Im Rahmen der ‚Green Week’ zur biologischen Vielfalt, die in diesen Tagen in Brüssel stattfindet, haben sich vier hochrangige Referenten am 30. Mai mit dem ökologischen Fußabdruck Europas befasst.
Georgina Mace, wissenschaftliche Direktorin des Londoner Instituts für Zoologie, stellte die Ergebnisse des ‚Millennium Ecosystem Assessment 2005’ der Vereinten Nationen vor. Ihrer Meinung opfere Europa sein Umweltkapital und verschleudere sein „Tafelsilber“. Sie äußerte Zweifel an der Erreichbarkeit des Ziels der EU, dem Rückgang der Artenvielfalt bis 2010 Einhalt zu gebieten. Ökosysteme bräuchten Jahrzehnte, um sich zu erholen.
EU-Umweltkommissar Dimas hingegen glaubt auch weiterhin daran, dass Europa dieses Ziel verwirklichen kann.
Mathis Wackernagel, einer der Gründer des ‚Ecological Footprint Accounting’, stellte eine Übersicht der Forschungsergebnisse des Global Footprint Network vor. Durchschnittlich benötige jeder Mensch auf der Erde derzeit 2,2 Hektar, während ihm eigentlich nur 1,8 zur Verfügung stünden. Europa brauche derzeit 2,5 Mal seine Fläche, um seinen derzeitigen Stand zu halten. „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir im Jahr 2050 zwei Planeten, um überleben zu können“, betonte Wackernagel. Es müsse genauestens errechnet werden, wie viele Ressourcen der Menschheit zur Verfügung stünden, und dann müsse damit begonnen werden, vor allem die Megastädte ökologisch tragfähig zu machen.
Fred Langeweg von der niederländischen Environmental Assessment Agency zeichnete ebenfalls ein düsteres Bild der aktuellen Situation. „Es ist unwahrscheinlich, dass das 2010-Ziel erreicht wird“, stellte er fest. Die einzige Lösung bestehe in der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und dem Rückgang der biologischen Vielfalt.
Worldwatch-Präsident Christopher Flavin beschrieb ein mögliches „Horrorszenario“. Mit einer Gesamtbevölkerung von 2,5 Milliarden Menschen (gegenüber 700 Millionen Menschen in der EU und den USA) sei es unwahrscheinlich, dass die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien ihre industriellen Praktiken und ihre Lebensführung an westliche Standards anpassen könnten.
Flavin forderte ein radikales Umdenken in den Bereichen Städteplanung, Verbrauchermuster, Lebensmittelwirtschaft und Energiewirtschaft. „Wir brauchen optimale dezentrale Energieeffizienzsysteme, die auf erneuerbaren Energien beruhen“, sagte Flavin. Die Kernkraft sei keine Lösung.



