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1. Dezember 2009
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Studie stößt Debatte über die Wahrnehmung der EU-Akteure an [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 25. Oktober 2006    | Aktualisiert: Donnerstag 26. Oktober 2006   

Eine kürzlich von EurActiv und der Internationalen Journalisten-Föderation (IJF) vorgestellte Studie hat eine wichtige Debatte über die Beziehungen zwischen den EU-Akteuren und der Presse angestoßen. Die Studie und die folgende Diskussionsrunde haben gezeigt, dass die Beziehungen besser sein könnten. 

Hintergrund:

Am 1. Februar 2006 hat Kommunikationskommissarin Margot Wallström ihr Weißbuch für eine neue Kommunikationsstrategie der EU vorgelegt, das den Aktionsplan für Kommunikation „Plan D“ (Demokratie, Dialog und Debatte) unterstützten soll. Das Weißbuch ist eine Reaktion auf die institutionelle Krise der EU nach den gescheiterten Referenden über den Verfassungsvertrag und zielt darauf ab, die EU näher an den Bürger zu bringen. In diesem Zusammenhang haben EurActiv und IJF eine Befragung durchgeführt, um die Visibilität der EU-Akteure in den Medien zu analysieren und über die Kommunikationsstrategien der Akteure, Journalisten und Vertreter der Institutionen zu diskutieren.

Weitere Nachrichten:

Die Ergebnisse der Studie „Wie werden Interessenverbände von den Medien wahrgenommen?“ wurden bei einer EurActiv-Konferenz am 24. Oktober 2006 vorgestellt. 

Die Haupterkenntnisse der Studie sind: 

  • NGOs werden als bessere Kommunikationsstrategen wahrgenommen als Unternehmensverbände
  • Die meisten Organisationen haben einen zu geringen Wiedererkennungseffekt (Brand Recognition) in den Medien
  • Für Journalisten, die über EU-Entwicklungen berichten, sind Onlineinformationen unerlässlich, um Zeit zu sparen (vor allem Zugang zu Hintergrundinformationen)
  • Ein rascher Zugriff auf Positionspapiere im Vorfeld von relevanten EU-Entscheidungen und bessere Internetseiten gehören ebenfalls zu den Prioritäten der Journalisten und werden den traditionellen Mitteln vorgezogen (Kontakt zu Büroleiter, Pressekonferenzen und Anrufe der Journalisten)
  • Die Journalisten verlangen bessere Bedingungen für tiefgründige Recherchen, investigativen Journalismus und Quellenschutz. Transparenz und ethische Leitlinien werden bei Berichterstattung über Interessenverbände als unerlässlich eingeschätzt.

Die Vortragshalter Jérôme Vignon (Direktor der GD Beschäftigung) und Aidan White (Generalsekretär der IJF) platzierten die Studie in einen breiteren Kontext.

In einem offenherzigen Redebeitrag zeichnete Vignon die unterschiedlichen Phasen der EU-Kommunikationspolitik auf und scheute auch nicht vor Kritik an seiner Institution zurück. Nach der Ära Delors, die von einer positiven Beziehung zwischen der Kommission und den Medien geprägt war, wurde die Beziehung in der Amtszeit der Santer-Kommission zu einem „Alptraum“, so Vignon. Die Prodi-Kommission habe im Anschluss keine richtige Kommunikationsstrategie vorgelegt, da der Kommissionspräsident kein großes Kommunikationstalent war und die Kommission „ethische Integrität“ überbetont habe und Antibetrugsvorschriften eingeführt hätte, die die Effizienz erstickt hätten.

Jérôme Vignon gab auch offen zu, dass die Barroso-Kommission in der Frage der Kommunikationsstrategie von Margot Wallström geteilter Meinung sei. Die Spaltung verläuft seiner Meinung nach zwischen denjenigen, die „eine zynische Haltung einnehmen“ und gute Meldungen mit den Medien verhandeln wollen und denjenigen, die glauben die Bürger seien besser informiert und bräuchten eine Mischung aus täglichem Mehrwert und einer langfristigen Vision für die Kommission.

IJF-Generalsekretär Aidan White sprach sich für einen Verhaltenskodex für Medien und Journalisten in Brüssel aus. Er betonte, dass es sehr wichtig sei, ein auf Respekt und Offenheit basierendes Verhältnis zwischen EU-Akteuren und den Medien aufzubauen. Er wies darauf hin, dass Journalisten keine Transparenz verlangen dürften, wenn sie sich ihrerseits weigerten, transparent zu arbeiten und forderte größere Offenheit über Finanzierungsquellen. White betonte auch, dass eine interessante Nachricht drei Zutaten braucht: Tatsachen (Frage des Timings für die Presseerklärung), Gefühl (sie muss die Leute ansprechen) und Kontroversen (ohne Drama keine Nachricht).

Willy De Backer, Chefredakteur von EurActiv, fügte hinzu, dass von Kontroversen in den im Stil “guter Nachrichten” gehaltenen Mitteilungen der jede Spur fehle. Dies, obwohl Margot Wallström in einem Interview with EurActiv im letzten Jahr die Notwendigkeit betonte, dass sich die Institutionen verstärkt ihre internen Debatten nach außen tragen müssten.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten Tony Long von WWF und Hubert Linssen von der Internationalen Straßenverkehrsunion (IRU) in Fallstudien vor, wie ihre Organisationen Kommunikation nutzt. Bruno Alves und Alfons Westgeest von Kellen Europe zeigten, wie sie ihren Kunden helfen, die Möglichkeiten der Kommunikation besser zu nutzen. Zudem erklärten sie die Unterschiede zwischen amerikanischem und europäischem Lobbyismus.

Positionen:

Der Herausgeber von EurActivChristophe Leclercq, betonte die Notwendigkeit, die Debatten näher an den Bürger zu bringen und neben den NGOs auch weitere Multiplikatoren, wie Wirtschaftsverbände, stärker einzubeziehen. Wie Leclercq ausführte, handele es sich bei der Beziehung zwischen den Interessengruppen und den Medien nicht um ein „Nullsummenspiel“.

Michael StabenowPräsident der Association de la Presse Internationale (API), sagte, dass der Brüsseler Journalismus von Themenvielfalt und Schnelllebigkeit geprägt sei, vor allem durch die verstärkte Nutzung des Internets als Informationsquelle. Wie Stabenow betonte, seien aber dennoch direkte Kontakte und Netzwerkbildung weiterhin sehr wichtig.

David Haworth von der Europäischen Journalisten-Föderation (AEJ) begrüßte die von EurActiv angestoßene Initiative zur Durchführung der Studie und sagte, es handele sich um die erste Studie dieser Art.

Daniel Verbist vom Europäischen Verband der Chemischen Industrie (CEFIC) betonte die entscheidende Rolle der Medien als Informationsquelle. Verbist fügte hinzu, er strebe eine „bessere und klarere Kommunikation“ an ( Presentation .ppt 759kb ). 

Beate Gminder von der Generaldirektion Kommunikation der Kommission sagte, dass die Übermittlung der Standpunkte von Akteuren die Demokratie lebhafter gestalte, was entscheidend sei, wolle man die Bürger erreichen. Martin Westlake, Leiter der Kommunikationsabteilung des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses, unterstrich, wie wichtig es für EU-Akteure sei zu verstehen, wie die Medien arbeiteten und wie die Akteure ihre Sichtbarkeit wahren könnten.

(Einige der während der Konferenz gehaltenen Präsentationen sind weiter unten auf der Seite verfügbar und werden in Kürze durch die kommentierten Ergebnisse der Studie ergänzt werden)

Nächste Schritte:

  • Die Kommission wird ein Stakeholder-Forum zum Thema Medien als ein Follow-up des Weißbuches im November oder Dezember in Helsinki abhalten

  • EurActiv beabsichtigt, im kommenden Jahr eine neue, breiter angelegte, Studie über die Medien außerhalb von Brüssel durchzuführen

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