Bei einem informellen Treffen zu städtischer Entwicklung und territorialer Kohäsion, das von der deutschen Ratspräsidentschaft organisiert wurde, haben die EU-Minister, die für Stadt- und Raumentwicklung zuständig sind, mit der Unterzeichnung der Leipzig-Charta für zukunftsfähige europäische Städte am 24. Mai 2007 die Basis für eine neue Stadtpolitik in Europa gelegt.
Mit dieser Charta haben die 27 Mitgliedstaaten zum ersten Mal ein Idealbild der „Europäischen Stadt“ des 21. Jahrhunderts entworfen und sich auf gemeinsame Strategien für eine Stadtentwicklungspolitik geeinigt.
- Stärkung der Innenstädte
Laut der Charta solle das Hauptziel sein, Menschen, Aktivitäten und Investitionen zurück in die Innenstädte zu bringen, welche die Motoren für Forschung, Innovation und wirtschaftlichen Entwicklung in Europa seien. Die Zersiedlung solle aufgehalten werden, da sie den Stadtverkehr, den Energieverbrauch und die Flächennutzung erhöhe.
Ein Schwerpunkt solle auf die Wiederherstellung bestehender Wohn- und Geschäftsgebiete in Innenstädten gelegt werden, mit einer stärkeren Mischung zwischen Lebens-, Arbeits- und Freizeiträumen. Dies soll die Städte spannender und dynamischer werden lassen, aber auch zu mehr sozialer und wirtschaftlicher Stabilität führen.
- Hilfe für ‘benachteiligte Wohngebiete’
Die Mitgliedstaaten sind sich einig, dass benachteiligten Wohngebiete besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden solle und sie als „öffentliche Aufgabe“ wahrgenommen werden müssten, da diese Wohngebiete die Attraktivität, Wettbewerbsfähigkeit, den sozialen Zusammenhalt und die Sicherheit in den Städten gefährde. Der Text erklärt, dass es keine ‚Sperrgebiete’ in Europa geben dürfe.
- Bessere Finanzierung
Die Charta fordert auch von der Kommission, dass Städte sich im Mittelpunkt der europäischen Finanzierungspolitik befinden sollten. Bisher sind vom Struktur- und Kohäsionsfonds, der im Haushalt 2007 – 2013 350 Milliarden Euro beträgt, 19,5 Milliarden Euro für die Städte vorgesehen. Die Leipzig-Charta macht jedoch deutlich, dass die Mitgliedstaaten mehr unternehmen müssen, wenn sie den demografischen Wandel, die Erderwärmung und den wirtschaftlichen Strukturwandel, der globalen Zwängen unterliegt, bewältigen wollen.
Es wird empfohlen, dass Regierungen vermehrt auf Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor zurückgreifen sollten, um Investitionen in die städtischen Infrastrukturen zu fördern.



