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Die EU-Chefs haben sich darauf geeinigt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 15 bis 30 % zu reduzieren – allerdings sei dies noch von den Ergebnissen künftiger Kostennutzenanalysen und internationaler Verhandlungen abhängig. Die Ziele haben bei Umweltschützern jedoch Verwirrung ausgelöst.
Am 10. März legten die Umweltminister der EU ehrgeizige Ziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen fest, die sie den EU-Chefs auf der Frühjahrstagung vom 22. bis 23. März unterbreiteten.
Die Minister hatten sich darauf geeinigt, die Emission bis 2020 um 15 bis 30 % und bis 2050 um 60 bis 80 % zu reduzieren (im Vergleich zum Jahr 1990) (siehe EurActiv, 11 März 2005).
In einem Strategiepapier über die EU-Klimapolitik nach 2012, welches im Februar vorgestellt worden war, hatte es die Kommission abgelehnt, präzise Ziele festzulegen. Stattdessen sollte die Strategie vor allem darauf abzielen, die weltweit größten Emissionsverursacher in das globale Emissionsreduzierungssystem einzubeziehen (siehe EurActiv, 10. Februar 2005 (siehe EurActiv, 10 Februar 2005).
Die EU-Staats- und Regierungschefs einigten sich am 23. März, dass „Reduzierungspfade in der Größenordnung von 15 – 30 % bis zum Jahr 2020 […] – im Sinne der Schlussfolgerungen des Rates (Umwelt] - in Aussicht genommen werden sollten“.
Aufgrund des Drucks von Deutschland und Österreich werden in den Schlussfolgerungen jedoch keine genauen Reduzierungsziele für den Zeitraum nach 2020 festgelegt. Damit wurde der Empfehlung der Umweltminister, die Emissionen um 60 bis 80 % zu verringern, nicht Folge geleistet.
Die EU-Chefs bestehen außerdem darauf, dass die angestrebte Verringerung um 15 bis 30 % „vor dem Hintergrund der weiteren Beratungen über die Voraussetzungen für die Verwirklichung des Ziels, einschließlich der Kosten/Nutzen-Frage, überprüft werden“ müsse.
Die Ergebnisse dieser Analysen sind voraussichtlich, zumindest teilweise, vom Ausgang der globalen Klimaverhandlungen in Montreal abhängig, die Ende dieses Jahres stattfinden. In diesem Zusammenhang betonen die EU-Chefs, „dass die EU fest entschlossen ist, den internationalen Verhandlungen neuen Anstoß zu geben“. Die EU wolle auch für eine „möglichst breite Mitwirkung aller Länder“ sorgen, um eine möglichst wirksame internationale Antwort auf die globalen Herausforderungen liefern zu können.
Die EU-Chefs fügen hinzu, dass geprüft werden sollte, „wie die Länder mit einem hohen Energieverbrauch – darunter auch die Schwellen- und Entwicklungsländer – wirksam einbezogen werden können“, vor allem China und Indien.
Greenpeace lobt die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs als einen ‚Meilenstein’ in der Geschichte des Klimaschutzes. Die Umweltschutzorganisation begrüßt vor allem, dass die EU-Chefs zum ersten Mal das Ziel gebilligt haben, „den globalen Temperaturanstieg gegenüber vorindustriellen Niveaus unter 2 Grad Celsius zu halten“.
Der europäische Arbeitgeberverband UNICE äußert sich enttäuscht darüber, dass sich die EU-Chefs auf spezifische Reduktionswerte für Treibhausgasemissionen für den Zeitraum bis 2020 geeinigt haben. UNICE zufolge hätte die EU die Ziele stattdessen „Seite an Seite mit anderen globalen Partnern“ festlegen sollen. Da dies nicht geschehen sei, würden „die Verhandlungen über die globale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Gefahren des Klimawandels wahrscheinlich noch komplizierter“ werden.
Obgleich die Umweltorganisation Freunde der Erde die Entscheidung der EU-Chefs prinzipiell als einen „wichtigen Schritt nach vorn im Kampf gegen den globalen Klimawandel“ begrüßt, steht sie der Einigung kritisch gegenüber. „Wir sind zutiefst enttäuscht darüber, dass das beschlossene Ziel […] sowohl schwach als auch unklar ist. […] Ein unklares Ziel ist auch für die Investitionspläne europäischer Unternehmen nicht gerade hilfreich. Wir hätten es vorgezogen, dass die EU Europa auf einen Reduzierungspfad setzt, der jährliche Reduzierungen vorsieht, die bis zum Jahr 2020 zu einer Verringerung um 30 % führen würden“.
WWF erkennt an, dass die EU-Chefs die „Voraussetzungen für globale Verhandlungen“ geschaffen haben, und dass Europa beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnimmt. Dr. Stephan Singer, Leiter des Klima- und Energieprogramms des WWF in Brüssel, mahnt jedoch auch, dass die „Staatsoberhäupter den Worten in ihren eigenen Ländern nun Taten folgen lassen“ müssten. Singer weist ebenfalls darauf hin, dass in naher Zukunft wichtige Entscheidungen zur Gesetzgebung über die Energieeffizienz, zu den Zielen für erneuerbare Energieträger und zur Stärkung des EU-Emissionshandelssystems zur Reduzierung der CO2-Emissionen anstehen.