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Im Rahmen ihrer Pläne zur besseren Rechtsetzung will die Kommission in den kommenden drei Jahren mehr als 1.400 geltende EU-Vorschriften aufheben, überarbeiten oder vereinfachen. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf sie jedoch der Unterstützung der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments.
Die Strategie der Kommission zur besseren Rechtsetzung zielt auf eine Vereinfachung sämtlicher geltender EU-Rechtsvorschriften, Bürokratieabbau und Verbesserung des Regelungsumfelds für die Wirtschaft ab. Die Strategie ist Teil der Lissabon-Agenda der EU, deren Verwirklichung sie bis zum Jahr 2010 zur dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaft der Welt zu machen soll.
Nach Einführung eines Systems der integrierten Folgenabschätzung für wichtige Gesetzesvorschläge hat die Kommission beschlossen, etwa 70 Vorschläge zurückzuziehen, weil sie überholt oder unnötig geworden sind (siehe EurActiv 28. September 2005). Nun soll in der dritten Phase der „Acquis“, der gesamte Kanon der EU-Vorschriften seit 1957, überarbeitet werden.
Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen hat am 25. Oktober 2005 die neue Initiative vor dem Europäischen Parlament in Straßburg vorgestellt. Nach Konsultationen mit Mitgliedstaaten und anderen Betroffenen schlägt die Kommission nun vor, über 220 Richtlinien und Verordnungen (alles in allem über 1.400 verknüpfte Rechtsakte) aufzuheben oder zu ändern. Der Prozess soll mehr als drei Jahre in Anspruch nehmen (bis 2008).
Die Vorschläge der Kommission:
Einige Bereiche werden für eine solche Überholung der Rechtsetzung als erstes herangezogen: Autoindustrie, Abfallwirtschaft und Baugewerbe. Andere Regelungsfelder wie Lebensmittel, Kosmetika, Arzneimittel oder Dienstleistungen werden in kommenden Jahren folgen.
Die vollständige Liste
der zu überarbeitenden Rechtsakte findet man in dem Anhang zur Mitteilung der Kommission.
Nach Veröffentlichung der Mitteilung muss die Kommission konkrete Vorschläge vorlegen, die eine einstimmige Zustimmung des Rates und Parlaments bekommen müssen.
Die Kommission betonte in der Mitteilung, dass sich ein Großteil der Kommentare und Stellungnahmen von Interessenvertretern während der Konsultation darauf beziehen, dass die Mitgliedstaaten Vorschriften besser umsetzen müssen. Die Kommission hofft, dass ihr Beispiel die Mitgliedstaaten motiviert, ähnliche Kampagnen zur besseren Rechtsetzung zu starten.
In seiner Ansprache vor dem Parlament sagte Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen, bessere Regulierung sei für die Kommission nicht gleichbedeutend mit Deregulierung. „Es geht hier nicht um weniger Europa, sondern um ein besseres Europa. Bessere Regulierung ist nicht gleich Deregulierung. In vielen Fällen ist eine EU-Verordnung weitaus effektiver und billiger als 25 nationale Vorschriften. Und: Unsere politischen Ziele, zum Beispiel Umwelt- oder Verbraucherschutz, bleiben unverändert. Aber durch Vereinfachung erreichen wir die gleichen Ziele mit wirksameren Mitteln!“, so Günter Verheugen.
Die britische Ratspräsidentschaft begrüßte die Initiative der Kommission. Alan Johnson, der britische Minister für Handel und Industrie, sagte: „Die Herausforderung besteht nun darin, auf Worte Taten folgen zu lassen und zu gewährleisten, dass bessere Rechtsetzung ganz oben auf der EU-Agenda bleibt“.
Auch die Europäische Union des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe UEAPME, begrüßte den Vorschlag. Hans-Werner Müller, Generalsekretär von UEAPME konstatierte: „Kritiker neigen dazu, bessere Regulierung mit Untergrabung von sozialen und ökologischen Normen zu verwechseln. Dieser Ansatz hat nichts mit der Realität zu tun. Die Kommission hat wiederholt bestätigt, dass bessere Regulierung nicht gleich Deregulierung ist. Klare und vereinheitlichte Gesetzesvorschriften sind äußerst wichtig für kleinere europäische Unternehmen“.