Konkret bedeutet dies, dass die Kommission es Unternehmen genehmigen will, vier gegenwärtig verbotene antimikrobielle Chemikalien zur Dekontaminierung von Geflügelschlachtkörpern zu verwenden.
Die EU-Exekutive sagte, die Substanzen seien von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit freigegeben worden und die Schlachtkörper würden nach der Behandlung ohnehin mit Trinkwasser gewaschen werden müssen. Dadurch würden mögliche Rückstände von dem Endprodukt entfernt.
Die Europaabgeordneten des Umweltausschusses des Parlaments waren aufgebracht über die Entscheidung, die ihrer Ansicht nach den Standards zur Lebensmittelproduktion der Gemeinschaft widerspreche. Die Behandlung von Hühnerfleisch mit Chlorwasser, das für den menschlichen Verzehr bestimmt sei, sei in der EU nicht hinnehmbar, so die Pressemitteilung des Europäischen Parlaments. Weiter heißt es, solche Methoden zur Lebensmittelproduktion wichen von den gültigen Standards der Gemeinschaft ab und bedrohten alle Standards und Regelungen der EU zur Lebensmittelproduktion.
Die Europaabgeordneten haben jedoch kein Mitspracherecht in dieser Angelegenheit, da sie von nationalen technischen Experten im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit (SCoFCAH) nach dem so genannten Komitologieverfahren entschieden wird.
Wenn er gebilligt wird, würde der Vorschlag praktisch ein seit elf Jahren bestehendes Importverbot von Hühnchenfleisch aus den USA aufheben, das gewöhnlich auf diese Weise behandelt wird.
Die USA drängen seit Jahren auf die Aufhebung des Importverbotes – ohne Erfolg. Dennoch wurde die Angelegenheit kürzlich als eine der höchsten Prioritäten des neuen Transatlantischen Wirtschaftsrates bestimmt, der die übrigen regulativen Hindernisse abschaffen soll, die Handel und Investitionen zwischen den beiden Wirtschaftriesen behindern.
Während des letzten Ratstreffens am 13. Mai 2008 habe Günter Verheugen, EU-Kommissar für Unternehmen, angeblich dem US-Sonderbeauftragten für EU-Angelegenheiten, Boyden Gray, versichert, dass das Geflügelproblem vor dem EU-USA-Gipfel in Ljubljana im Juni 2008 gelöst sein werde.
Es ist jedoch alles andere als gewiss, ob die Kommission erfolgreich sein wird. Frankreich führt die Opposition des Vorhabens an, da dieser Schritt den Bemühungen schaden würde, die Zahl der bakteriellen Infektionen, wie Salmonellen, in Europa zu senken.
Viele andere europäische Regierungen lehnen jegliche Art eines Kompromisses im Hinblick auf Lebensmittelsicherheitsstandards vehement ab. Die Standards in der EU zählen zu den höchsten weltweit.
Initiativen Frankreichs, internationale Handelsvorschriften anzupassen, um den Ländern mehr Spielraum zu ermöglichen, Lebensmittelimporte zu blockieren, wenn es gesundheitliche Bedenken und Sorge über die Lebensmittelsicherheit gibt, werden von anderen Ländern oft als protektionistische Bemühungen verurteilt. Jedoch beginnen nun auch die stärksten Befürworter des Freihandels, wie Schweden, sich für ein derartiges System auszusprechen.



