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Drei Monate vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Frankreich nutzte Präsident Nicolas Sarkozy seinen Staatsbesuch in Großbritannien dazu, die französisch-britische Allianz aufleben zu lassen. Man strebe eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Klima, Immigration und Verteidigung an.
Sarkozys Staatsbesuch war der erste Besuch eines französischen Präsidenten seit zwölf Jahren. Der letzte Besuch kam vom damaligen Präsidenten Jacques Chirac, dessen Beziehung zum ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair aufgrund unterschiedlicher Ansichten während des Irakkrieges kühl endete.
Im Gegensatz dazu haben es Premierminister Gordon Brown und Präsident Sarkozy verstanden, eine freundliche Beziehung aufzubauen.
Sarkozys Rede vor beiden Häusern des britischen Parlaments am Mittwoch (26. März 2008) wurde als besonderes Privileg betrachtet, da dies bislang nur 31 hochrangigen Gästen gestattet worden war, darunter Nelson Mandela und der Dalai Lama.
Es sei kein „One-Night-Stand“ gewesen, sondern er gehe davon aus, dass die Beziehung auch weiterhin Bestand habe, so Sarkozy während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Brown auf dem bilateralen Gipfel im Emirates Stadium in Nordlondon, dem Heimatstadion des Fußballvereins Arsenal.
In der seit 1904 bestehenden britisch-französischen Tradition der „Entente Cordiale“ hat Brown Frankreich eine "Entente Formidable“ angeboten und reagierte damit auf die Einladung Sarkozys zu einer "Entente Amicable“, die er in seiner Rede vor beiden Häusern des britischen Parlamentes am Mittwoch (26. März 2008) ausgesprochen hatte.
In seiner Rede, die mit stehenden Ovationen begrüßt wurde, ermahnte Sarkozy beide Länder, ihre jahrelangen Rivalitäten zu überwinden und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, die stärker sein werde, da man vereint sei. Er forderte Großbritannien auch auf, eine größere Rolle in der EU zu spielen.
Politische Kommentatoren berichteten von einer neuen Atmosphäre zwischen den beiden Ländern – die sich ausdrücklich von den „eisigen“ Chirac-Blair-Gipfeln unterscheide.
In einer gemeinsamen Erklärung verkündeten beide Staatschefs eine Reihe von Maßnahmen, um das Verhältnis der beiden Länder zu vertiefen:
Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnete Sarkozys zweitägigen Staatsbesuch in Großbritannien als „historisch“. Er und der französische Präsident teilten dieselbe Vorstellung einer globalisierten Welt.
Man sei der Ansicht, dass Frankreich und Großbritannien gemeinsam wieder eine noch wichtigere Kraft bilden könnten, sagte Brown in einem Interview mit Le Monde. Er betonte, dass er und Sarkozy bereits mehrere Jahre als Finanzminister zusammen gearbeitet hätten.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte mit britischer Höflichkeit, dass die beiden Länder einander bräuchten. Er betonte, dass die Länder noch nie so vertraut gewesen wären und dass die Freundschaft zwischen Großbritannien und Frankreich nicht nur eine Sache des Prinzips sein solle, sondern mit greifbaren Projekten konkretisiert werden solle.
Er sei gekommen, um das britische Volk zu einem neuen Anfang der gemeinsamen Geschichte einzuladen – die einer französisch-britischen Brüderschaft für das 21. Jahrhundert. Dies sagte Sarkozy in seiner Rede im Parlament. Brown habe sich für das Globale ausgesprochen, er selbst habe sich für Europa ausgesprochen – jetzt sei man für ein globales Europa, erklärte Sarkozy.
Die Briten müssten Europa bewegen, sagte er Reportern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.
In einem Interview mit BBC im Vorfeld seines Besuchs sagte Sarkozy, er respektiere die traditionelle Beziehung Großbritanniens mit den USA, betonte aber, dies solle nicht die zentrale Position Großbritanniens in Europa beeinträchtigen.
Obwohl er einräumte, dass die französisch-deutsche Lokomotive noch grundlegend für Europa sei, sei dies nicht mehr genug, so Sarkozy. Er fügte hinzu, dass man zunächst diese neue französisch-britische Entente benötige.
Ulrike Guerot vom Europäischen Rat für auswärtige Beziehungen unterstützte Sarkozys Beurteilung und begrüßte die erneuerte französisch-britische Partnerschaft als „nützliche Ergänzung“ zur deutsch-französischen Achse. Sie teile nicht die Ansicht, dass die französisch-britische Annäherung Deutschland an den Rand dränge. Nur Frankreich und Deutschland hätten die Kapazität, um Reformen in der EU einzuleiten und aufrechtzuerhalten. Unter keinen Umständen könne ein französisch-britisches Kräftemessen dies leisten. Europa könne sich glücklich schätzen, Großbritannien an Bord zu haben, da alle drei Schwergewichte nötig seien, um voranzukommen, so Guerot.