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2. Dezember 2009
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Schutz der Artenvielfalt: 2010-Ziel unrealistisch, so Stakeholder [DE][en][fr

Erschienen: Donnerstag 1. Juni 2006    | Aktualisiert: Mittwoch 13. Juni 2007   

Sollte in den Bereichen Städteplanung, Verbrauchermuster, Lebensmittelherstellung und Energiewirtschaft kein "radikales Umdenken" erfolgen, werde die Menschheit direkt auf ihren eigenen Untergang zusteuern, lautete die düstere Botschaft der Teilnehmer der 'Green Week'-Debatte zum Thema "ökologischer Fußabdruck".

Hintergrund:

Das Konzept des ‚ökologischen Fußabdrucks’ wurde in den 90er Jahren von dem US-amerikanischen Professor William Rees und dem Schweizer Mathis Wackernagel entwickelt. Es beschreibt die Belastung der Umwelt durch menschliche Tätigkeiten, insbesondere die Folgen der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher Rohstoffe für die biologische Vielfalt und misst damit, wie nachhaltig gewirtschaftet und gelebt wird. 

Der Fußabdruck wird in Hektar pro Person gemessen. Die weltweit verfügbare Fläche beläuft sich derzeit auf 1,8 Hektar pro Person. 

Doch die Ökosysteme der Erde werden derzeit erheblich überstrapaziert. So ist der „ökologische Fußabdruck“ der Erde 23 % größer als er sein dürfte, sollen die Ökosysteme eine Chance haben, sich zu regenerieren.

Der ‚ökologische Fußabdruck’ Nordamerikas beträgt 9,4 Hektar pro Person, während die EU und die Schweiz 4,7 Hektar pro Person benötigen. Dies bedeutet, dass die Europäer mehr als zweimal soviel verbrauchen, wie ihnen eigentlich zusteht, die Nordamerikaner mehr als fünfmal soviel. 

In Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern, die den ‚ökologischen Fußabdruck’ erfunden haben, deren Global Footprint Networkexternal  und der Europäischen Umweltagentur ist eine 2005 Edition of the National Ecological Footprint external  ausgearbeitet worden. 

Im Rahmen der ‚Green Week’ zur biologischen Vielfalt, die in diesen Tagen in Brüssel stattfindet, haben sich vier hochrangige Referenten am 30. Mai mit dem ökologischen Fußabdruck Europas befasst. 

Georgina Mace, wissenschaftliche Direktorin des Londoner Instituts für Zoologie, stellte die Ergebnisse des ‚Millennium Ecosystem Assessment 2005’ der Vereinten Nationen vor. Ihrer Meinung opfere Europa sein Umweltkapital und verschleudere sein „Tafelsilber“. Sie äußerte Zweifel an der Erreichbarkeit des Ziels der EU, dem Rückgang der Artenvielfalt bis 2010 Einhalt zu gebieten. Ökosysteme bräuchten Jahrzehnte, um sich zu erholen. 

EU-Umweltkommissar Dimas hingegen glaubt auch weiterhin daran, dass Europa dieses Ziel verwirklichen kann. 

Mathis Wackernagel, einer der Gründer des ‚Ecological Footprint Accounting’, stellte eine Übersicht der Forschungsergebnisse des Global Footprint Network vor. Durchschnittlich benötige jeder Mensch auf der Erde derzeit 2,2 Hektar, während ihm eigentlich nur 1,8 zur Verfügung stünden. Europa brauche derzeit 2,5 Mal seine Fläche, um seinen derzeitigen Stand zu halten. „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir im Jahr 2050 zwei Planeten, um überleben zu können“, betonte Wackernagel. Es müsse genauestens errechnet werden, wie viele Ressourcen der Menschheit zur Verfügung stünden, und dann müsse damit begonnen werden, vor allem die Megastädte ökologisch tragfähig zu machen. 

Fred Langeweg von der niederländischen Environmental Assessment Agency zeichnete ebenfalls ein düsteres Bild der aktuellen Situation. „Es ist unwahrscheinlich, dass das 2010-Ziel erreicht wird“, stellte er fest. Die einzige Lösung bestehe in der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und dem Rückgang der biologischen Vielfalt.

Worldwatchexternal -Präsident Christopher Flavin beschrieb ein mögliches „Horrorszenario“. Mit einer Gesamtbevölkerung von 2,5 Milliarden Menschen (gegenüber 700 Millionen Menschen in der EU und den USA) sei es unwahrscheinlich, dass die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien ihre industriellen Praktiken und ihre Lebensführung an westliche Standards anpassen könnten. 

Flavin forderte ein radikales Umdenken in den Bereichen Städteplanung, Verbrauchermuster, Lebensmittelwirtschaft und Energiewirtschaft. „Wir brauchen optimale dezentrale Energieeffizienzsysteme, die auf erneuerbaren Energien beruhen“, sagte Flavin. Die Kernkraft sei keine Lösung.

Positionen:

Einige Konferenzteilnehmer fragten, ob die Weltpolitik überhaupt in der Lage sei, die Krise zu bewältigen. Georgina Mace zweifelte daran, dass die Regierungen angemessen auf die ungeheuren Probleme reagieren würden. Flavin dagegen äußerte sich zuversichtlicher. „Wir müssen eine Alternative aufzeigen, ein System für eine bessere Welt“, sagte er. Die Horrorszenarien lehnte er ab und verwies stattdessen auf neue Initiativen von Risikokapitalgebern in den USA, die die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Wandels mittlerweile erkennen würden. 

In einer Sache waren sich die Referenten jedoch einig: „Wir brauchen eine andere Art des Wachstums“. Diese Feststellung war in Übereinstimmung mit der Botschaft, mit der sich der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel anlässlich der Eröffnungskonferenz der Grünen Woche an die Teilnehmer gerichtet hatte (siehe EurActiv, ). 

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