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Buzek nun auch auf Twitter präsent [DE]

Veröffentlicht 22. Januar 2010 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek eröffnete gestern sein eigenes Twitter-Konto, um besser mit den europäischen Bürgern zu kommunizieren. Er ist damit der erste Präsident der EU-Versammlung, der diesen Microblogging-Dienst nutzt.

Der Pole, der bereits die Social-Network-Seite Facebook für berufliche Zwecke nutzt, sagte, Twitter stelle „ein anderes Format” der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dar.

Die Nutzung aller Kommunikationsformen stellt Buzek zufolge „eine Freude und Notwendigkeit“ dar. Das Europäische Parlament werde zunehmend bedeutender und müsse daher zunehmend Präsenz zeigen.

In der Tat hat die Institution mit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags am 1. Dezember eine wachsende Bedeutung erlangt. Der Vertrag sieht vor, dass die EU-Versammlung in der Mehrzahl der Politikbereiche mit dem Ministerrat gleichberechtigter Gesetzgeber wird.

„Moderne Technologien, einschließlich Social Media, ermöglichen es den Menschen, mit anderen zu interagieren und ein Mitspracherecht zu haben”, sagte Buzek.

Der Parlamentspräsident nannte den Erfolg seiner Facebook-Seite, die 2.197 so genannter ‚Fans’ hat, als wesentlichen Faktor für seine Entscheidung zur Einrichtung eines Twitter-Kontos.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Schritt Buzeks seine Kollegen im Parlament dazu ermutigen wird, es ihm nachzutun.

Eine im letzten Herbst durchgeführte Studie von StrategyOne und Edelman, einer Beratungsfirma für Public Affairs, fand heraus, dass Europaabgeordnete beim Online-Dialog mit EU-Bürgern hinterherhinken (EurActiv vom 10. November 2009).

Die Studie zeigte, dass viele Mitarbeiter des Parlaments immer noch traditionelle text- oder bildbasierte Webseiten für professionelle Anwendungen bevorzugten, obwohl sie sich im Internet gut auskennen. Web 2.0-Innovationen wie Blogs, Wikis, Videos, soziale Netzwerke und Podcasts nehmen sie der Studie zufolge hingegen vor allem für den Privatgebrauch an.

So dominierten unter den Strategien für digitale Medien, die von Assistenten im Europäischen Parlament verfolgt wurden, weiterhin die traditionellen Methoden der Online-Kommunikation – drei Viertel der Assistenten hielten Webseiten in dieser Hinsicht für das wirksamste Mittel und 30% hielten sie für „sehr effektiv“.

Nichtsdestotrotz hielten 62% der Assistenten Online-Videos als wirksames Kommunikationsmittel. Blogs und Mikro-Blogs standen mit 45% bzw. 27% vergleichsweise schlechter da.

Für den Wähler bleibt E-Mail bei weitem die wirksamste Methode, um mit seinem Europaabgeordneten in Kontakt zu treten (87%).

Neue Medienformen wie Blogs (31%) und soziale Netzwerke (22%) hinken in diesem Bereich deutlich hinterher, was vielleicht auf die relativ geringe Nutzung seitens der Mitarbeiter der EU-Versammlung selbst zurückzuführen ist.

Buzeks erstes Tweet auf der Seite lautete übrigens (auf Englisch): „Das EP arbeitet an den Anhörungen der designierten Kommissare, wir werden am 9. Februar über die Kommission abstimmen, mehr auf meiner Webseite.“

Gestern Abend hatten bereits 268 Nutzer den Polen in die Liste der von ihnen auf Twitter verfolgten Personen aufgenommen.

Stellungnahmen: 

„Die neuen Medien verändern die Art und Weise, wie Politiker mit der Bevölkerung kommunizieren – und umgekehrt”, sagte der walisische Labour-Europaabgeordnete Derek Vaughan bei Vorstellung der Studie von Edelman im November 2009.

„Ich bin mir sicher, dass sich Politiker und ihre Mitarbeiter in Zukunft den digitalen Medien mit neuen Ideen wie internetbasierten Sprechstunden und digitalen Konferenzen zuwenden werden“, fuhr er fort. Es gebe da viele Möglichkeiten, die Politiker und ihre Assistenten in Betracht ziehen könnten.

„Viele von uns nutzen Online-Befragungen und haben Webseiten und Blogs. Ich selbst benutze keinen Blog, weil ich nicht wüsste, was ich jeden Tag sagen sollte, aber einige meiner Kollegen tun das“, sagte er weiter.

Jedoch mahnte der walisische Europaabgeordnete, die etablierten Kommunikationsmittel nicht zu vernachlässigen. „Ich kann traditionelle Medien wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen nicht ignorieren, weil nur etwa 60% der walisischen Bevölkerung über einen Breitbandzugang zum Internet verfügen“, erklärte er.

Hintergrund : 

Vor den Europawahlen im Sommer 2009 legte das Europäische Parlament Profile auf internetbasierten Social-Media-Plattformen an (Facebook, MySpace und Flickr), um vor allem jüngere Wähler anzusprechen.

Die Schlüsselbotschaft der Seiten blieb jedoch auf das Wahldatum und die Auswirkungen der parlamentarischen Entscheidungen auf den Alltag der Europäer beschränkt. Es kam nur zu wenig wirklich wechselseitiger Kommunikation mit den Politikern.

Dementsprechend wenig verwunderlich sind die Ergebnisse einer im Mai letzten Jahres veröffentlichten Studie von Fleishman-Hillard, einem Beratungsunternehmen für Public Affairs. Während US-Kongressabgeordnete bereits mit Amerikanern aus den gesamten Vereinigten Staaten ‚zwitschern’, machen Europaabgeordnete der Studie zufolge immer noch spärlichen Gebrauch von Social Media und schöpfen das Potenzial digitaler Politik bei der Kommunikation mit den Wählern nicht aus (EurActiv vom 20. Mai 2009).

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