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2. Dezember 2009
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Journalisten besorgt über Pressefreiheit in Europa [DE][en][fr

Erschienen: Dienstag 4. März 2008   

Journalisten in ganz Europa, aus Ost und West, sähen sich zunehmend mit Zensur und Druck konfrontiert und erführen auch körperliche Gewalt und Bedrohung. Dies geht aus einer Studie der Vereinigung europäischer Journalisten hervor. Die EU stehe außerdem nicht für die Journalisten ein. 

Hintergrund:

1992 hatte die Kommission eine Anhörung über Pluralismus und Medienkonzentration in der EU (GrünbuchPdf external ) in die Wege geleitet und damit auf die zunehmenden Bedenken bezüglich der Medienkonzentration reagiert. Zwei Jahre später schloss die Anhörung mit dem ErgebnisPdf external , dass es primär Sache der einzelnen Mitgliedstaaten sei, Pluralismus und Vielfalt in den Medien zu erhalten. Eine Richtlinie wurde von Mario Monti, dem damaligen  Kommissar für den Binnenmarkt, zu einem späteren Zeitpunkt vorgeschlagen, jedoch wurde seine Initiative zwei Mal vom Kollegium der Kommissionsmitglieder zurück gewiesen, zuletzt 1997.

Eine neue Herangehensweise an den Medienpluralismus, die auf Beobachtung basiert, wurde von der derzeitigen Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, vorgebracht. Erste Ergebnisse werden im Jahr 2008 im Rahmen der Publikation einer unabhängigen Studie erwartet, deren Ziel es ist, Anzeichen zur Einschätzung von Medienpluralismus in der EU zu bestimmen.

Die Vereinigung europäischer Journalisten (AEJ) präsentierte ihre erste Studie zum Thema Pressefreiheit in Europa im November 2007. Sie trägt den Titel „Goodbye to Freedom?“ und wurde in aktualisierter Form am 28. Februar 2008 im Rahmen einer Veranstaltung in Brüssel vorgelegt. Sie umfasst 20 west- und osteuropäische Länder. 

Die Studie, die am 28. Februar 2008 in Brüssel vorgelegt wurde, erachtet die Pressefreiheit in den größten Teilen Europas rückschrittlich und nannte mehrere Fälle von Missbrauch, darunter unter anderem:

  • Gewalt und Einschüchterung (Russland, Armenien);
  • Angriffe auf die Unabhängigkeit von Medien seitens der Regierungen (Slowenien);
  • politischer Missbrauch, vor allem im öffentlichen Rundfunk (Kroatien, Slowakei, Polen);
  • wirtschaftlicher Druck und Überkonzentration in den Massenmedien (Frankreich, Italien).

William Horsley, der Herausgeber der Studie, ist der Ansicht, dass Regierungen in ganz Europa einem deutlichen Trend folgten, rauere Methoden anzuwenden. Als solche bezeichnet er das öffentliche Verdrehen von Tatsachen und die verschärfteren Kontrollen des Zugangs der Journalisten zu Informationen, um so die Kritik durch die Medien zu hemmen.

Laut Horsley sei dieser Trend nicht nur auf die jüngeren Demokratien in Zentral- und Osteuropa begrenzt. Die offene Konfrontation zwischen Regierung und Medien in Slowenien spiegele sich auf vielfache Weise in Großbritannien, Irland, der Slowakei, der Tschechischen Republik und anderen Ländern wider.  In Irland sehen sich zwei Journalisten von The Irish Times einer Gefängnisstrafe ausgesetzt, weil sie sich weigerten, ihre Quellen preiszugeben, so erfuhr der AEJ in einem kürzlich abgehaltenen Workshop in Dublin. In der Slowakei wurde der Journalist Martin Klein für die Veröffentlichung eines satirischen Artikels über einen Kirchenführer verurteilt. Diese Entscheidung wurde vom obersten Gericht der Slowakei trotz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, das den Journalisten unterstützte, bestätigt.

EU und Medienorganisationen reagieren zu langsam

Horsley zufolge trügen die Medienorganisationen einen Teil der Schuld selbst. „Die europäischen Medien waren zu langsam, das Muster der Zensur, den Druck und teilweise sogar die physische Gewalt, der Journalisten in jeder Ecke Europas gegenüberstehen, zu begreifen und zu melden“, so sagte Horsley EurActiv.

Die europäischen Institutionen – der Rat, die Kommission und das Parlament – hätten es versäumt, so Horsley, für die Pressefreiheit einzustehen.

„Die Staats- und Regierungschefs der EU haben es oftmals versäumt, ihren rhetorischen Versprechen zu den ‚Europäischen Werten’, wie Pressefreiheit, gerecht zu werden“, betonte Horsley gegenüber EurActiv. „Die wichtigsten Institutionen der EU haben es nicht geschafft, sich Russland gegenüber im Hinblick auf die Unterdrückung der unanhängigen Medien zu behaupten.“

„Wenn die EU ihre eigene zweifelhafte Bilanz beim Schutz der Pressefreiheit innerhalb ihrer eigenen Grenzen vernachlässigt, ist es offensichtlich, dass Regierungen anderer Länder Pressefreiheit und -unabhängigkeit nicht sehr ernst nehmen werden.“

OSZE-Forum zur Pressefreiheit

Unterdessen forderte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) während eines Forums am 29. Februar 2008 in Wien ihre Mitgliedstaaten auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Die Forumsdiskussion markierte den 10. Jahrestag des Büros des Beauftragten der OSZE für die Freiheit der Medien, Miklos Haraszti. Das Büro ist zuständig für Frühwarnungen über Verletzungen der Meinungsfreiheit und hilft teilnehmenden Ländern dabei, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Die 56 OSZE-Staaten hätten sich zu den höchsten Menschenrechtsstandards, darunter auch die Meinungsfreiheit, verpflichtet. Heute müssten häufig nicht nur die Standards der Pressefreiheit verteidigt werden, sondern auch der Gedanke der internationalen Kooperation hinsichtlich der Menschenrechte, so Haraszti.

Positionen:

William Horsley, Herausgeber der Studie von AEJ und ehemaliger Auslandskorrespondent von BBC, sagte während der Veranstaltung vom 28. Februar 2008, Medienfreiheit sei kein optionales Extra. Ohne sie könnten Regierungen nicht zur Rechenschaft gezogen werden und es könne keine Rechtsstaatlichkeit geben.

Die europäischen Journalisten, die während der Präsentation in Brüssel anwesend waren, nannten weitere Bedrohungen, so wie die Minderung von Standards aufgrund wirtschaftlicher Zwänge und Kostensenkungen. Dies beinhalte auch „Fließbandjournalismus“ (englisch: „Churnalism“), womit die Herstellung von Nachrichten als ein „fabrikähnlicher Prozess“ verstanden wird, die einzig verfasst würden, um den leeren Raum zu füllen.

Lorenzo Consoli, Präsident des Internationalen Presseverbands (IPA), sagte, es sei wichtig, die Bedingungen für Transparenz zu verbessern. Er verurteilte die zunehmende Tendenz innerhalb der Brüsseler Institutionen, die von der Presse gestellten Fragen kontrollieren zu wollen.

Einige Teilnehmer empfohlen ebenfalls, über die neuen Ertragsmodelle nachzudenken, die neue Internettechnologien mit sich brachten. Zu jüngsten erfolgreichen Versuchen zur Modernisierung des Journalismus zählen Internetseiten wie: http://www.mediapart.frexternal http://www.rue89.comexternal und http://www.opendemocracy.netexternal .

Christophe Leclercq, Gründer und Herausgeber von EurActiv.com, sagte infolge dieser Veranstaltungen: „Das Internet ist nicht fehlerfrei, was Qualität und Unabhängigkeit betrifft. Die neue Technologie macht es jedoch auch schwieriger für Regierungen, Nachrichten vollständig zu unterdrücken.“

Leclercq verwies auf das Netzwerk von EurActiv als einen „kleinen Schritt” in Richtung verbesserten Medienpluralismus. „Ursprünglich geschaffen, um zu Transparenz, Medienvielfalt und Mehrsprachigkeit beizutragen, wurde das EurActiv Netzwerk mit einem Pilotprojekt ins Leben gerufen, das vom Europäischen Journalismuszentrum verwaltet wurde. Anschließend wurde das Netzwerk auf Osteuropa ausgeweitet – insbesondere in Zusammenarbeit mit der Internationalen Journalisten-Vereinigung. Das CrossLingual Netzwerk von EurActiv verbindet heute 30 Journalisten in neun Sprachen und in neun Ländern.“

Nächste Schritte:

  • Erstes Quartal 2009: Die Kommission wird eine Studie über ‚Indikatoren für Medienpluralismus in den EU-Mitgliedstaaten’ vorlegen
  • Zweites Quartal 2009: Es wird erwartet, dass die Kommission eine Mitteilung über ‚Indikatoren für Medienpluralismus in den EU-Mitgliedstaaten’ vorlegt. Im Vorfeld soll eine breitangelegte öffentliche Anhörung erfolgen.

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