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Stellenangebot registrierenDie Debatte über Biokraftstoffe spitzt sich weiter zu. Die Kommission und die Grünen warnen vor möglichen negativen Auswirkungen der verstärkten Nutzung von Biokraftstoffen, wie die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes oder dem wachsenden Wettbewerb mit der Holz- und Lebensmittelindustrie.
Die Vorteile von Biokraftstoffen sind bekannt. Die Befürworter sprechen von einer „kohlenstoffneutralen“ Energiequelle, die nicht mehr CO2 ausstößt, als die Energiepflanze während des Wachstums aufnimmt.
Biokraftstoffe könnten den Erderwärmungsprozess stoppen, der unter anderem durch das Verbrennen von Benzin verursacht wird. Derzeit ist nach Aussage der Kommission der Verkehr für ein Drittel des CO2-Ausstoßes verantwortlich, wobei 98% davon auf Öl entfallen.
Zudem können Biokraftstoffe in Europa hergestellt werden, im Unterschied zu Öl und Gas, die importiert werden müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch Biokraftstoffe nach der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik neue Einkommensquellen und Beschäftigungsmöglichkeiten für europäische Landwirte erschlossen werden könnten.
In ihrem am 10. Januar 2007 vorgelegtem Energie- und Klimapaket
hat die Kommission vorgeschlagen, dass bis 2020 10% des für den europäischen Verkehr genutzten Treibstoffes durch Biokraftstoffe abgedeckt werden sollen. In der im Jahr 2003 angenommenen Biokraftstoffrichtlinie hatte die EU das niedrigere Ziel von 5,75% bis 2010 festgelegt.
Biodiesel und Ethanol, die beiden gängigsten derzeit genutzten Biokraftstoffe, werden größtenteils aus landwirtschaftlichen Nutzpflanzen hergestellt: Zuckerrohr, Sojabohnen, Rübsamen und Getreide.
Dennoch sind viele dieser Pflanzen wasserintensiv und rufen im Bezug auf die Landnutzung und die Bodenverschlechterung zahlreiche Umweltprobleme hervor.
Aus diesem Grund bevorzugt die Kommission die so genannten „Biokraftstoffe der zweiten Generation“, die effizienter sind und aus umweltpolitischer Sicht bedenkenloser genutzt werden können. Biokraftstoffe der zweiten Generation werden zumeist aus landwirtschaftlichen Rückständen und aus Holzquellen, wie Stroh, Nutzholz, Hackschnitzel und Dünger gewonnen (siehe die öffentliche Anhörung der Kommission zu Biokraftstoffen
). Sie können durch die Nutzung so genannter „grüner Chemieprozesse“ in hochwertige Produkte wie Bioplastik und andere „grüne“ Materialien umgewandelt werden (siehe EurActiv LiniksDossier zu nachhaltigen Chemikalien).
Diese energieeffizienteren Biokraftstoffe befinden sich jedoch noch im Entwicklungsstadium. Zudem werden Bio-Raffinerien benötigt, um diese neuen Rohmaterialien zu verarbeiten.
Dänemark steht an der Spitze dieser Entwicklung. Der Mitgliedstaat kündigte
im Juni 2006 den Beginn des Baus der europaweit größten Bioraffinerie zur Herstellung von Zelluloseethanol an (die Investitionen belaufen sich auf 13,4 Mio. Euro plus 26, 8 Mio. Euro von der Regierung).
Grüne Europaabgeordnete nehmen eine zunehmend kritische Haltung zu Biokraftstoffen und ihrem Potential, Erdöl in einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Art zu ersetzen, ein.
Am 30. Januar 2007 haben die Grünen eine Kampagne gegen die unbegrenzte Förderung von „Pflanzenkraftstoffen“, die von Nutzpflanzen gewonnen werden, gestartet und darauf hingewiesen, dass Studien darauf hindeuten, dass die Kraftstoffherstellung mehr Energie kostet, als gewonnen werden kann.
Es gibt ebenfalls eine zweite wichtige Frage, auf die die Abgeordneten hinweisen: Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Ein großer Schritt in Richtung Biokraftstoffe könnte die Anbaugebiete der Lebensmittelindustrie gefährden.
Pflanzenkraftstoffe würden öffentlich als Lösung für das Problem der Ölabhängigkeit und des Klimawandels gelobt und innerhalb der EU im Stillen gefördert, um die Agrarsubventionen zu kürzen, so der grüne Abgeordnete Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vize-Präsident des Agrarausschusses des Parlaments.
Die Verlagerung von knappen Lebensmittelressourcen vom Tisch in Öltanks werde den Druck auf die Lebensmittelpreise weltweit erhöhen und dazu führen, dass die Ärmsten Hungern müssten, so Graefe zu Baringdorf.
Die Grünen vertreten die Auffassung, dass eine starke Fokussierung auf Biokraftstoffe in Europa ebenfalls auf Länder wie Brasilien Auswirkungen haben würde, wo der für die Aufnahme von Treibhausgasen unerlässliche Regenwald abgeholzt werden könnte, um Raum für Anbauflächen zu schaffen. Da das dort hergestellte Ethanol nach Europa transportiert werden müsste, würde das Ergebnis weniger Regenwald, höhere Transportkosten und dadurch verstärkte CO2-Emissionen bedeuten.
Die Herstellung von Pflanzenkraftstoffen sei sehr energieintensiv und oftmals kohlenstoffreich. Zudem würde die Abholzung des Regenwaldes für den Anbau der Pflanzen den positiven Effekt der Pflanzenkraftstoffe eliminieren, so die Sprecherin der Grünen für Energiefragen, Rebecca Harms.
Die Bedenken der Grünen werden von der Kommission geteilt. In einer Rede
am 29. Januar 2007 betonte Umweltkommissar Stavros Dimas, dass es inakzeptabel sei, eine Abholzung des Regenwaldes hinzunehmen, um Anbauflächen zu schaffen.
Dimas fügte hinzu, dass es nicht hinnehmbar sei, Biokraftstoffe auf den Markt zu bringen, deren Herstellungsprozess genauso viel CO2 ausstoße wie durch eingespart werden könnte.
Ein System für die Herstellung dieser Kraftstoffe dürfte demnach keinenfalls auf nicht-nachhaltigen Herstellungspraktiken aufbauen.
Biokraftstoffe der zweiten Generation müssten so bald wie möglich auf dem europäischen Markt in Benutzung genommen werden, da sie vielversprechender seien, sowohl im Hinblick auf das Potential als auf die Umwelteinflüsse.
Weitere Bedenken beziehen sich auf die zunehmende Konkurrenz um Holz, wenn die Produktion der Biokraftstoffe zunimmt.
Eine Studie
, die am 30. Januar 2007 von der Confederation of European Paper Industries vorgelegt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass es viermal so effizient sei, Holz zu Papier zu verarbeiten als zu Biokraftstoffen.
Aufgrund der nachhaltigen Nutzung der Wälder würden die europäischen Wälder täglich um 4.000 Fußballfelder zunehmen, so CEPI.
Der zunehmende Wettbewerb zwischen Energieproduzenten und Papierherstellern würde jedoch eine neue Herausforderung darstellen, gab CEPI zu. Mit Verweis auf eine Studie
der Europäischen Umweltagentur, in der von einer Verlangsamung des Waldwachstums die Rede ist, wirft CEPI die Frage auf, wie ehrgeizigere Ziele für Kraftstoffe aus Holz sich mit der Nachhaltigkeit der europäischen Waldreserven und Landwirtschaftsressourcen vereinbaren ließen.
CEPI setzt sich für einen behutsameren Ansatz ein. Eine der wichtigsten Rohmaterialien der Papierindustrie, Holz, sei Biomasse, so CEPI. Die Nutzung von Holz könne im Herstellungsprozess optimiert und dann zur Herstellung erneuerbarer Energien ausgebaut werden.
Andere, wie der Verband der europäischen Biotechnologieunternehmen (EuropaBio), sind im Hinblick auf Biokraftstoffe optimistischer. Der Verband kündigte an, eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation spielen zu wollen und zu können.
Es werde bereits Ethanolbenzin aus Biomasse hergestellt, teilte EuropaBio in einer Erklärung zur so genannten „weißen“ Biotechnologie mit. Dank der Nutzung von Enzymen könne die Biomasse aufgeschlüsselt werden und die noch ungenutzten Quellen aus landwirtschaftlichem und Forstabfall erschlossen werden. Dies, so EuropaBio, eröffne neue Möglichkeiten für alternative Einkommen der Landwirte.
Wie der energiepolitische Sprecher der Kommission, Ferran Tarradellas Espuny, mitteilte, soll eine Überprüfung der Biokraftstoffrichtlinie aus dem Jahr 2003 zusammen mit einer neuen Rahmenrichtlinie für erneuerbare Energien im Laufe des Jahres vorgeschlagen werden.
Wann der neue Vorschlag vorgelegt werden soll, wird von den Ergebnissen des März-Gipfels der europäischen Staats- und Regierungschefs abhängen. Auf dem Gipfel wird über das Energiepaket der Kommission abgestimmt werden. Nach Aussage von Espuny könnte ein entsprechender Vorschlag für Juni oder September 2007 erwartet werden.