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Das Weißbuch über eine europäische Kommunikationspolitik, das im Februar 2006 vorgelegt wurde, zielt darauf ab, dem zunehmenden Verlust des Vertrauens der europäischen Öffentlichkeit in das "EU-Projekt" entgegenzuwirken. Das Weißbuch ergänzt den "Plan D", der eine Antwort auf die institutionelle Krise der EU darstellt, in welche die EU in Folge der Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich und in den Niederlanden im Sommer 2005 geraten war.
Bereits die Ratifizierung des Maastrichter Vertrages von 1992 war problematisch. In einigen Mitgliedsstaaten, unter anderem Dänemark, wurde der Vertrag erst im zweiten Referendum angenommen, in Frankreich nur mit einer knappen Mehrheit. Aus dieser Situation heraus entstand die Debatte um das demokratische Defizit der EU.
Die EU-Institutionen führten eine Reihe von Maßnahmen durch, um ihre Arbeit transparenter zu machen und um die EU auf diese Weise der Öffentlichkeit näher zu bringen. Bestätigt wurde dieses Vorgehen im Oktober 1993 in einer interinstitutionellen Erklärung über Demokratie, Transparenz und das Subsidiaritätsprinzip
.
Im Juni 2001 nahm die Kommission eine Mitteilung über die neuen Rahmenbedingungen für die Kooperation im Bereich der Informations- und Kommunikationspolitik an. Die anderen Institutionen und Mitgliedsstaaten wurden aufgefordert, die Kommission bei der Überarbeitung der EU-Kommunikationspolitik zu unterstützen. Erstmals wurde die Bedeutung der Mitgliedsstaaten bei der Verbreitung von Information über EU-Themen hervorgehoben.
Im März 2002 nahm das EU-Parlament einen Bericht an, in dem eine Verbesserung der EU-Informationspolitik sowie die Entwicklung einer umfassenden Kommunikationsstrategie gefordert wurde. Im Juli 2002 veröffentlichte die Kommission eine Mitteilung über die Informations- und Kommunikationsstrategie der Europäischen Union
,
wodurch die abnehmende Unterstützung der EU durch die Öffentlichkeit allerdings nicht gestoppt werden konnte. Andere Initiativen für einen besseren Zugang zu Dokumenten, mehr Transparenz und öffentliche Sitzungen des Ministerrates folgten.
Die Wahlen zum Europaparlament im Jahr 2004 spiegelten das sinkende Interesse der Bürger an der EU wider. Die neue Barroso-Kommission reagierte auf diese Entwicklung mit der Einrichtung einer neuen Generaldirektion für Institutionelle Beziehungen und Kommunikationsstrategie und nominierte die frühere Kommissarin für Umwelt, Margot Wallström, für diese Position.
Margot Wallström begann diese Aufgabe mit einer langen Phase interner und externer Konsultationen. Sie nannte es „putting ears on the Commission“. Im Juli 2005 präsentierte sie ihren ersten Aktionsplan
, welcher die Kommunikationsmethoden der Institutionen modernisieren sollte ().
In der Zwischenzeit versetzte die zweifache Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden die Staats- und Regierungschefs der EU in eine Art Schockzustand. Der Ratifizierungsprozess kam zum Erliegen. Im Juni 2005 entschieden die Chefs der EU vorläufig eine „Reflexionsphase“ einzuleiten, bevor entschieden wird in welcher Kurs nach dieser Krise eingeschlagen werden soll.
Im Oktober 2005 hat die Kommissarin Wallström den Plan D für Demokratie, Dialog und Diskussion
vorgelegt, welcher die Mitgliedstaaten auffordert, endlich die Debatte über die Zukunft der EU mit der Öffentlichkeit zu beginnen ().
Die Kommission hat am 1. Februar 2006 den dritten und letzten Teil ihrer neuen Kommunikationsstrategie mit der Annahme des Weißbuchs über eine europäische Kommunikationspolitik
vorgelegt.
Das Dokument enthält fünf Bereiche, die Maßnahmen für Partnerschaften mit anderen Institutionen, Regierungen und der Zivilgesellschaft festlegen:
Die EU-Kommunikationspolitik steht vielen Herausforderungen gegenüber:
Im Anschluss an die irische Ablehnung des Lissabon-Vertrags durch das Referendum im Juni 2008 betonte die Vizepräsidentin der Kommission und Verantwortliche für Kommunikation Margot Wallström erneut, dass die nationalen Regierungen eine Strategie verfolgen sollten, die unter dem Motto „zuhören, erklären und lokalisieren“ steht. Zudem sollen bestimmte Themen für die Kommunikation eine Priorität erhalten. „Ich werde die ein wenig angespannte Atmosphäre vollständig ausnutzen”, sagte sie und behauptete, der Schwung des negativen Wahlausgangs werde „uns […] weiter motivieren“.
Wallström betonte die Rolle der neuen Technologien bei der Kommunikation von EU-Angelegenheiten und bezog sich auf die Situation in Frankreich nach dem erfolglosen Referendum im Jahr 2005, als sich die Menschen plötzlich über die Bedeutung des Internets klar wurden. „Ich werde auch weiterhin für eine verbreitete Nutzung des Internets plädieren; traditionelle Politiker sind dagegen an traditionelle Kanäle gewöhnt.“
Sie sagte jedoch, man könne keine „schnelle Lösung“ finden und betonte, dass langfristige Investitionen nötig seien, die „neue Methoden wie die Befragung von Bürgern und die Schaffung von Medien-Netzwerken in Betracht ziehen“.
Der Vizepräsident des Europäischen Parlamentes Alejo Vidal-Quadras (EVP-ED, Spanien) glaubt, dass die EU-Institutionen an einem „ernsthaften und endlosen Kommunikationsproblem leiden“. „Europa ist, wenn es um Kommunikation geht, nicht sehr spannend. Wie können wir Europa spannender machen? Das ist das Problem.“
„Es gibt eine Art Kommunikationsfluch in Europa“. EU-Kommunikationsprojekte würden „sehr ansprechend wirken“, stünden jedoch hinsichtlich ihrer Umsetzung „praktischen Problemen“ gegenüber, da diese den Einbezug der Mitgliedstaaten, der Zivilgesellschaft und der Medien erfordere, wenn man sie lösen wolle.
Vidal-Quadras betonte die Bedeutung der nationalen Regierungen bei der Kommunikation von EU-Angelegenheiten und sagte, „die europäischen Institutionen verfügen nur über sehr bescheidene Mittel für Personal und haben verglichen mit den Mitgliedstaaten einen geringen Etat für ihre Kommunikationspolitik“. „Bis die nationalen Regierungen einen deutlichen Willen zeigen, sich in die europäischen Kommunikationsbemühungen einzubringen, kann nichts getan werden“, fügte er hinzu.
Im Hinblick auf die Ablehnung des Lissabon-Vertrags durch die irischen Wähler gab Sylvie Goulard, die Präsidentin des französischen Zweigs der föderalistischen Organisation Europäische Bewegung International der irischen Regierung und den Politikern die Schuld, die bei ihrer Mission „den [Vertrag] zu erklären, gescheitert“ sind.
„Wir nehmen eine Situation wahr, in der Kritiker sagen, dass Brüssel die Menschen verunsichere und dass die Menschen Europa nicht wollten, wohingegen diejenigen, die für diesen Fehler verantwortlich sind, eher in den nationalen Hauptstädten zu finden sind“, beobachtete sie.