 27. Jan.: Internationaler Holocaust-Gedenktag. 
Hintergrund : 

Im November 2005 bestimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Holocaust-Gedenktag, einem jährlichen Gedenktag zur Würdigung der Opfer des Nationalsozialismus.

Das Europäische Parlament forderte im April 2009 offiziell den 23. August als europaweiten Gedenktag an die Opfer der nationalsozialistischen und kommunistischen Verbrechen des 20. Jahrhunderts (EurActiv vom 3. April 2009).

Das Parlament forderte die „Ausrufung des 23. August als europaweiten Gedenktag zum würdevollen und unparteiischen Gedenken an die Opfer aller totalitären und autoritären Systeme.“

Als über die Resolution im Europäischen Parlament abgestimmt wurde, stimmten die meisten sozialdemokratischen Abgeordneten gegen den Text. Als Grund erklärte der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Glyn Ford (Großbritannien): „Ich bin nicht bereit, die Naziverbrechen, den Holocaust, den Völkermord an sechs Millionen Juden, an Kommunisten, Gewerkschaftlern und Behinderten mit den Verbrechen des stalinistischen Russlands gleichzusetzen.“

Ford sagte, er befürchte, dass die Resolution Elemente von historischem Revisionismus beinhalte, was einer objektiven Analyse einen Schlag ins Gesicht versetze.

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