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Slowakei und Ungarn verstärken Anstrengungen um Beziehungen zu verbessern [DE]

Veröffentlicht 01. September 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Nach dem umstrittenen Sprachgesetz, das heute in der Slowakei in Kraft tritt, haben sich der slowakische und ungarische Außenminister am Sonntag (30.August) getroffen und versuchen ihren Streit zu zerstreuen, so berichten EurActiv Deutschland und EurActiv Ungarn.

Das überfällige Treffen zwischen dem slowakischen Außenminister u Miroslav Lajcak und seinem ungarischen Amtskollegen Peter Balazs in der slowenischen Stadt Bled wurde angesetzt, um den Weg für ein mögliches Treffen zwischen dem slowakischen und ungarischen Premierminister Robert Fico und entsprechend Gordon Bajnai zu ebnen, und Lösungen für die sich verschlechternden bilateralen Beziehungen zu diskutieren.

“Es war keine einfache Unterhaltung” gab Lajcak nach dem Treffen zu, dessen Ausgang unbekannt bleibt. Das Treffen würde laut Lajcak die Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf reguläre und normalisierte Basis zurück bringen. Lajcak hat ebenfalls wiederholt betont, dass die Absicht des Gesetzes nicht war, gegen ungarische Minderheiten diskriminierend zu wirken und dass die Slowakei nichts bezüglich seiner Implementation zu verbergen habe, sagte der slowakische Regierungssprecher Peter Stano dem Netzdienst MIT.

Die beiden Minister haben auch wiederholt eine Stärkung der gegenwärtigen bilateralen Foren, wie gemischte Kommissionen und Kooperation zwischen parlamentarischen Ausschüssen diskutiert, fügte Stano hinzu.

Das Treffen am Samstag ist bereits seit langem überfällig, da frühere Treffen wegen sich verschlechternder Beziehungen abgesagt wurden. Eine Erneuerung des Dialogs zwischen Fico und Bajnai war für Juli angesetzt, aber ein neuer Streit brach aus, welcher eine noch größere Distanz zwischen die beiden Nachbarländern brachte.

Der Streit griff weltweit auf gebildete Kreise über als eine gemeinsame Erklärung von Geistlichen, Intellektuellen und Akademikern die europäische öffentliche Meinung vorführte und die Entscheidungsträger Europas und des Nordatlantiks sich in einer Ankündigung dem Gesetz entgegenstellten, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern davor zu bewahren, außer Kontrolle zu geraten.

Die Erklärung kritisierte das Gesetz als einen Verstoß gegen die Menschenrechte und drängte „freiheitsliebende Menschen“, ihren Protest gegen die neue Gesetzgebung zu unterstützen.

“Wir glauben an ein Europa dessen Bürger frei und frei von Angst und ohne  Beeinträchtigung ihrer menschlichen Würde leben können“, fügte die Erklärung hinzu.

Unterzeichner der Erklärung sind unter anderen der frühere und derzeitige Präsident der ungarischen Akademie der Wissenschaften, Jozsef Palinkas und E. Szilveszter Vizi, der römisch-katholische Erzbischof Balazs Babel und der kalvinistische Bischof, Istvan Bogardi Szabo, die australische Historikerin Ann Major, der amerikanische Geschichtsprofessor Charles Ingrao der Purdue Universität, der israelische Dichter Yaakov Barzilai und der amerikanische Literaturprofessor Ivan Sanders von der Columbia Universität. 

Der ungarische Minister Péter Balázs sagte EurActiv Deutschland, dass der Sprachenstreit einen ähnlichen Beigeschmack in Deutschlands Verfassungsgericht habe. Frankreich und Kanada hätten auch ähnliche Erfahrungen mit der Bewahrung von Nationalsprachen gemacht. In beiden Ländern habe es gesetzliche Bußgelder gegeben, die den Gebrauch des Französischen erzwangen. Und in beiden Ländern haben die Verfassungsgerichte die Parlamente beauftragt eine Balance zu finden zwischen Bewahrung der Nationalsprache und dem Schutz der Rechte des Individuums zur Meinungs- und Glaubensfreiheit.

Der Verfassungsgerichtshof der französischen Republik, der Conseil Constitutionnel, ist ein typisches Beispiel. Das französische Recht sah eine Reihe von Strafen für den Gebrauch von Fremdsprachen, selbst im privaten Bereich vor. Der Gerichtshof übergab die meisten Sanktionen von jedermann

Stellungnahmen: 

Deutschlands Beauftragter für Einwanderung und Minderheiten, Christoph Bergner, warnt davor die Bedeutung von Minderheiten in mittel- und osteuropäischen Staaten zu untergraben. Bergner sagt das neue Gesetz sowie das Verbot der Einreise Solymons müssen als ernsthafter Katalysator für weitere Konflikte in der EU gesehen werden.

Auf europäischer Ebene wird – laut Bergner – solchen Konflikten weniger Aufmerksamkeit gewidmet als der Integration von Einwanderern aus - sogenannten Drittländern. "Die Existenz nationaler Minderheiten in den östlichen und südlichen Korridoren ist das Ergebnis der Migrationsgeschichte Europas. Europas Identität wird nicht nur durch die Unterschiedlichkeit seiner Staaten definiert, sondern auch durch die Existenz seiner Minderheiten innerhalb nationaler Grenzen", sagte Bergner. 

Obwohl alle Mitgliedsstaaten das Rahmenabkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und die Charta der Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet haben, sind diese Abkommen, laut Bergner, oftmals formale Richtlinien, können aber keine politischen Spannungen verhindern, die durch Minderheitenfragen ausgelöst werden,  sowie Verletzungen gegenüber den Roma. Dies ist ein Entwicklungsproblem in Bezug auf die europäische Integration, fügte er hinzu. 

Hintergrund : 

Eine ungarische Minderheit lebt in der Slowakei, wo der letzte EU-Wahlkampf durch nationalistische Rhetorik geprägt war. Eine ethnisch ungarische Partei in der Slowakei, SMK, wurde von der Partei des Premierministers Robert Fico (SMER, die mit den Sozialisten und Demokraten im Europaparlament verbunden sind) beschuldigt, nicht-slowakische Interessen (EurActiv vom 5. Juni 2009) zu verfolgen. Schließlich gewann die SMK (die der Europäischen Volkspartei nahe steht) zwei Sitze bei den Wahlen.  

Im selben Zusammenhang verschärften ungarische Politiker, darunter der Oppositionsführer Viktor Orbán, welcher der Europäischen Volkspartei zuzurechnen ist, die Spannung mit Äußerungen, die andeuteten, dass Budapest seine künftigen Repräsentanten im Europäischen Parlament über "das Karpathen Becken" zählen werde. 

Ungarn hat beim Europäischen Parlament und den Vereinten Nationen über das neue Sprachgestz der Slowakei Protest eingelegt, von dem es sagt, es diskriminiere die ungarische Minderheit. Laut dem Gesetz können bis zu 5.000 Euro Strafgeld bei Gebrauch von Minderheitensprachen im Parlament und anderen öffentlichen Einrichtungen, auferlegt werden.  

In einem kürzlich mit EurActiv Ungarn geführten Interview sagte der ungarische Aussenminister Péter Balázs, ein ehemaliger EU-Kommissar, dass die jetzige slowakische Regierung, welche eine Koalition zwischen der SMER und den SNS Nationalisten sei, "kein idealer Partner" für sein Land sei (EurActiv vom 24. April 2009) SNS erhielt einen Sitz in den Wahlen zum Europaparlament. 

Die Spannungen verstärkten sich, nachdem dem ungarischen Präsidenten Laszlo Solymon die Einreise für eine Gedenkveranstaltung verwehrt wurde (EurActiv vom 24. August 2009). 

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