Bei der Konferenz „Energy Europe“, die von Friends of Europe organisiert wurde, stand die doppelte Herausforderung von Energieversorgung und Klimawandel auf der Tagungsordnung. In seiner Rede versprach Umweltkommissar Stavros Dimas eine harte Überprüfung der nationalen Allokationspläne für die zweite Phase des Emissionshandelssystems innerhalb der nächsten Wochen. Er werde nicht zulassen, dass der Emissionsrechtehandel unter unverantwortlichen Behörden leide, warnte Dimas.
In der folgenden Diskussion über Energie- und Klimafragen auf der außenpolitischen Agenda der EU wies Jon-Pol Poncelet vom Energieunternehmen AREVA auf die Notwendigkeit einer europäischen Debatte über die Rückkehr zur Atomenergie hin. Er betonte ebenfalls, dass die Rolle der Regierungen in der Debatte über die Energieliberalisierung in Europa nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Laura Cozzi, führende Energieanalystin der Internationalen Energieagentur, stellte die Hauptergebnisse des World Energy Outlook 2006 vor. Sie kritisierte, es würde zwar viel geredet, jedoch würden zu wenig nachhaltige Energiepolitiken umgesetzt. Joost van Roost von ExxonMobil wies auf die wichtige Rolle der Technologien bei der Bewältigung der Herausforderungen in den Bereichen Energieverbrauch und Klimaschutz hin.
In Verbindung mit der Konferenz legten Friends of Europe und Gallup Europe die Ergebnisse einer Umfrage, in der ca. 200 hochrangige EU- und US-Politiker befragt wurden, vor. Die Umfrage zeigt, dass die Befragten sehr pessimistisch sind, was die langfristigen Aussichten der Energiesicherheit betrifft. Die befragten Politiker waren geteilter Meinung bezüglich der Frage, ob der Wettbewerb um knappe Ressourcen zu Konflikten in der Außenpolitik führen werde.
Die Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament hat ebenfalls eine Stakeholder-Konferenz organisiert und legte eine Studie über Energie und Klimawandel-Szenarien für die EU vor. Die Studie, die im Auftrag der Grünen-Fraktion von dem renommierten deutschen Öko-Institut erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass es möglich sei, ehrgeizige Klimaziele zu erreichen – Emmissionssenkungen von 30% bis 2020 und 40% bis 2030 – ohne stärker auf Atomenergie zurückgreifen zu müssen. Die Grünen forderten einen „Pakt für Klima- und Energiesicherheit“.
Die Bedeutung des Klimaschutzes wurde durch einen Besuch von Sir Nicholas Stern, dem Autor der Studie über die Kosten des Klimawandels, die im Auftrag der britischen Regierung erstellt wurde, unterstrichen. Der frühere Chef-Ökonom der Weltbank stattete der Kommission einen Besuch ab und gab mehreren Kommissaren (Dimas, Piebalgs) ein Briefing. Er sprach ebenfalls mit dem Generalsekretariat und anderen Abteilungen über die Empfehlungen seines Berichts. Bei einer anschließenden Konferenz des Brüsseler Think Tanks CEPS (Centre for European Policy Studies) am 9. November sprach Nicholas Stern mit führenden Wirtschaftsvertretern, NGOs und Medien über die Erkenntnisse seines Berichts.



