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Der Stern-Bericht über die Kosten des Klimawandels hat bei Politikern EU-weit für Unruhe gesorgt. Nun stellt sich jedoch die Frage, ob die Berechnungen korrekt sind. EurActiv stellt die Positionen der Skeptiker vor.
Der vom früheren Chefökonom der Weltbank Nick Stern im Auftrag der britischen Regierung ausgearbeitete Bericht, der die gleiche Botschaft wie der Kampagnenfilm von Al Gore „An Inconvenient Truth“ verbreitet, hat unter der politischen Führung in Europa Unruhe verbreitet (siehe EurActiv 31 Oct 2006).
Premierminister Tony Blair nannte den Stern-Bericht „den wichtigsten Bericht für die Zukunft“ und Schatzkanzler Gordon Brown pflichtete ihm bei. Die französische Regierung äußerte ebenfalls ihre Unterstützung und verwies darauf, dass ein französischer Bericht („Factor Four
“) zum gleichen Ergebnis gekommen sei.
Jedoch erhielt die Studie nicht ausschließlich positive Reaktionen. Unmittelbar nach Veröffentlichung meldeten sich die ersten Skeptiker zu Wort, die die Wissenschaftlichkeit und die Kostenberechnungen in Zweifel zogen. Aber auch Klimaschützer griffen den Bericht an und kritisierten, dass Sir Nicholas Sterns Berechnungen der Kosten des Klimawandels zu niedrig seien.
Die wichtigste Erkenntnis des britischen Regierungsberichts ist, dass die Kosten für die Bekämpfung der Erderwärmung zwanzigfach unter den Kosten für Untätigkeit liegen. Der Bericht fordert daher politische Initiativen wie Emissionshandel oder Energieeffizienzmaßnahmen.
Studien über die Kosten für den Klimawandel beruhen auf ökonomischen Schätzungen und sind daher unzuverlässig.
Die Berichterstattung über den Bericht könnte auch als politisch motiviert kritisiert werden, da die Labour-Regierung unter zunehmenden „Umweltdruck“ seitens des neuen Tory-Chefs David Cameron geraten ist.
Die US-Regierung, die bereits 2001 das Kyoto-Protokoll ablehnte, spielte die Bedeutung des Stern-Berichts herunter und betonte, dass er nur einer von vielen Berichten über die Kosten für Klimawandel sei. Pressesprecher der Bush-Regierung verwiesen auf die großen Investitionen der Regierung in neue Technologien zur Bekämpfung der Erderwärmung.
OPEC, die Organisation der erdölexportierenden Länder, nannten den Stern-Bericht „fehlgeleitet“. OPECs Generalsekretär Mohammed Barkindo betonte, eine Anpassung und Verringerung des Klimawandels könne nur durch die Einhaltung der Prinzipien der gemeinsamen Verantwortung und der getrennten Kompetenzen erreicht werden und nicht durch Szenarien, die nicht auf wissenschaftlichen oder ökonomischen Erkenntnissen beruhen, wie im Falle des in London vorgelegten Berichts.
Das Wall Street Journal nannte den Stern-Bericht eine „politisierte Konstruktion“ und nannte als positives Gegenbeispiel den „Kopenhagener Konsens
“ des dänischen Ökonomen Björn Lomborg. Es gäbe viel wichtigere und weniger spekulative Probleme, deren Lösung bekannt sei. Diese Meldungen bekämen möglicherweise keine Aufsehen erregenden Überschriften, aber ihre Lösung würde das Leben von vielen Menschen verbessern. Der „Kopenhagener Konsens“ ist ein Projekt, das darauf abzielt, politische Prioritäten für die Förderung des weltweiten Wohlstands zu schaffen.
Im Blog des Guardian „Comment is free“ kritisierte
der in der Solarenergie tätige Unternehmer Jeremy Leggett den Stern-Bericht dafür, dass er nicht „erst genug“ sei und den Umfang des Problems herunterspiele.
Einer der renommiertesten Experten im Bereich Kostenberechnung des Klimawandels, Richard Tol, legte eine detaillierte vierseitige Kritik am Stern-Bericht
vor und wies darauf hin, dass nur die negativsten Studien berücksichtigt wurden, der Diskontsatz zu niedrig sei und keine wirkliche Kosten-Nutzen-Analyse biete. Tol nannte den Bericht aus diesem Grund „Panikmache und inkompetent“. Dies solle nicht heißen, dass Klimawandel kein Problem sei und Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden müssten. Es gäbe gute Argumente für Emissionsreduzierung. Unzuverlässige Analysen wie der Stern-Bericht seien jedoch nur Wasser auf die Mühlen der Skeptiker, so Tol.