ThemenRubriken
MiniRubriken
Eine weltweite Umfrage zeigt, dass NGOs ein weitaus höheres Vertrauen genießen als Unternehmen, Regierungen und Medien. Im Hinblick auf Informationen über Unternehmen werden Kollegen, Freunde und Familie zunehmend als zuverlässige Quellen betrachtet. Die Frage ist, welche Lehren Politiker in der EU hieraus ziehen können.
Jedes Jahr veröffentlich die PR-Firma Edelman ein "Vertrauensbarometer" über die Einstellung von Meinungsführern zu Unternehmen, Regierungen, NGOs und Medien.
Unter Meinungsführern versteht Edelman 35- bis 64-Jährige, die über einen Hochschulabschluss und ein Einkommen über 75.000 US-Dollar verfügen und in den Bereichen Medien, Wirtschaft oder Politik aktiv sind. Die sechste Umfrage basiert auf 2.000 25-minütigen Telefoninterviews in den Vereinigten Staaten (400), China (200), Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien (jeweils 150), Kanada, Brasilien, Japan und Südkorea (jeweils 150).
Das Trust Barometer 2005 von Edelman bestätigt, dass NGOs mehr Vertrauen genießen als Unternehmen, Regierungen und Medien. Die Ergebnisse wurden am 26. Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt.
Laut Edelman habe der Vertrauensverlust in Unternehmen, Regierungen und Medien zu einer wachsenden Bedeutung von NGOs geführt. In sämtlichen Ländern und Regionen mit Ausnahme Chinas werden NGOs als die vertrauenswürdigsten Einrichtungen betrachtet.
„Das Vertrauen in etablierte Institutionen und Entscheidungsträger – Geschäftsführer, Regierungschefs etc. – wird ersetzt durch ein persönliches Vertrauensnetz, das Kollegen, Freunde und Familie umfasst“, erläutert Edelman.
Die Umfrageergebnisse lassen darauf schließen, dass das Vertrauen in Familienmitglieder, Freunde und Kollegen zwischen 2003 und 2005 kräftig angestiegen ist. Vertrauen in „eine Person wie du selbst“ ist in den USA von 22 % auf 56 % und in Europa von 33 % und 53 % angestiegen. Unabhängige Fachleute wie Ärzte und Akademiker genießen ebenfalls ein hohes Vertrauen.
Das Internet kommt als Quelle für zuverlässige Informationen mittlerweile auf Platz drei, nach Fernsehen und Zeitungen (19 % in den USA, 13 % in Europa, 21 % in Brasilien, 27 % in China).
Weitere Umfrageergebnisse:
Die Umfrageergebnisse sind am 25. Januar im Europäischen Parlament vor Vertretern aus Wirtschaft, PA, Politik und Medien vorgestellt worden.
Laut Mike Deaver, Vizepräsident von Edelman, bestehe die Hauptbotschaft darin, dass Kommunikation von oben zunehmend von Kommunikation „unter gleichen“ verdrängt wird. Illustriert werde dies durch die wachsende Zahl von Weblogs im Internet zu Unternehmen. Deaver zufolge sollten Unternehmen ihre Angestellten dazu ermutigen, sich in Weblogs über ihr Unternehmen zu äußern. Er empfiehlt: „Geben Sie die Kontrolle auf, hören Sie zu, konsultieren Sie, gehen Sie Dialoge ein“.
„Man kann Vertrauen nicht kaufen, indem man die Zielgruppen in Werbung anspricht. Geschäftsführer müssen Stakeholder auf sehr persönliche Weise involvieren, durch lokale Medien und in einem direkten Internet-Dialog“, erläutert Richard Edelman, Präsident und Geschäftsführer von Edelman.
Laut John Bell, Strategieleiter von GD Gesundheit und Verbraucherschutz (SANCO) der EU-Kommission, lässt dies auf einen „politischen Klimawandel“ schließen. Die Menschen „schaffen ihre eigene Identität“ durch ein Netz aus persönlichen Kontakten und verlässlichen Referenzpersonen.
Nach Ansicht von Erik Jonnaert, Manager für Beziehungen zu Europa bei Procter & Gamble, sind es Wahlen, nicht Umfragen, die für sowohl Regierungen als auch Unternehmen am wichtigsten sind. Für Firmen sei „die Wahl des Verbrauchers der erste Augenblick der Wahrheit“. Der zweite Augenblick sei, wenn Verbraucher ein Produkt benutzt und bewertet, ob es seinen Erwartungen entspricht.
Jacki Davis, frühere Journalistin zu EU-Angelegenheiten in Brüssel, hält die niedrigen Vertrauenswerte für die Medien für „deprimierend“. Der sich abzeichnende Trend, dass Medien immer mehr in die Unterhaltungsbranche einsteigen, habe dazu geführt, dass die überdeutliche Herausstellung möglicher Gefahren noch verstärkt würde. Dies wiederum habe zur Folge, dass weder Unternehmen noch Regierungen Vertrauen in die Medien hegten.
Davis warnte indes davor, dass Bemühungen dieser Entwicklung entgegenzuwirken, nach hinten losgehen könnten. „Unternehmen tendieren dazu zu glauben, dass sie ein Medienproblem, kein Vertrauensproblem, haben“, erläutert Davis. Informationen müssten ‚lokalisiert’ und personalisiert werden. Gleichzeitig jedoch bestünde die Gefahr, dass dies die übergreifende Botschaft verwässere.