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Die derzeitigen Lebensmittel- und Rohstoffpreisanstiege führen zu einer wesentlichen Umverteilung des Wohlstands in der Welt. Daher fordert das International Food Policy Research Institute die wichtigsten Länder, die Öl und Lebensmittel exportieren, sowie Unternehmen auf, Maßnahmen zur Behebung der Krise mitzufinanzieren.
„Wir sollten nicht davor zurückscheuen, die größeren Gewinner des Rohstoffpreisanstiegs aufzufordern, sich an der Finanzierung der Maßnahmen zur Behebung der Lebensmittelkrise zu beteiligen“, sagte Joachim von Braun, Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI
). Er stellte am 16. Mai 2008 einen Vorschlag
des Instituts vor, um die Lebensmittelkrise zu überwinden. Von Braun sagte weiter, dass die betroffenen Länder selbst und die traditionellen Gebergemeinschaften in Anbetracht der Krise ihre finanziellen Mittel erhöhen müssten.
Die großen Gewinner der gegenwärtigen Lebensmittel- und Rohstoffpreiskrise seien „die wichtigen Länder, die Öl und Lebensmitteln exportieren, sowie die entsprechenden Unternehmen“, sagte er. Er erklärte, dass die Lebensmittel- und Rohstoffpreisanstiege zu einer wesentlichen Umverteilung des Wohlstandes in der Welt führten. „Wir können uns nicht nur an die herkömmliche Spenden- und Hilfsgemeinschaften wenden, um diese Änderung in der weltweiten Umverteilung von Gewinnen wieder in Ordnung zu bringen. Wir müssen die neuen Gewinner – insbesondere die des Ölbooms auffordern und politischen Druck auf sie ausüben“, sagte von Braun.
Neben den Finanzierungsproblemen besteht der zweiseitige politische Vorschlag von IFPRI zur Reaktion auf die Krise aus einem Notfall- und einem Stabilitätspaket.
„Wir sind der Ansicht, dass es keinen Sinn ergibt, eine Unterscheidung zwischen lang- und kurzfristigen Maßnahmen zu treffen. Es ist dagegen wichtiger, sofortige Initiativen mit zwei verschiedenen Arten von Maßnahmen durchzuführen: Die Maßnahmen, die umgehend Ergebnisse zeigen und über einen langen Zeitraum durchgeführt werden müssen, und die Maßnahmen, die nur langsam Resultate erzielen, jedoch langfristig gesehen große Wirkung zeigen. Auch letztere müssen heute ergriffen werden“, sagte von Braun.
Die vier Maßnahmen des Notfallpakets enthalten Soforthilfe mit Notfallverpflegung und die Beseitigung politischer Maßnahmen zur Subvention von Biokraftstoffen in Europa und anderswo. IFPRI schlägt ebenfalls vor, derzeitige Exportverbote und -beschränkungen in Ländern wie China, Indien und Vietnam aufzuheben. Laut des Instituts machten derartige politische Maßnahmen den Markt kleiner und unbeständig und verminderten die Anreize für Landwirte, mehr Lebensmittel zu produzieren. Das Institut ist der Meinung, dass der nächste G8-Gipfel das Thema Exportverbote ganz oben auf seine Tagesordnung setzen sollte. Schließlich schlägt IFPRI vor, Projekte zur Lebensmittelproduktion durchzuführen, die umgehend Auswirkungen zeigen und Landwirten verbessertes Saatgut und bessere Düngemittel zur Verfügung stellen sowie Kredite gewähren sollen.
Was das Stabilitätspaket betrifft, sagte von Braun, eine der wichtigsten und notwendigsten Maßnahmen sei, Investitionen für nachhaltiges landwirtschaftliches Wachstum zu erhöhen – wie Investitionen in Forschung, in verbesserte Wassernutzung und in dürreresistente Pflanzen. „Die Überwindung dieser Krise wird viel Wissen und Wissenschaft beanspruchen“, fügte er hinzu.
Weitere Maßnahmen sind beispielsweise intelligente Maßnahmen für Sozialschutz, die Überwindung des Stillstands der Doha-Verhandlungen und eine Neuordnung der Marktinstitutionen, „um die Märkte durch verbesserte marktorientierte Regeln für den Handel mit Rohstoffen zu beruhigen, um so schließlich Spekulation und gemeinsamen Aktienbesitz zu verhindern“.
Die EU-Agrarminister diskutieren heute (19. Mai 2008) die steigenden Preise für Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse auf den Weltmärkten. Die Kommission wird zudem morgen Vorschläge für eine Überarbeitung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) vorlegen.
Um das vollständige Interview mit Joachim von Braun zu lesen, klicken Sie bitte hier.