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„Spektakuläre“ Neugestaltung des Brüsseler EU-Viertel geplant [DE]

Veröffentlicht 06. März 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Europäische Kommission möchte der Gegend ein „symbolischeres“ und „menschlicheres” Flair verleihen, sagte der stellvertretende Kommissionspräsident Siim Kallas gestern (5. März 2009) bei der Vorstellung des Gewinners der Ausschreibung.

Der ausgewählte Entwurf des internationalen Teams um den französischen Architekten Christian de Portzamparc sieht eine „symbolische Umgebung für die EU-Institutionen“  vor, sagte Kallas. Er gebe dem europäischen Projekt Körper und Seele und stelle der Kommission dringend benötigten Platz für neue Büros bereit.

Rue de la Loi Schwerpunkt der neuen Entwicklungen

Die Errichtung von neuen Büros, öffentlichen Räumen, Geschäften und möglicherweise auch einer Kinderkrippe für den Nachwuchs der  EU-Angestellten wird an der Rue de la Loi stattfinden. Diese verbindet den Kreisverkehr am Schuman-Platz, an dem auch das Kommissions-Hauptquartier, das Berlaymont  liegt, mit der inneren Ringstraße der belgischen Hauptstadt

Die Idee sei, einzelne Abteilungen in größere, effizientere Gebäude umzusiedeln, um so eine gute Mischung von Büros, Geschäften und Wohnungen zu erreichen. Das wichtigste Ziel sei jedoch, die Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren, indem man gute Anbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr schaffe und zur Verschönerung der Rue de la Loi und ihrer Umgebung beitrage.

Die Kommission und die Regierung der Hauptstadtregion Brüssel planen 400.000m² auf beiden Seiten der Rue de la Loi in die Bauarbeiten einzubeziehen. Die Büros der Kommission sollen dann auf 230.000m² davon verlegt werden. Momentan befinden sich allerdings erst 170.000m² im Besitz der Kommission.

Die Vision De Portzamparcs, die er gestern präsentierte, umfasst eine Reihe von neuen Hochhäusern mit Glasfassade in der Nähe des Charlemagne-Gebäudes als neues Zentrum und entlang der Rue de la Loi.

Der Ministerpräsident der Hauptstadtregion Brüssel, Charles Picqué, beschrieb die neuen Bürotürme als „ikonische Gebäude, die zu den höchsten in Brüssel gehören werden“. In die Höhe zu bauen, ermögliche es,  geschlossene Gebäude in öffentliche Räume zu verwandeln.

Bauarbeiten im Europaviertel sind keine Neuheit. So errichtet der Rat momentan neue Büros, direkt neben seinem Hauptquartier im Justus Lipsus-Gebäude und der Bahnhof unter dem Schuman-Kreisverkehr wird Modernisierungsarbeiten unterzogen,  um eine bessere Anbindung der Metro an das nationale Schienennetz zu gewährleisten.

Vergrößerte Dichte…

Ein EU-Vertreter betonte, das Ziel des Projektes sei eine Vergrößerung der Gebäudedichte an der Rue de la Loi, nicht die Errichtung einer neuen Skyline und trat so dafür ein, dass der Blick auf den nahe gelegenen Triumphbogen im Parc du Cinquantenaire nicht verbaut werden sollte.

…und trotzdem mehr Freiflächen

Der Entwurf beinhaltet, dass der Verkehr auf der Rue de la Loi, die momentan eine Einbahnstraße ist, in beide Richtungen fließt. Der Boulevard, in dessen Mitte die Straßenbahngleise verlaufen sollen,   soll verbreitert und  von Bäumen und Grünflächen  gesäumt werden. 

Picqué warnte, dass Mobilität von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines zukünftigen  Raumkonzeptes sei. Man werde nicht versuchen den Verkehr zu beschränken, sondern wolle Verkehr in beide Fahrrichtungen, öffentlichen Nahverkehr und eine grünere Rue de la Loi, erklärte er und gab zu, dass dafür noch eine Menge geplant werden müsse.

Straßenschlucht

Im Moment ist die Rue de la Loi eine der verkehrsreichsten Durchgangsstraßen der Stadt. Ein Tunnel verbindet sie mit dem Brüsseler Autobahnsystem. Er sei nicht dafür an  diese Straßenschlucht festzuhalten, sagte Picqué, aber man stehe definitiv vor einer Herausforderung. Man müsse, trotz funktioneller Hindernisse, Mobilität ermöglichen.

Picqué betonte, dass der Vorschlag kein kompletter Neubau des Viertels darstelle. Vielmehr werde das Projekt mit der Zeit entstehen. Man werde weder alles abreißen und eine riesige Baustelle eröffnen, noch viele Enteignungen vornehmen, sagte er und deutete an, dass die Entwicklung des Viertels bis zu 15 Jahre dauern könne.

Die Kommissarin Kallas stritt ab, dass die Kosten ein Problem seien und sagte, die EU-Kommission werde den Bau, neuer Gebäude aus dem eigenen Budget bezahlen. Das Anmieten von Gebäuden sei zwar eine Option, aber die Kommission bevorzuge, selbst Eigentümer ihrer Gebäude zu sein.  Die Kosten würden durchaus im Budget bleiben.

Die Kommission versucht sich außerdem zu dezentralisieren, indem sie ein bis drei Standorte außerhalb des zentralen Bereichs eröffnet. Momentan seien neun mögliche Standorte im Gespräch und eine Entscheidung werde im Laufe des Jahres fallen.

Stellungnahmen: 

Da 80 Prozent der Fläche für Büros genutzt würde und es immer noch nicht genügend Wohnungen gebe, werde das Europäische Viertel von vielen immer noch als toter Raum angesehen, sagte der stellvertretende Kommissionspräsident Siim Kallas und beklagte die Fehler der Vergangenheit.

Wenn es gelinge von dem puren Büroraum-Konzept Abstand zu nehmen und man ein gutes Projekt für die städtische Architektur starten würde, zeige man die  Ambitionen, die man für die Hauptstadt Europas habe. Man gebe dem politischen Europa einen Körper und eine Seele, fügte Kallas hinzu.

Der Ministerpräsident der Hauptstadtregion Brüssel, Charles Picqué, sagte, die Idee hinter dem Projekt sei, ein funktionierendes städtisches Konzept für die Rue de la Loi zu finden und einen Katalysator für die Umgestaltung des Europäischen Viertels zu schaffen. Allerdings sei das Projekt noch in der Planungsphase, warnte er.

Angesprochen auf die Umweltstandards, sagte Picqué, einer der Hauptcharakteristika des Projektes sei die Verwendung von neuen Technologien zur Energieeffizienz und alternativen Energiequellen. Er könne dazu zwar noch nichts Genaueres sagen, aber er könne sich keine Lösung vorstellen, in der Nachhaltigkeit nicht berücksichtigt werde.

Kommissar Kallas stimmte dem zu. Man sei noch in der Planungsphase und individuelle Gebäudepläne müssten noch eingereicht werden.  Aus symbolischen Gründen müssten die höchsten Umweltstandards angelegt werden.

Die Hauptstadtregion Brüssel ließ in einer Pressemeldung verlauten, der Entwurf des Gewinnerteams befolge die Hauptziele für das Europäische Viertel: Die Errichtung eines Viertels, das eine starke, symbolische Identität für Europa schaffe und sich perfekt an die angrenzenden Bezirke anpasse. Die Schaffung eines bewohner- und umweltfreundlichen Stadtprojektes, das Büros und Wohnungen vereine, sowie dem öffentlichem Personentransport, Fahrrädern und Fußgängern Priorität einräume. 

Nächste Schritte: 
  • Juni 2009: Öffentliche Ausstellung des Gewinnerentwurfs, sowie von Entwürfen (in) der engeren Auswahl 
  • Herbst 2009: Präsentation des endgültigen Entwurfs 
  • 2011: Beginn der  Bauarbeiten  
Hintergrund : 

Siim Kallas, Vizepräsident der Europäischen Kommission und Charles Picqué, Ministerpräsident der Brüsseler Hauptstadtregion, enthüllten am 5. September 2007 zum ersten Mal gemeinsame Pläne zu einer kompletten Umgestaltung des Europäischen Viertels in Brüssel (EurActiv vom 6. September 2007).

Bei einer EU-weiten Ausschreibung, die am 3. April 2008 begann, reichten 35 Teams von Architekten ihre Entwürfe zur Restrukturierung des Gebietes um die Rue de la Loi ein. Fünf Pläne wurden in die engere Auswahl genommen und der Gewinner wurde schließlich, von einem Gremium von internationalen Experten, Kommissionsmitgliedern und Repräsentanten der Stadt Brüssel und der Hauptstadtregion, ausgewählt.

Die EU-Gebäude nehmen insgesamt 1,9 Millionen Quadratmeter Büroflache in Brüssel ein, von denen eine Millionen von der Kommission und ihren Gremien verwendet werden. Die Kommission nutzt 55 Gebäude im Stadtgebiet. Im Jahr 2008 hatte die Kommission 206,9 Millionen Euro für ihre Gebäude ausgegeben, die hauptsächlich den Kauf (129,5 Millionen Euro) oder die Miete (77,5 Millionen Euro) umfassen.

Nachdem die Gebäudepolitik der Kommission, besonders im Bezug auf das Hauptquartier Berlaymont, in der Vergangenheit stark kritisiert worden war, betonten sowohl Kallas und Picqué, dass die neuen Pläne „mehr fürs Geld“ bieten müssten.

Das Belaymont-Hauptquartier hatte erst 2004, nach einer dreizehn Jahre langen und 1 Milliarde teuren Renovierungsphase wieder seine Türen geöffnet. Die  Kommission hatte das Gebäude 1991 aufgrund von Sicherheitsbedenken geschlossen, da dort Asbest als Dämmstoff verbaut war. 

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