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27. November 2009
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Petition für einen EP-Sitz könnte an EU-Verträgen scheitern [DE][en][fr

Erschienen: Freitag 22. September 2006   

Die Unterschriftenaktion für die Abschaffung der monatlichen Sitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg hat insgesamt über eine Million Bürger erreicht. Ein prominenter Europaabgeordneter äußerte sich gegenüber EurActiv jedoch skeptisch, was den Erfolg der Aktion anbelangt. Die Mitgliedstaaten hätten derzeit kein Interesse daran, die 'Büchse der Pandora' zu öffnen. 

Hintergrund:

Die Entscheidung, die meisten Plenarsitzungen des Europäischen Parlaments in Straßburg abzuhalten, wurde während eines EU-Gipfels 1992 getroffen und 1997 im Vertrag von Amsterdam bestätigt. Eine Änderung des Beschlusses setzt eine einstimmige Entscheidung der Mitgliedstaaten voraus.

Zwölf mal im Jahr begeben sich die 732 Europaabgeordneten mitsamt ihren Mitarbeitern, Journalisten und Lobbyisten ins 450 Kilometer entfernte Straßburg für eine viertägige Plenarsitzung. Zehn LKW und 30 Helfer werden benötigt, um Dokumente und Ausrüstung jedes Mal hin und zurück zu transportieren. Die Kosten für die Steuerzahler werden auf 200 Mio. Euro jährlich geschätzt.

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Die Petition für ‚einen Sitz’ des Parlaments und ein Ende der monatlichen Plenarsitzungen in Straßburg hat am 20. September 2006 ernsthaft an Bedeutung gewonnen, als die symbolische Anzahl von einer Million Unterschriften erreicht wurde.

Die Kampagne begann im Mai 2006 und am 21. September überreichte eine Gruppe Parlamentarier, angeführt von der Europaabgeordneten Cecilia Malmström, der Kommission die Petition. Die schwedische Abgeordnete sagte, sie hoffe, das Thema würde bald im Rahmen der Verhandlungen über die zukünftigen institutionellen Bestimmungen der EU auf die Tagesordnung gesetzt.

Sie wären sehr froh, der Kommission die erste Bürgerinitiative überhaupt vorlegen zu können, so Malmström im Hinblick auf die Verfassung, in der Bürgerinitiativen vorgesehen sind. 

Die Tatsache, dass die Bürger sich zu dieser Frage geäußert hätten, würde zeigen, wie sie sich die EU vorstellen – effizient und transparent, betonte Malmström. 

Die Initiatoren beschweren sich, dass die Aufteilung der Parlamentstätigkeit zwischen drei Standorten – Brüssel für das tägliche Parlamentsgeschehen, Luxemburg für die Verwaltung und Straßburg für die Plenarsitzungen – negativen Einfluss auf die Zeit- und Kosteneffizienz und das allgemeine Bild der Europäischen Union hätte. 

Diese Verschwendung von Steuergeldern schade dem Ansehen der EU, sagten die Initiatoren im Hinblick auf die gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden. 

Positionen:

Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die Petition derzeit Konsequenzen haben wird. Frankreich hat bereits angekündigt, keine Änderungen der derzeitigen Regelung akzeptieren zu wollen, die aus der Nachkriegszeit und der deutsch-französischen Versöhnung stammt.

Der französische Europaabgeordnete Joseph Daul – der als Favorit für die Übernahme des EVP-ED-Vorsitzes gilt – sagte, die Frage des Parlamentssitzes sei eine „falsche Frage“.

Diese Regelung sei in den Verträgen verankert, so Daul. Diejenigen, die damit nicht übereinstimmten, müssten über eine Änderung der Verträge mit ihren Staats- und Regierungschefs sprechen, sagte Daul in einem Gespräch mit EurActiv. Aber es sei bereits deutlich geworden, dass derzeit keiner bereit sei, über die Verträge zu verhandeln.

Daul sagte, er sei für Diskussionen offen. Sollten jedoch die Verträge neu verhandelt werden, dann werde alles neu verhandelt [bezogen auf die institutionellen Bestimmungen], nicht nur der Sitz des Parlaments.

Daul stellte auch die Auslagerung von EU-Agenturen nach London, Frankfurt und Parma in Frage. Auch sie würden viel Geld kosten und könnten nach Brüssel verlegt werden. Laut Daul seien dies politische Entscheidungen und wie üblich würde bei solchen hart verhandelt werden.

Nächste Schritte:

  • Bei ihrem Gipfel im Juni 2006 haben die Staats- und Regierungschefs der EU sich entschieden, die so genannte „Reflexionsphase“, die nach den gescheiterten Referenden eingeleitet wurde, auf die Zeit nach den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2007 zu verlängern.
  • Januar-Juli 2007: Die deutsche Präsidentschaft möchte Vorschläge bezüglich des weiteren Vorgehens in der Verfassungsfrage machen.
  • Juli-Dezember 2008: Die französische Präsidentschaft könnte zu einer Lösung des Verfassungsstillstands beitragen.

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