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Kommission überprüft Strommarkt [DE]

Veröffentlicht 03. Februar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Europäische Kommission erklärte, sie werde in diesem Jahr mit einer Untersuchung der „Störungen“ auf dem EU-Strommarkt beginnen, nachdem sie gestern (2. Februar 2009) die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlichte, die ergeben hatte, dass die Bereiche Energie, Bankwesen und öffentlicher Verkehr aus der Sicht der Verbraucher „verbesserungsfähig“ seien.

„Aufgrund seiner Bedeutung für das Budget der Privathaushalte“ habe sie beschlossen, „den Stromeinzelhandelsmarkt (…)in den Mittelpunkt der Untersuchungen 2009 zu stellen“, erklärte EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva bei der Besprechung der Ergebnisse des Verbraucherbarometers für 2009 der Kommission.

Das Hauptaugenmerk der Überprüfung wird auf  den „unfairen” Bedingungen für Stromverbraucher liegen. Betrachtet werden dabei die Rechnungsstellung, die Vergleichbarkeit von Angeboten und unangemessene Geschäftspraktiken, da die Kommission in ihrem Bericht herausfand, dass „weniger als zwei Drittel der Verbraucher (…) mit ihrem Energieversorger zufrieden [sind]“.

Die Europäer geben laut Zahlen der Kommission durchschnittlich 5,7% ihres Haushaltsbudgets für Energie aus, so Zahlen der Kommission. Strom macht dabei den größten Teil der Ausgaben aus. Die Verbraucher sind insbesondere über die jüngsten Preiserhöhungen bei Gas und Strom verärgert. 60% der Befragten gaben an, es habe Erhöhungen gegeben, während nur 3-4% erklärten, ihre Preise seien gesunken.

Verbraucher zögern vor Anbieterwechsel

Der Bericht zeigt außerdem, dass die Verbraucher in den seltensten Fällen ihren Strom- oder Gasanbieter wechseln. Nur sieben bzw. acht Prozent der Befragten gaben an, zu einem solchen Schritt bereit zu sein.

„Anbieterwechselraten sind von besonderer Aussagekraft, [da] auf Märkten mit höheren Anbieterwechselraten tendenziell weniger Preissteigerungen stattfinden“, zeigte der Bericht. „ Dieser Aspekt sollte daher zu einer politischen Priorität für die größten Einzelhandelssektoren erhoben werden“, schloss der Bericht.

Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC erklärte, die Ergebnisse zeigten, dass die Verbraucher Zugang zu den Daten zu ihrem Energieverbrauch und übersichtliche Rechnungen erhalten müssten, damit der Wechsel zum besten Anbieter mit Blick auf Preis und Leistung erleichtert werde.

Weitere Beispiele für andere Sektoren, bei denen die Verbraucher vor einem Wechsel zögern, sind die Bereiche Autoversicherungen, Internet und Handyanbieter. Die BEUC meinte, die Ergebnisse hätten zweifelsohne gezeigt, dass es eine Regulierung der Kündigungsfristen für Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse geben müsse, damit die Preise gesenkt würden. 

Städtischer Nahverkehr und Banken ebenfalls in Kritik

Weniger als die Hälfte der Europäer sind mit ihrem städtischen Nahverkehrssystem, wie Bussen, Zügen und Straßenbahnen, zufrieden. Ähnlich unzufrieden zeigten sie sich mit ihrem Festnetzanschluss und Postdienstleistungen sowie mit der Energiebranche (weniger als 60%).

Die Kommission fand in ihrem Bericht heraus, dass es bei Bankgebühren und Zinssätzen „große Abweichungen“ zwischen den Mitgliedstaaten gebe, ohne dass es dafür eine einfache Erklärung gebe. Als Beispiel wurden die Zinssätze für Verbraucherkredite genannt. 

Darüberhinaus sei „[d]as Bankwesen (…) ganz besonders problematisch in Bezug auf die Vergleichbarkeit der Angebote, die Wechselmöglichkeiten und das tatsächliche Wechseln“. Nur 11% der Privatkunden in Europa hätten in den letzten beiden Jahren ihren Anbieter gewechselt. Bei den Inhabern von Girokonten betrug dieser Anteil 9%, bei den Inhabern von Hypothekenforderungen 13%.

Grenzüberschreitender Markt stagniert

Nur 25% der Verbraucher erwarben im letzten Jahr Produkte im Ausland. Der grenzüberschreitende Handel hat damit seit 2006 nicht mehr zugenommen. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass sich dies in diesem Jahr ändern könnte, da 33% der Befragten angaben, 2009 entsprechende Ausgaben im Ausland tätigen zu wollen.

In dem Bericht wird schlussendlich betont, dass die Daten für viele Aspekte, die die Kommission untersuchte, noch unzureichend seien. Daher wird empfohlen, dass mehr Preisvergleiche durchgeführt, ein EU-weites, einheitliches Klassifizierungssystem errichtet und die Einhaltung von Gesetzen besser überprüft werden sollten.

Stellungnahmen: 

„Verbesserungen für die europäischen Verbraucher [sind] notwendig“, meinte EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva gestern bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Bei der Umfrage war herausgekommen, dass „der Dienstleistungssektor (…) die Verbraucher generell vor größere Probleme [stellt], als die traditionellen Warenmärkte“.

„Ich bin sehr besorgt, dass drei Dienstleistungsbereiche, die eine so wichtige Rolle im Alltag spielen, bei verschiedenen EU-weiten Verbraucherindikatoren schlecht abgeschnitten haben“, fuhr Kuneva fort.

Mit Blick auf die Umfrage selbst betonte die Kommissarin rasch, dass jene erst zum zweiten Mal durchgeführt worden sei und die Daten daher noch unvollständig seien. In dem Bericht selbst wird gesagt, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis umfassende, vergleichbare Daten aus allen Ländern der EU über eine ganze Reihe von Schlüsselindikatoren zur Verfügung stehen würden.

Als Reaktion auf die Entscheidung der Kommission, ihre Aufmerksamkeit auf den EU-Energiemarkt zu richten, erklärte der britische Europaabgeordnete Malcolm Harbour, Sprecher für Verbraucherfragen der britischen Konservativen im Europäischen Parlament, dass viele Verbraucher immer frustrierter wären, wenn ihre Rechnungen immer höher ausfielen, die Leistungen, die ihnen dafür geboten würden, aber an Qualität nachließen. 

Eine der Hauptaufgaben der Europäischen Kommission sei, sicherzustellen, dass die Marktkräfte nicht zum Nachteil der Verbraucher ausgenutzt würden. Ein gänzlich unverzerrter Wettbewerb führe zu niedrigeren Preisen für alle, fuhr Harbour fort.

Sollte sich herausstellen, dass irgendein Energiekonzern den Wettbewerb behindere, müsse die Kommission entschieden dagegen vorgehen. Nur wenn sich die Verbraucher sicher sein könnten, dass ein Anbieterwechsel problemlos möglich sei, werde man Preissenkungen und eine Verbesserung der Dienstleistungen erkennen können, fügte er hinzu.

Chris Boothby, Leiter der Kommunikationsabteilung bei EURELECTRIC, dem Dachverband der europäischen Elektrizitätswirtschaft, meinte zu EurActiv: „Wir haben einen Leitfaden zu bewährten Vorgehensweisen beim Anbieterwechsel erstellt und arbeiten momentan an einem Leitfaden für bewährte Verfahren zur Rechnungserstellung. Im Laufe dieser Arbeit sind wir weder von Kommissionsbeamten der GD TREN noch der GD SANCO über irgendwelche ernsten Bedenken informiert worden.“

„Wir werden überprüfen, wo die Bedenken, die die Kommissarin für Verbraucherfragen geäußert hat, ihren Ursprung haben und wir werden uns als verantwortungsbewusste Branche damit auseinandersetzen“, fuhr Boothby fort. Er betonte, dass durch die Vielzahl an Angeboten bei der Stromversorgung „kWh nicht gleich kWh ist“. Das gelte insbesondere im internationalen Vergleich, da „die Geräte und Anlagen von Land zu Land unterschiedlich sind und die Faktoren, die den Preis in einem Land beeinflussen können, nicht unbedingt auch in einem anderen Land vorhanden sind“.

Zudem „ist die Zahl der Anbieterwechsel kein optimales Kriterium, um festzustellen, wie sich die Verbraucher verhalten oder wie stark der Wettbewerb ist”, meinte Boothby. 

„Unsere Experten werden sich nun ausgiebig mit den Erklärungen der Kommission beschäftigen und wir werden dann in den kommenden Wochen eine offizielle Antwort dazu geben”, schloss der Vertreter von EURELECTRIC. 

Das Verbraucherbarometer sei dafür aber erst ein erster Schritt. Nun sei es an der Zeit, Schlüsse aus dem Barometer zu ziehen und das Vertrauen der Verbraucher in die Verbrauchermärkte wieder herzustellen, indem man in der Verbraucherpolitik die richtigen Entscheidungen treffe, so Monique Goyens, Generaldirektorin der EU-Verbraucherorganisation BEUC.

Jan Willem Goudriaan, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsverbands für den öffentlichen Dienst (EGÖD), bezeichnete die Entscheidung der Kommission, eine Untersuchung der EU-Energiemärkte einzuleiten, als „unglaubliche Ignoranz“ ihrer eigenen Rolle, die sie bei der Verursachung dieses Chaos gespielt habe. Er sagte, es sei gerade die Liberalisierung des Energiemarktes, die die Kommission beschlossen habe, die zu einer massiven Eigentümerkonzentration und den hohen Preisen für Privat- und Geschäftskunden geführt habe. Er sei fassungslos darüber, wie sich die Kommission erdreisten könne, diese Studie durchzuführen. Wenn sich die Kommission als eine Art „Retter der Verbraucher“ darstelle, widerspreche dies jeglichen Beweisen der letzten zehn Jahre, die darauf hinwiesen, dass die Schuld bei der Kommission selbst zu finden sei.

Goudriaan fuhr fort, dass sich dieselben Fehler immer wieder wiederholen würden, wenn die Kommission nicht einsehe, dass man für eine gerechte EU-Energiepolitik eine faire Regulierung – nicht weniger Regulierung – brauche.

Nächste Schritte: 
  • Februar 2009: Kommission wird Lagebericht über EU-Markt für elektronischen Geschäftsverkehr veröffentlichen. 
  • Sommer 2009: EU-Kommission wird Berichte über die Unterschiede der EU-Märkte für Onlinevertrieb in den einzelnen EU-Ländern und die Lage auf den Märkten für Finanzdienstleistungen für Privatkunden veröffentlichen. 
  • 2009: Kommission wird vorrangig Strommarkt für Privatkunden untersuchen. 
Hintergrund : 

Am 2. Februar 2009 veröffentlichte die Europäische Kommission ihren zweiten Jahresbericht über die Lage auf den Verbrauchermärkten, das ‚Verbraucherbarometer’.

In dem Bericht werden mehr als zwanzig Branchen für Produkte und Dienstleistungen, darunter auch die Bereiche Lebensmittel, Kleidung, Finanzdienstleistungen, Energie und Telekommunikation, untersucht. Dadurch sollte „festgestellt werden, wo am ehesten Marktstörungen auftreten könnten“. Außerdem will man auf diese Weise einen transparenteren Markt schaffen, den die Verbraucher besser einschätzen können.

Berücksichtigt wurden bei der Untersuchung die fünf „verbraucherrelevanten Schlüsselindikatoren“ Preise, Umtauschmöglichkeiten, Verbraucherzufriedenheit, Beschwerden und Sicherheit.

Während sich die Verbraucher besonders unzufrieden über den Dienstleistungsmarkt äußerten, schnitt der Gütermarkt besser ab; „70-80%” der Verbraucher erklärten, sie seien zufrieden mit ihren Produkten und mit den Händlern, bei denen sie diese erworben hätten.

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