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Medienunternehmen oder Parlamentarier sollten einige der Fragen verfassen dürfen, die den EU-Bürgern bei Eurobarometer-Umfragen gestellt würden, schlug Jacques-René Rabier, der Kommissionsbeamte, der vor 30 Jahren die Umfragen ins Leben rief, in einem Interview mit EurActiv vor.
Rabier sprach am Rande des Europa-Kongresses, der am 23. und 24. Mai 2008 in Den Haag stattfand (EurActiv vom 27. Mai 2008).
Bereits in einem Jahr findet die nächste Europawahl statt. Nun sagt der Mann, der in den 1970er Jahren die europaweiten Meinungsumfragen von Eurobarometer einführte, es könne mehr getan werden, um die Fragen interessanter zu machen und sie derart zu formulieren, dass sie die Meinung der Öffentlichkeit besser abbildeten.
„Die Personen, die derzeit für Eurobarometer-Umfragen zuständig sind, mögen diese ‚würzigen’ Fragen nicht, wie beispielsweise die Frage, die seit 1997 nicht mehr gestellt wird – die Frage nach dem Vertrauen der Völker ineinander“, sagte Rabier und fragte sich, ob dies ein Hinweis auf „mangelnden Mut“ sei.
In den 1970er Jahren demonstrierten die Franzosen und die Deutschen in Reaktion auf die Frage, wem sie vertrauten, ausnahmslos gegenseitige Loyalität. Selbiges könne jedoch laut Eurobarometer-Umfragen nicht von den Beziehungen der Franzosen und Briten behauptet werden. Die Frage wurde später entfernt, da sie als zu kontrovers aufgefasst wurde.
Rabier, der Gründer der Generaldirektion Kommunikation der Kommission und ehemaliger Berater von Jean Monnet, empfahl, solch „würzige“ Fragen wiedereinzuführen, indem den Medien oder Europaabgeordneten gestattet würde, einige von ihnen zu entwerfen.
„Ich glaube, die Medien könnten – auf eigene Kosten und unter ihrer redaktionellen Verantwortung – die Europäischen Kommission bitten, europäische Fragen zu stellen, die etwas ‚nachgewürzt’ sind. Ich bin der Ansicht, es wäre eher das Europäische Parlament, das eine solche Initiative starten könnte, vielleicht in Zusammenarbeit mit interessierten Universitätswissenschaftlern.“
Was die Europawahl betrifft, zeigt sich Rabier relativ pessimistisch hinsichtlich des stetigen Rückgangs der Wahlbeteiligung. „Ich glaube, das größte Problem ist die Tatsache, dass wir auf Grundlage von vorrangig – wenn nicht ausschließlich – nationalen Themen zu einer Wahl des Europäischen Parlaments aufrufen.“
Die Debatte sollte offen sein für europäische Lösungen für nationale oder regionale Probleme, sagte Rabier. „Debatten auf einer Internetplattform zwischen Parlamentariern verschiedener Länder und der gleichen politischen Ausrichtung könnten nützlich sein“, sagte er.
Eine weitere Empfehlung sei, so Rabier, den Bürgern zu ermöglichen, für Kandidaten in anderen europäischen Ländern zu stimmen. „In Ländern, in denen die Europawahl auf Grundlage von Listen durchgeführt werden, könnte man den Parteien empfehlen […] eine Reihe von Kandidaten anderer Nationalitäten […] aufzustellen“, sagte Rabier.
Er wies jedoch darauf hin, dass es eine andere Frage sei, ob sie den „Mut“ hätten, dies zu tun.
Rabier: EU public opinion polls 'lack spice'Um das vollständige Interview (in französischer Sprache) zu lesen, klicken Sie bitte hier.